14. September 2008, Niederlande

Kunstspektakel der Superlative

Die niederländischen Metropolen Amsterdam, Rotterdam, Utrecht und Den Haag bündeln in den nächsten zwei Jahren ihre Energie, um ein umfangreiches Kulturpaket zu schnüren. Neben international orientierten Werken und zeitgenössischer niederländischer Kunst sind natürlich auch Exponate holländischer Meister wie Rembrandt, Vermeer und Van Gogh zu sehen. Die Ausstellungen in den zehn teilnehmenden Museen werden bereichert durch ein vielfältiges Kulturprogramm unterschiedlicher Genres.

Am 8. November erfolgt im Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam die große Eröffnung für die Themenjahre 2009/10 „Holland Art Cities“. Die Ausstellung des ersten Komplexes „Internationale Einflüsse“ widmet sich dem bekanntesten Denker, Wissenschaftler und Philosophen der Niederlande: Desiderius Erasmus Roterodamus.

Einflussreiches “Lob der Torheit”
Fünfhundert Jahre nachdem Erasmus mit “Lob der Torheit” eines der einflussreichsten Bücher der Geschichte schrieb, präsentiert das Museum Boijmans Van Beuningen die groß angelegte Ausstellung „Bilder von Erasmus“. Vom 8. November 2008 bis zum 8. Februar 2009 wird die Frage beantwortet, warum man seinen Namen auch heute noch kennt. Exklusiv für die Schau hat der Louvre in Paris in einer seltenen Ausnahme das stolze Erasmus-Porträt von Hans Holbein dem Jüngeren ausgeliehen. Andere Werke aus u. a. New York, Madrid und London vervollständigen die Kollektion.

Schlagwörter wie Lehre und Erziehung, Krieg und Frieden sowie Kirche und Kunst werden in der Ausstellung anhand von Gemälden aus der Zeit erläutert. Porträts und persönliche Gegenstände zeigen den Mann hinter den Idealen. Die Zeichnungen, Gemälde und Kupferstiche spiegeln sehr deutlich das Gedankengut des Humanisten wieder und zeigen seinen Einfluss auf Kunst und Gesellschaft. „Bilder von Erasmus“ vereint Porträts, die von den besten Künstlern seiner Zeit stammen: Quinten Massys, Hans Holbein dem Jüngeren und Albrecht Dürer.

Geliebt und verachtet
Desiderius Erasmus (1466-1536) erlangte bereits zu Lebzeiten Berühmtheit in ganz Europa. Der Theologe erhitzte die Gemüter, war ebenso geschätzt wie verachtet. Durch seine kritische Haltung gegenüber der Kirche gilt er heute als Vorreiter der Reformation – selbst wenn er sich anschließend von dieser distanzierte. Dazu gehört er zu den bedeutendsten Repräsentanten des europäischen Humanismus.

Erasmus lebte in einer aufwühlenden Zeit, die von Aufständen und Kriegen gezeichnet war. Umso bemerkenswerter ist seine stetige Mahnung zu Frieden und Einigkeit unter Christen. Als Kritiker der katholischen Kirche war ihm Dekadenz ein Dorn im Auge. So meinte er Künstler müssten die Maria nüchtern darstellen und nicht als erotische Göttin mit Kind darstellen, wie Jan Gossaert es tat. In der Ausstellung verknüpft eine Multimediatour seine Gedanken und Ideen mit aktuellen gesellschaftlichen und kulturellen Fragen.

Alberto Giacometti in der Kunsthal
Termintipp: Mit einer großen Übersichtsausstellung vom 18. Oktober bis zum 8. Februar 2009 ehrt die Kunsthal Rotterdam einen der Ton angebenden Bildhauer des zwanzigsten Jahrhunderts – Alberto Giacometti. Zum ersten Mal seit rund zwanzig Jahren ist das vielseitige Oeuvre des Bildhauers, Malers und Zeichners in Holland zu sehen. Neben seinen berühmten Werken von fragilen menschlichen Figuren sind auch Skulpturen, Gemälde und Zeichnungen zu bewundern, die noch nie in den Niederlanden gezeigt wurden. Die Schau wurde in enger Zusammenarbeit mit der Fondation Alberto et Annette Giacometti exklusiv für die Kunsthal zusammengestellt und fügt sich in die Reihe der bedeutendsten Bildhauer des letzten Jahrhunderts. Zuvor waren Skulpturen von Isamu Noguchi, Henry Moore und Jean Tinguely zu sehen. (Presse Niederlande)



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