3. Januar 2008, England

Liverpool: Europäische Kulturhauptstadt 2008

Am Wochenende vom 11. bis 13. Januar 2008 steigt die Riesenparty in Liverpool: Die offizielle Eröffnung zum Jahr der Kulturhauptstadt. Unter der Regie von Nigel Jamieson, der auch bei der Organisation der olympischen Eröffnungszeremonie in Sydney mitwirkte, startet die Eröffnungsfeier am 11. Januar mit einem Open-Air Konzert auf dem St. Georges Plateau. Einen Tag später treten Ringo Starr, Dave Stewart, Vasily Petrenko und das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra sowie viele andere Künstler in der Liverpooler Arena auf. Das Konzert ist seit Langem ausverkauft – ebenso wie andere Großveranstaltungen auch. Das ist aber kein Grund, nicht nach Liverpool zu fahren, denn man kann viele andere Kulturhighlights dort erleben – ein ganzes Jahr lang. Einige davon wollen wir Ihnen im Folgenden vorstellen.Gleich im Januar geht es nicht nur um Europa, sondern um die ganze Welt: Liverpool 2008 soll ein Ereignis für die ganze Stadt und die Region sein. So engagieren sich die Liverpudlians in dem von der Liverpool Culture Company unterstützten Projekt „World in One City“. Besonders sozial benachteiligte Jugendliche der Stadt sind aufgerufen, in Kunstprojekten andere Welten zu erforschen und sie so besser verstehen zu lernen. In „A World of Dance“ soll zum Beispiel die kulturelle Vielfalt Liverpools aufgezeigt werden, während bei „The Caribbean Islands“ die Bedeutung karibischer Kultur und Lebensart für die Stadt näher untersucht wird.

Zu Beginn des Jahres 2008 bekommt Liverpool auch endlich seinen Kunst- und Kulturtempel zurück: Das älteste britische Kulturgebäude im Stadtzentrum, das Bluecoat, wird nach der Renovierung und Erweiterung um einen Flügel in Januar wiedereröffnet. Für die Ausstellung unter dem Motto „Now/Then“ konnten nicht nur Künstler und Werke gewonnen werden, die einen engen Bezug zum Bluecoat haben, sondern im neuen Ausstellungszentrum treffen auch die vielversprechende junge Gegenwartskünstler der nationalen sowie internationalen Szene aufeinander.
Der Tanz selbst und die Suche nach neuen Tanztalenten ist das Motto der „British Dance Edition“ vom 30. Januar bis 2. Februar. An verschiedenen Aufführungsorten, seien es etablierte Theaterhäuser oder alternative Spielstätten, wird diese Kunstart zelebriert. Von elf Uhr morgens bis elf Uhr nachts verwandelt sich die Stadt dann täglich in einen Ballsaal, in dem zeitgenössische Tanzkunst einem breiten Publikum dargeboten wird.

Tate ist ein Name, der nicht nur in London einen herausragenden Klang hat. Die Tate Liverpool ist Garant für hochkarätige Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Vom 1. Februar bis 5. Mai zeigt die Galerie an den Albert Docks eine Werkschau der französischen Malerin und Bildhauerin Niki de Saint Phalle (1930-2002). Frühe Zeichnungen werden dort ebenso zu sehen sein, wie ihre Schießbilder, die in den 60er Jahren für viel Aufmerksamkeit sorgten oder ihre weltweit bekannten „Nanas“, die bunten Frauenfiguren. Vom 30. Mai bin 31. August folgt dann die umfangreichste, jemals in Großbritannien gezeigte Retrospektive des österreichischen Malers Gustav Klimt unter dem Titel „Malerei, Design und Modernes Leben in Wien um 1900″. Tickets für diese Ausstellungen sollten unbedingt vorbestellt werden: www.tate.org.uk/tickets.

In der Walker Art Gallery, neben der Tate die wichtigste Kunsthalle der Stadt, sind ab 18. April Werke so bedeutender Maler wie Claude Monet, Camille Pissarro, Vincent van Gogh oder Edward Hopper zu sehen. Titel der Ausstellung ist „Art in the Age of Steam“. Hier werden nicht nur die Ängste vor dem neuen Transportmittel Bahn, sondern auch die Faszination für diese Art des Fortkommens mit Hilfe von Dampf betriebenen Lokomotiven malerisch eingefangen. Ein künstlerische Antwort auf das Aufkommen des Bahnreisens, das in England seinen Ursprung hatte.
Wait & See, bis es April ist. Dann wird die gigantische mit Wind und Wasserkraft betriebene Skulptur „Wet & Sea“ der Bildhauer Jacques Chaunchat und Ben Parry in den Docks zu sehen sein. Sie symbolisiert, welche Bedeutung Wassers für das Überleben im 21. Jahrhundert hat, aber mit ihr soll auch auf Liverpools maritime Geschichte hingewiesen werden.

In Liverpool feiern nicht nur die Besucher – auch seine Einwohner tragen die Feierlichkeiten mit Begeisterung mit. Besonders Jugendliche stehen für die Kunst- und Kulturschaffenden im Mittelpunkt. In Projekten wie dem Shakespeare Youth Festival vom 25. Februar bis 19. März sind Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren aus ganz Großbritannien aufgerufen, ihre eigene Theatertruppe zusammenzustellen und das von ihnen erarbeitete Shakespearestück in dem renommierten LIPA (Liverpool Institute for Performing Arts) dem Publikum vorzustellen.

Ein Projekt ganz anderer Art ist „Visible Viruses“, das während des gesamten Jahres 2008 läuft. Öffentliche Kunst wird an drei verschiedenen städtischen Komponenten sichtbar gemacht: Transport (Januar 2008), urbane Orte (März 2008) und Grünflächen (Mai 2008). Dabei fungiert die Kunst und Kunstverständnis wie ein Virus, der sich in der ganzen Stadt verbreitet und möglichst viele Menschen „befallen“ soll.

Kunst ist nicht nur inspirierend, Kunst und Kultur findet sich auch in einem ganz anderen Kontext wieder: „Around the City in 80 Pubs“ in Anlehnung an Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“, wird der ur-britischen Pubkultur zwischen April und September gehuldigt und die Stammkneipe damit zum Kulturgut erhoben. Besucher wie Einheimische, die ihren Durst nach Kunst und Kultur bereits gestillt haben, bekommen dann noch einmal Kultur „Pint-weise“ dargereicht.



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