4. September 2008, Tirol

Das Dorf Stanz in Tirol hat die meisten Schnapsbrennerein

Nüchtern betrachtet ist Stanz ein 600-Seelen-Dorf oberhalb von Landeck. Ohne richtigen Ortskern, aber mit gepflegten und gut erhaltenen alten Häusern und traumhaften Obstwiesen – darauf schon mal ein „Schnapserl“!

Des Weiteren liegt der Ort auf der Sonnenseite der Ferienregion TirolWest, das milde Klima erinnert an den Süden Tirols. Mindestens sechs Stunden am Tag, behaupten die Stanzer, lacht die Sonne vom Himmel direkt auf die Apfel- und Zwetschkenbäume der Stanzer Obstgärten. Dadurch erlangen die Früchte eine Reife, die ihresgleichen sucht – das ist doch wohl noch ein „Schnapserl“ wert!

Von der Obsternte leben die Dorfbewohner übrigens seit Jahrhunderten, und genauso lange brennen sie ihren Schnaps. In über 1000 Meter Höhe, so hoch liegt Stanz im Übrigen, sagt man ja bekanntlich „Du“ zu einander – und – greift bei Begrüßungs- und Abschiedszeremonien gern zu einem „Schnapserl“. Also: noch einen, bitte!

Nicht mehr ganz so nüchtern betrachtet, könnte man annehmen, Stanz sei ein Dorf von Saufbolden. Alle paar Meter trifft man auf Schilder, die auf eine Brennerei oder Schnapsverkauf hinweisen. Der Schein trügt nicht: Von 150 Haushalten üben 64 aktiv ihre Brennereirechte aus. Doch die Gründe sind bodenständig: So alt wie die Obsternte ist, so alt sind auch manche Brennrezepte, überliefert durch viele Generationen.

Mittlerweile wurde Stanz zum ersten Brennereidorf Österreichs ernannt. Ein Titel, der weniger mit der Zahl der hochprozentigen Handwerksbetriebe zu tun hat, als mit der Qualität, die dort die Destillierkessel verlässt. Denn die Produkte der Stanzer Schnapsbrenner sind hoch dekoriert. Allein die Qualität der Zwetschken hat der Gegend den Titel „Genussregion Österreichs“ eingehandelt.

Dabei ist der Stanzer Schnaps erst seit einem guten Jahrzehnt überhaupt in aller Munde. Als Schnapsbrenner Christoph Kössler über den Eigenbedarf hinaus produzierte und begann, seine Produkte zu vermarkten. Heute besitzt er einen modernen Vorzeige-Betrieb, der stilvoll in umgebauten Stadel des bekannten Jakob-Prandtauer-Hauses eingebettet ist. Der Betrieb steht Besuchern offen, wenn Kössler neben seinen Klassikern 40 weitere Schnapssorten brennt. Bei ihm landen auch Karotten und Bananen im Kessel.

Seine Kollegen sind bodenständiger geblieben und setzen weiterhin auf die traditionelle Veredelung des Obstes. So unterschiedlich ihre Methoden und Technik auch sein mögen, eines eint alle Stanzer Schnapsbrenner: die Liebe zu ihrer Arbeit und zu ihrem Produkt.

Viele lassen sich dabei über die Schulter schauen, laden ein zur Brennereibesichtigung und Schnapsverkostung. Und einmal im Jahr widmen sie ihrer Tradition ein großes Fest: „Stanz brennt!“ Am 7. September 2008 ist das ganze Dorf wieder auf den Beinen, 15 Schnapsbrennereien öffnen ihre Betriebe, eine Zwetschken-Königin wird gewählt, es gibt Wettspiele, Musik und Tanz. Und natürlich jede Menge Kulinarisches vom Zwetschkenkuchen über Marmelade bis hin zum Schnaps. Na, dann nehmen wir doch noch einen! (Presse Tirol)



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