21. Dezember 2007, Flughafen Düsseldorf

Flughafen Düsseldorf testet seine Alltagstauglichkeit

Mit 27 fühlen wie ein 77-Jähriger: Student Nils Fallack erlebt den Düsseldorfer Flughafen im Alterssimulator

Wie können Flughäfen und insbesondere der Düsseldorfer Airport dem demografischen Wandel begegnen? Wie muss sich ein Flughafen auf die Bedürfnisse älterer Menschen einstellen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Studienarbeit von Nils Fallack. Der 27-Jährige belegt an der Hochschule Harz in Wernigerode das Fach Tourismusmanagement und absolviert zurzeit ein Praktikum bei der Düsseldorfer Flughafengesellschaft. Der Airport unterstützt ihn bei seiner Bachelorarbeit und ermöglicht ihm, seine Studien nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis zu betreiben.

„Die Verknüpfung von Tourismus und demografischem Wandel ist aktuell und wird derzeit vielfältig erforscht“, erläutert Nils Fallack. „Mein Schwerpunkt, nämlich die Frage nach dem Umgang der Flughäfen mit der Bevölkerungsentwicklung, ist in der Kombination aus Theorie und Praxis ein ganz neuer Aspekt. Ich finde das Thema höchst spannend, und es ist zudem sehr zukunftsträchtig.“

„Das Projekt ist für uns zukunftsweisend, denn die Gesellschaft wird immer älter – und somit auch unsere Passagiere“, betont auch Eckhard Mischke, Leiter des Bereichs Consumer Marketing, der Nils Fallack bei seiner Arbeit betreut. „Wir sehen darin die Chance, das, Produkt Flughafen’ im Hinblick auf die Gruppe der älteren Reisenden prüfen und verbessern zu können.“

Wie erleben Senioren den Düsseldorfer Flughafen? Wie ist es, wenn zum Beispiel die Bewegungen beschwerlicher werden, man nicht mehr so gut sieht und hört wie früher? Nils Fallack will es im Rahmen seiner Studienarbeit wissen. Dazu befragt er Senioren am Düsseldorfer Airport und geht noch einen Schritt weiter. „Ich möchte selber einmal die Erfahrung machen, mich als älterer Mensch am Flughafen zu bewegen“, so Nils Fallack. „Das Experiment dient dazu, sich über die Theorie hinaus selbst ein Bild zu machen. Mit allen Sinnen erleben, wie ein Senior sich fühlt.“ Im so genannten Age Explorer, einem speziellen Anzug zur Alterssimulation, macht er einen Rundgang durch das Terminal und erkundet es im Hinblick auf die speziellen Bedürfnisse von Senioren. Düsseldorf ist der erste deutsche Airport, der den Anzug auf eigene Initiative hin einsetzt.

Der Age Explorer besteht aus einem Overall mit Gewichten, die einen Eindruck von nachlassenden Kräften und eingeschränkter Beweglichkeit vermitteln. Hinzu kommt ein Spezialvisier, das ein verändertes Farbensehen und altersbedingte Veränderungen der Sehschärfe erfahrbar macht. Ergänzt wird das Ganze durch weitere Komponenten wie zum Beispiel Gehördämpfer, die ein eingeschränktes Hörvermögen simulieren. Entwickelt hat den Age Explorer das Institut Meyer-Hentschel aus Saarbrücken.

Gruppe der älteren Reisenden wächst
Ob sie nun Senioren, Best Ager oder Generation 60plus genannt werden – Fakt ist, dass die Anzahl älterer Menschen in den kommenden Jahren deutlich steigen wird. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass die Altersgruppe der über 60-Jährigen in Deutschland von derzeit rund einem Viertel bis 2030 auf mindestens ein Drittel wächst. Ein wichtiges Thema also auch für den Düsseldorfer Flughafen. „Bereits jetzt können wir eine grundlegende Veränderung in der Altersstruktur unserer Fluggäste ausmachen“, so Eckhard Mischke. „Die stärkste Altersgruppe unter unseren Passagieren sind die 50- bis 65-Jährigen mit einem Anteil von 28 Prozent. Acht Prozent unserer Passagiere sind über 65 Jahre alt. Der Trend wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch verstärken.“

Dieser Entwicklung will Düsseldorf International begegnen. Mischke: „Unser Ziel ist es, den Aufenthalt an unserem Flughafen für jede Altergruppe so angenehm wie möglich zu gestalten. Wir erhoffen uns von dem Projekt Hinweise, wo wir schon gut sind und wo wir besser werden können.“ Dabei geht es zum einen konkret um das Flughafengebäude, seine Ausstattung und die Orientierungsmöglichkeiten vor Ort. Zum anderen fließen aber auch Aspekte wie besondere Dienstleistungen für ältere Reisende oder neue Wege in der Kommunikation mit den Passagieren ein.

Aus Marketingaspekten ist die Zielgruppe der älteren Reisenden für die Touristikindustrie hochinteressant. Über 70 Prozent der Menschen über 60 Jahre unternehmen Urlaubsreisen. Sie machen einen Anteil von 30 Prozent aller Urlauber aus und sind für rund zwei Drittel aller Reiseausgaben verantwortlich.



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