16. Dezember 2008, Jamaika, Reisereportagen

Weihnachtstraditionen auf Jamaica

Wie überall auf der Welt ist auch auf Jamaika die Weihnachtszeit etwas ganz besonderes. Nicht alle Traditionen aus früheren Jahren werden heute noch gepflegt, dennoch haben die Jamaikaner immer noch ihre eigene, typische Weihnachtskultur.

Bereits Anfang Dezember deutet sich das bevorstehende Fest durch den „Christmas Breeze“ an, eine kühle Luftströmung, welche auf der ganzen Insel spürbar ist. In dieser Zeit trägt auch das Zuckerrohr seine Samenstände, der Weihnachtsstern blüht in rot und weiß und auch die Früchte der Roselle („Jamaica Sorrel“) sind reif für die Ernte. Wer vor hat, für Weihnachten einen „plum pudding“ zuzubereiten legt spätestens jetzt Rosinen, Backpflaumen oder Korinthen in weißem Rum oder Portwein ein. Je näher das Fest rückt, desto stärker steigt die Vorfreude.

Zu Weihnachten gehören auch einige besondere kulinarische Spezialitäten: In vielen jamaikanischen Hausgärten wird die Roselle angebaut, welche um die Weihnachtszeit auch überall auf den Märkten erhältlich ist. Die rote Frucht dieser Pflanze ist die Grundlage für ein süßliches Getränk, welches mit Ingwer, Nelken, Jamaikapfeffer und weißem Rum verfeinert wird und ohne welches Weihnachten auf Jamaika undenkbar ist. Manchmal lässt man dieses Getränk auf fermentieren, man nennt es dann „Sorrel Wine“.

Auch Gungo-Bohnen werden zur Weihnachtszeit geerntet. Gungo ist die Grundzutat für „peas und rice“, ein Gericht, welches auch zu einer Suppe verarbeitet werden kann, zusammen mit dem Knochen des Weihnachtsschinkens. Eine weitere Delikatesse ist eine süße Yamsknolle namens „Yampi“, welche ganz besonders beliebt ist. Auch Schinken gehört zum Weihnachtsdinner, genauso wie Fleisch von Rind, Ziege, Truthahn oder Huhn. Zu jeder jamaikanischen Weihnacht gehört auch der „Christmas Cake“ oder „Christmas Pudding“ mit Früchten, welche manchmal monatelang vorher in Rum oder Portwein eingelegt wurden. Sogar der fertige Kuchen wird noch einmal mit Wein oder Rum übergossen und ist sogar ungekühlt bis zu mehreren Wochen haltbar.

Zu den bekanntesten Weihnachtsfeierlichkeiten auf Jamaika gehörten der „Grand Market“ und „Jonkonnu“. „Grand Market“ war eine Art Kirmes mit bunten Märkten und Unterhaltung in den Zentren der größeren Städte. Er begann an Heiligabend und ging bis in die frühen Morgenstunden des ersten Weihnachtstages. Heute ist der „Grand Market“ leider durch viele andere kommerziellen Einflüsse verdrängt worden.

Vor den Zeiten der Sklavenbefreiung wurde Weihnachten auf Jamaika sehr intensiv gefeiert, schließlich bedeutete diese Zeit für alle Jamaikaner – ob frei oder unfrei – die längste Zeit des Jahres, in welcher nicht gearbeitet werden musste. Ab dem ersten Weihnachtstag herrschte Karnevalsatmosphäre in den Städten. Zu diesem Anlass trugen die Sklaven ihre feinste Kleidung und ihren besten Schmuck oder sie verkleideten sich für Jonkonnu.

Jonkonnu waren kostümierte Musikgruppen, welche in vielen Dörfern und Städten in der Weihnachtszeit auftauchten. Verwurzelt war diese Tradition in Afrika, von wo sie durch die eingeführten Sklaven ihren Weg nach Jamaika fand und an die neuen Lebensumstände angepasst wurde. Die Jonkonnu-Gruppen bestanden aus einer Mischung von traditionellen und modernen Charakteren, welche sich von Region zu Region unterschieden. Zu den wichtigsten Figuren gehörten der Kuhkopf und der Pferdekopf, der König und die Königin, der Teufel, der „Pitchy Patchy“, die Indianer, die „Belly Woman“ mit einer übertrieben dargestellten Schwangerschaft sowie ein falscher Polizist, welcher die kunterbunte Menge in Schach hielt. Wie auch der Grand Market hat die Tradition des Jonkonnu nicht bis in die heutige Zeit überlebt. Die Jamaica Cultural Development Commission hat jedoch vor einigen Jahren ein alljährliches Jonkonnu-Festival im Dezember eingeführt, um die alten Bräuche wieder aufleben zu lassen.

Auch einige von Jamaikas berüchtigsten Geistererscheinungen finden in der Vorweihnachtszeit statt. Regelmäßig sollen hier furchteinflößende Geister, so genannte „duppies“ erscheinen, darunter das dreibeinige Pferd und das rollende Kalb. Die Sagen der Landbevölkerung erzählen von Begegnungen mit diesen Geistern, welche durch Mark und Bein gehen. Es gibt allerdings keinerlei Erklärung dafür, dass diese Geister fast nur in der Vorweihnachtszeit erscheinen.

Heute wird Weihnachten oftmals ähnlich wie in Europa und in Amerika gefeiert. Am ersten Weihnachtstag geht man morgens in den Weihnachtsgottesdienst, man singt Lieder mit der Familie, tauscht Geschenke aus, isst zusammen oder man geht auf Weihnachtspartys. Auch an Sylvester geht man in die Kirche, oftmals zum Mitternachtsgottesdienst, oder auch auf Sylvesterpartys. Während der Zeit von Weihnachten bis Neujahr sind viele Gebäude, besonders in den Städten mit Lichtern und Weihnachtsbäumen geschmückt. Manches ist also fast wie bei uns – vieles aber dennoch typisch jamaikanisch! (Jamaica Tourist Board)



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