11. September 2007, Navarra, Reisereportagen

Weinrouten Spanien – im alten Königreich Navarra

Im Herbst entlang der Weinberge fahren, in denen Weinbauern die reifen saftigen Trauben in Körbe und auf Wagen sammeln. Das geschäftige Treiben in den Bodegas erleben, wo die Trauben gepresst und zur ersten Gärung abgefüllt werden. Die bunten Weinfeste besuchen, das feierliche traditionelle Stampfen der Trauben und die Umzüge mit Riesen und Schwellköpfen erleben; Musik, Tanz und Folklore genießen und dazu die landestypische Gastronomie bei einem Glas herrlichen Weins probieren. An noch warmen und goldenen Herbsttagen durch typische Dörfer und Städte bummeln und deren kulturelle Sehenswürdigkeiten kennenlernen ist möglich auf den Weinrouten durch Spanien.

Verspielt und anmutig wie ein Märchenschloss erhebt sich die alte Königsburg von Olite inmitten des kleinen Städtchens, das einst Sitz der Könige von Navarra war und unter Karl III. seine Glanzzeit erlebte. Er war es auch, der für sich und seine Gattin den neuen Teil des prächtigen Palastes im Stil der französischer Spätgotik mit Erkern, Türmen und Gartenanlagen errichten ließ. Im alten Palastteil ist heute ein staatliches Paradorhotel untergebracht. Der ganze Ort ist mittelalterlich geprägt. Die schmalen Gassen werden von Renaissance- und Barockpalästen gesäumt. Olite ist die Hauptstadt der Weinregion Navarras.

Einen umfassenden Überblick über die Weine dieser Region erhält man im Weininformationszentrum, das sich in einem ehemaligen Palast aus dem 17. Jh. befindet. Anfang September füllen sich die Straßen des Städtchens zum alljährlichen Weinlesefest. An drei Tagen spielt der Wein die Hauptrolle in Olite. Die Bodegas sind fast den ganzen Tag geöffnet. Mit dem Ballon über die weiten Weinberge der Region fliegen, das traditionelle Weinstampfen sehen, den Wein der verschiedenen Bodegas der Herkunftsregion Navarra genießen und am Abend Konzertveranstaltungen und das obligatorische Feuerwerk miterleben.

In Olite selbst und inmitten der grünen Hügelregion des mittleren Navarra liegen die Bodegas, die man entlang der Weinroute durch Navarra besichtigen und wo man die herrlichen Weine kosten kann. Die Route führt südlich der Hauptstadt Pamplona durch weitere mittelalterliche, geschichtsträchtige Dörfer und Städtchen. Da ist beispielsweise Ujué im Osten von Olite. Das auf einem Hügel gelegene Dorf, das man schon von weitem erblickt, hat bis heute seinen Festungscharakter erhalten. Der mittelalterliche Stadtkern mit seinen eng aneinander gedrängten Häusern erstreckt sich zwischen steilen Straßen unterhalb der alten Wehrkirche Santa María. Zinnen, Wehrgänge und Bogenpfeiler verleihen der Kirche einen uneinnehmbaren Charakter.

Uneinnehmbar scheinen auch die aus dem 12. Jh erhaltenen Stadtmauern von Artajona mit ihren zahlreichen Türmen. Auch hier erhebt sich, umgeben von den festen Mauern, in der Ortsmitte des Dörfchens die alte Wehrkirche San Saturnino. Wer Zeugnisse aus noch älteren Epochen Navarras sucht, kann in der Nähe die Dolmen „Portillo de Enériz“ und „Mina de Farangortea“ besichtigen. Oder man stattet der antiken römischen Stadt Andelos nahe der kleinen Ortschaft Mendigorría einen Besuch ab. Sie gilt als die bedeutendste archäologische Ausgrabungsstätte Navarras. Fährt man weiter in nördlicher Richtung, erreicht man nach dem Durchqueren von Getreidefeldern und Weingärten Puente La Reina, eine der charakteristischen Ortschaften am Jakobsweg, der ebenfalls ein gutes Stück durch Navarra verläuft. Das beliebteste Fotomotiv des Ortes ist die imposante romanische Brücke über dem Fluss Arga. Die „Brücke der Königin“ verlieh der kleinen Stadt ihren Namen. Auch die weiteren am Río Arga gelegenen Ortschaften, die man im Verlauf der Route durchquert, wie Larraga oder Miranda de Arga, spiegeln das Bild der Geschichte um das umkämpfte Königreich Navarra wieder. Die einstigen Grenzgarnisonen blicken von  Anhöhen weit über die umliegende Landschaft.

Wer die reiche Natur Navarras genießen möchte, kann entlang der Weinroute die Lagune von Pitillas besuchen. Das Feuchtgebiet liegt sieben Kilometer von Olite entfernt. An dem 300 ha großen abflusslosen See mit angelegten Deichen und Kanälen sind zwischen Schilfrohr und Binsengebüsch zahlreiche Vogelarten heimisch und unzählige Zugvögel geben sich hier ein jährliches Stelldichein. Die umliegenden Getreide- und Weinfelder reichen fast bis an die Ufer.

Der Weinanbau in Navarra hat eine lange Tradition und reicht bis in die Zeit der Römer zurück. Eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Weinanbaus spielten im Mittelalter der Klosterorden von Cluny und die Zisterzienser, die sich insbesondere zwischen dem 11. und 12. Jh. hier ansiedelten. Bedingt durch die engen verwandtschaftlichen Beziehungen der Könige von Navarra zu französischen Adelshäusern verspürte kaum eine andere Weinregion Spaniens im Mittelalter so starken Einfluss aus den französischen Anbaugebieten Bordeaux, Burgund und der Champagne. Bis heute dominiert die Garnache-Traube in den Rot- und Roséweinen Navarras. Weine mit der Herkunftsbezeichnung D.O. Navarra gehören zu den beliebten Weinen Spaniens und ihre Bodegas haben sich aufgrund ihrer langen Tradition auch international einen Namen gemacht.

Die Weinroute durch Navarra ist nur eine der zertifizierten Weinrouten auf dem spanischen Festland und den Inseln. Entlang der jeweiligen Routen kann man neben dem Besuch von Bodegas in ländlichen Unterkünften übernachten und in ausgesuchten Restaurants die typischen Spezialitäten der Region kosten. Informationen zu den Weinen von Navarra unter http://www.vinosnavarra.com/, zu den Weinrouten Spaniens unter http://www.spain.info/TourSpain/Rutas+Vino/?Language=de



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