31. März 2008, Österreich

Die Gletscher schrumpfen unaufhaltsam

Gletscherbericht des österreichischen Alpenvereins 2006/2207

Das Haushaltsjahr 2006/07 war insgesamt für die Gletscher äußerst ungünstig und lieferte Ergebnisse, die nahe an
das Extremjahr 2002/03 herankommen. Alle 93 vermessenen Gletscher sind zurückgeschmolzen, der mittlere Längenverlust beträgt 22,2 m. Am meisten zugesetzt hat das gletscherabträgliche Jahr dem Weißsee Ferner (Kaunertal). Er schrumpfte um beinahe 100 m!

Die Monatsmittelwerte der Temperatur lagen vergangenes Jahr  durchgehend über dem 30-jährigen Mittelwert. Der Winter war um 3,2 Grad Celsius wärmer als der Durchschnitt, der April übertraf den Normalwert sogar um mehr als 5 Grad. Und der Niederschlag im April erreichte nur 10 % der normalen Mengen. Auch das Sommerhalbjahr war überdurchschnittlich warm. All das führte zu früher Ausaperung und Abschmelzung und setzte besonders den tieferen Zungenlagen arg zu.

„Für das Haushaltsjahr 2006/07 registrierten die ‘Gletscherknechte’ bei ihren Messungen ungewöhnlich gletscherabträgliche Ergebnisse – und das unter zunehmend schwierigeren Bedingungen – die nahe an das Extremjahr 2002/03 herankommen“, sagt der Leiter des Alpenverein-Gletschermessdienstes Gernot Patzelt.

Derzeit sind im Messnetz der Gletschermesser 103 Gletscher verzeichnet. Von 93 liegen konkrete Ergebnisse vor. Alle vermessenen Gletscherenden sind zurückgeschmolzen. „Das war zuletzt im Jahr 2003 und vorher im Jahr 1998 der Fall“, erklärt Patzelt das außergewöhnliche Ergebnis.

Die mittlere Längenänderung von -22,2 m kommt beinahe an das bisher „gletscherfeindlichste“ Jahr 2003 heran, in dem der Längenverlust durchschnittlich 22,9 m ausmachte. Rekordhalter im Jahr 2007 ist der Weißsee Ferner (Ötztaler Alpen), bei dem ein Rückzugsbetrag von 96,5 m ermittelt wurde. Auf den Plätzen zwei und drei folgen der Schalf Ferner (Ötztaler Alpen, -87 m) und der Niederjoch Ferner (Ötztaler Alpen, -84 m). „Es fällt auf, dass sich die Längenverluste bei den Ötztaler Gletschern häufen“, beschreibt Patzelt die regionale Besonderheit. 8 Gletscher sind mehr als 40 m ( 6 davon in den Ötztaler Alpen) und weitere 15 (davon 8 in den Ötztaler Alpen) über 30 m zurückgeschmolzen.

An Gletscherrändern werden immer wieder Holzreste freigelegt bzw. ausgespült. „Sie deuten darauf hin, dass es in den letzten 10.000 Jahren häufig wärmer als heute gewesen ist“, erläutert der Gletscherexperte Patzelt.

Das Gletschermessteam unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Gernot Patzelt setzt sich zur Zeit aus 17 ehrenamtlichen „Gletscherknechten“ und etlichen Helfern, die 19 Berichtsgebiete betreuen, zusammen. „Bereits seit mehr als 115 Jahren beobachtet der Alpenverein mit seinen Gletschermessern die Veränderungen auf Österreichs Gletschern. Damit verfügt er über die längste zusammenhängende Datenreihe, die von Jahr zu Jahr wertvoller wird“, unterstreicht Patzelt die Bedeutung der Messberichte. (tourismuspresse.at)



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