12. Juli 2008, Nationalpark Eifel

Jahresbericht 2007 zum Nationalpark Eifel

Zufrieden stellte NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg am Freitag den Jahresbericht 2007 zum Nationalpark Eifel vor: „Es ist toll, was die Nationalparkverwaltung in Zusammenarbeit mit der Region im vergangenen Jahr wieder auf die Beine gestellt hat. Wenn die Entwicklung so weiter geht, wird das Schutzgebiet nicht nur internationale Anerkennung erhalten, mit den noch geplanten Projekten wird die Region auch für internationale Aufmerksamkeit sorgen.“

Mehr als 770 gefährdete Tier- und Pflanzenarten wurden in dem Schutzgebiet laut Jahresbericht bereits nachgewiesen. Zur Zeit der Nationalpark-Gründung Anfang 2004 waren rund 230 als gefährdet eingestufte Arten bekannt. Auch wenn es sich bei den meisten Entdeckungen vermutlich nicht um neu zugewanderte Arten handelt, liefern die Forschungsprojekte doch wichtige Erkenntnisse für die weitere Entwicklung des Schutzgebietes. Denn nur wenn die Tier- und Pflanzenwelt, aber auch die Interessen und Belange der Besucher ausreichend bekannt sind, können wichtige Ruhe- und Lebensräume gesichert und gleichzeitig attraktive, naturverträgliche Erlebnis- und Bildungsangebote eröffnet werden. Die Nationalparkgäste und Teilnehmer an Veranstaltungen standen daher ebenso im Mittelpunkt verschiedener Untersuchungen und Befragungen. Auch deren Anzahl zeigt seit Gründung des Schutzgebietes ein deutliches Plus. Nahmen 2004 noch gut 19.000 Personen an 841 Umweltbildungs- und Naturerlebnisangeboten teil, ist deren Zahl im vergangenen Jahr auf über 37.300 Teilnehmer an 1.617 Terminen gestiegen.

Bei steigenden Gästezahlen gewinnt auch die Lenkung und Information der Besucher an Bedeutung. Hierzu wurden im vergangenen Jahr unter anderem mehrere Nationalpark-Infopunkte eingerichtet, ein Nationalpark-Tor mit Ausstellung und die Umweltbildungseinrichtung „Wildniswerkstatt Düttling“ eröffnet. „Richtig gut für ein so junges Angebot“ bezeichnet Uhlenberg die Nachfrage nach der im Oktober 2007 eröffneten viertägigen Wanderroute „Wildnis-Trail“. Bislang seien allein in der Geschäftsstelle der Monschauer Land Touristik Buchungen für rund 300 Wanderer eingegangen, Individualwanderer nicht mitgezählt.

Leider hat die Nationalparkverwaltung in dem Bericht aber nicht nur Positives zu verkünden. So scheint im Umfeld des Nationalparks ein Uhu beschossen und an den Folgen gestorben zu sein. Der Bestand dieser streng geschützten Eulenart wird in Deutschland auf etwa 850 Brutpaare geschätzt. Insbesondere auf der Dreiborner Hochfläche waren Verstöße gegen das Wegegebot und andere Schutzbestimmungen zu beobachten, was nach Meinung von Wildtierexperten zu einer Verringerung der Tagvertrautheit des Rotwildes führte. Die Nationalparkverwaltung hat daher insbesondere in diesem Bereich den Einsatz der Nationalparkwacht intensiviert.

„Buchstäblich richtungsweisend“ nennt Henning Walter, Leiter der Nationalparkverwaltung im Landesbetrieb Wald und Holz NRW, die Ende 2007 erfolgte Genehmigung des Nationalpark- und Wegeplanes durch das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen. Dieser ist Grundlage für die Beschilderung des freigegebenen Wegenetzes. „Die bedeutendsten Spuren aber hat, wie es sich für einen Nationalpark gehört, nicht der Mensch hinterlassen. Der Orkan Kyrill hat in den Wirtschaftswäldern große Schäden angerichtet. Dem Nationalpark bescherte er mit rund 30.000 umgefallenen Bäumen, von denen etwa die Hälfte auf der Fläche liegen blieb, eine ordentliche Portion Wildnis“, so Walter im Vorwort zum Jahresbericht. In den ersten Wochen nach dem Sturm war das Sichern der freigegebenen Wanderwege und Loipen daher oberstes Ziel. Neu gepflanzt wurden dagegen zur Unterstützung der naturnahen Laubwälder seit Nationalparkgründung rund 300.000 Buchen auf knapp 200 Hektar Fläche.

Getätigt wurden Ausgaben in Höhe von 5,364 Millionen Euro. Auch wenn das Erzielen von Einnahmen kein direktes Nationalparkziel ist, sind insbesondere durch den Verkauf des anfallenden Holzes aus Renaturierungs- und Waldentwicklungsmaßnahmen gut 800.000 Euro Einnahmen entstanden. Die Gesamteinnahmen aus 2007 liegen bei 1,04 Millionen Euro. Aufgrund des abnehmenden Pflege- und Entwicklungsbedarfs und des Naturschutzzieles, möglichst viel des anfallenden Holzes ohne Borkenkäfergefährdung für benachbarte Wirtschaftsbetriebe im Schutzgebiet zu belassen, sei laut Jahresbericht aber keine kontinuierliche Einnahmenplanung mehr möglich. Sobald es möglich sei, werde die Nationalparkverwaltung Flächenblock für Flächenblock in den Prozessschutz entlassen, um so getreu dem Motto „Natur Natur sein lassen“ auf immer größerer Fläche auf lenkende Eingriffe zu verzichten. „Mit ihrer anhaltenden Aufbruchstimmung werden sie auch die großen bevorstehenden Projekte meistern“, so Uhlenberg. Hierzu zählt der Umweltminister geplante Forschungsprojekte zum Themenfeld „Waldentwicklung und Klimawandel“, die Einrichtung eines für Deutschland einmaligen barrierefreien Naturerlebnisraumes und das geplante Nationalparkzentrum auf Vogelsang. Kostenfrei erhältlich ist der von der Nationalparkverwaltung erstellte und herausgegebene Jahresbericht unter www.nationalpark-eifel.de oder direkt beim Nationalparkforstamt Eifel (Tel. 02444.9510-0, Fax: -85).

Nationalparke, weitere Informationen:

Nationalparke sind Gebiete der strengsten deutschen Schutzkategorie. Laut Bundesnaturschutzgesetz ist der Schutz natürlicher Lebensräume und Prozesse das oberste Ziel dieser Großschutzgebiete. Ihr Motto lautet „Natur Natur sein lassen“. Weitere Aufgaben und Ziele sind die wissenschaftliche Umweltbeobachtung, das Naturerlebnis der Bevölkerung sowie Umweltbildung. Laut Verordnung über den Nationalpark Eifel sollen dabei die Interessen der ortsansässigen Bevölkerung an der Sicherung und Entwicklung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie die Belange der regionalen Entwicklung der gewerblichen Wirtschaft und des nachhaltigen Tourismus berücksichtigt werden. Da im Nationalpark Eifel noch in einigen Bereichen nicht heimische Nadelbäume wachsen, zählt das Schutzgebiet zu den sogenannten „Entwicklungsnationalparks“. Das bedeutet, dass in einer Übergangszeit von 30 Jahren noch Entwicklungsmaßnahmen zur Förderung der Naturnähe durchgeführt werden können. Hierzu zählen die Entnahme von Nadelbäumen und die Pflanzung von Laubbäumen. Um die internationale Anerkennung zu erhalten, müssen die Maßnahmen im Nationalpark Eifel bis zum Jahr 2034 auf 75 Prozent der Fläche abgeschlossen sein. Schon jetzt liegt der Anteil von Prozessschutzflächen im Nationalpark Eifel bei rund 40 Prozent. (Nationalparkforstamt Eifel)



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