7. März 2009, Sachsen

Tourismusbilanz für Sachsen 2008

Die touristische Bilanz für den Freistaat Sachsen weist für das vergangene Jahr 6.070.825 Gästeankünfte in Beherbergungsbetrieben mit mehr als acht Betten und auf Campingplätzen aus. Gegenüber dem Jahr 2007 bedeutet dies eine Steigerung von 1,4 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Übernachtungen um 0,8 Prozent auf 16.181.700. Damit konnte das gut zweiprozentige Minus im Jahr 2007 zwar etwas kompensiert werden, das absolute Rekordergebnis von 2006 wurde allerdings um rund 65.000 Gäste und knapp 200.000 Übernachtungen verfehlt. Immerhin stellte 2008 damit das bisher zweitbeste Jahr im Sachsen-Tourismus überhaupt dar. Dieses Ergebnis vermeldete die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH (TMGS) am Mittwoch in Dresden auf der Basis der Erhebungen des Statistischen Bundesamtes, Wiesbaden, für 2008.

Grund für die nicht völlig zufriedenstellenden Zahlen ist eine Stagnation beim Inlandstourismus, denn die Zahl deutscher Gäste stieg im letzten Jahr nur um 0,8 Prozent und die Zahl der von ihnen generierten Übernachtungen gar nur um 0,1 Prozent. Damit war Sachsen bei den Zuwächsen aus dem Inland wie schon 2007 nur das Schlusslicht (Bundesdurchschnitt 2008: +2,5 Prozent mehr Gäste und +1,9 Prozent mehr Übernachtungen).

Ganz anders sah es dagegen bei Reisen aus dem Ausland nach Sachsen aus: So besuchten 2008 sieben Prozent mehr Ausländer den Freistaat und die Zahl der von ihnen generierten Übernachtungen stieg sogar um 8,9 Prozent! Diese Zahlen wiederum liegen deutlich über den Durchschnittswerten für Reisen nach Deutschland mit +1,9 Prozent mehr Gästeankünften und +3,2 Prozent mehr Ausländerübernachtungen und stellen neue Rekordwerte für Sachsen dar. Auch in absoluten Zahlen kann die Entwicklung beim Incoming in den letzten fünf Jahren nur als sehr erfreulich bezeichnet werden: Bereisten 2003 „nur“ 423.932 ausländische Gäste den Freistaat, so waren es 2008 mit 637.809 fast 214.000 mehr, was eine Steigerung von über 50 Prozent bedeutet. Die Übernachtungen von Ausländern stiegen in diesem Fünfjahreszeitraum sogar um über 58 Prozent von 922.534 auf 1.464.953.

Dabei legt Sachsen seit Jahren aus einigen wichtigen ausländischen Quellmärkten deutlich stärker zu als Deutschland insgesamt. Dies war auch 2008 so. Ein Grund hierfür ist, dass Sachsen traditionell einen geringeren Geschäftsreiseanteil aufweist als wirtschaftsstarke Altbundesländer wie z. B. Nordrhein-Westphalen, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern oder Hamburg. Insofern legte der Freistaat bei Gästen aus dem Ausland auch im letzten Quartal 2008 noch deutlich zu, als sich die Finanzkrise woanders bereits mit sinkenden Gästezahlen aus dem Ausland auszuwirken begann. Wie beim Konsumverhalten der Deutschen ist die Krise beim Reiseverhalten sowohl von Deutschen wie Ausländern noch nicht angekommen.

Hans-Jürgen Goller, Geschäftsführer der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH (TMGS), zeigte sich daher von der touristischen Bilanz für 2008 nicht überrascht. „Natürlich hätte ich mir aus dem deutschen Markt einen etwas höheren Zuwachs gewünscht, aber das Ergebnis kommt nicht wirklich überraschend. Wir haben seit Jahren darauf hingewiesen, dass Sachsen aus demographischen Gründen im Inlandstourismus an seine Wachstumsgrenzen stoßen wird und wir daher alles daransetzen müssen, die Zahl ausländischer Gäste zu erhöhen. 2008 ist der Anteil ausländischer Gäste mit 10,5 Prozent erstmals auf über zehn Prozent am Gesamtaufkommen gestiegen. Diese Schallmauer ist geknackt und bei den Übernachtungen, wo der Anteil bei 9,9 Prozent lag, werden wir sie 2009 knacken“, sagte er. Und besonders erfreulich sei, dass der Zuwachs im Incoming mittlerweile auch längst in den sächsischen Regionen angekommen ist und nicht nur in den großen Städtereisezielen stattfinde.

Mit Prognosen für das gerade begonnene Jahr ist man bei der TMGS aber sehr vorsichtig. Zwar habe sich das Urlaubsreiseverhalten gerade der Deutschen bisher deutlich weniger eingetrübt als der Geschäftsreiseverkehr. Aufgrund des schneereichen Winters hätten gerade die sächsischen Mittelgebirgsregionen in den ersten beiden Monaten sogar deutlich mehr Gäste begrüßen können als im letzten Jahr. Allerdings lägen die Vorausbuchungen für den Sommer vor allem in den Reisebüros deutlich unter dem Vorjahr. „Das wird zu noch extremerem Spätbuchungs-Verhalten führen als es bisher ohnehin schon der Fall war“, prognostiziert Goller. Die Reiseabsichten seien zwar noch gut, aber wenn es tatsächlich aufgrund von Firmenpleiten zu Entlassungen in Zehntausender-Größenordnungen käme, werde das nicht ohne Auswirkungen auf das Reiseverhalten bleiben. „Ein weiteres Manko für Sachsen ist, dass wir ein klassisches Kurzreiseziel für die Zweit- oder Drittreise sind“, ergänzt Goller. „Die Meinungsumfragen zum Reiseverhalten, die traditionell zum Jahresbeginn durchgeführt werden, besagen bisher, dass die Deutschen eher bei diesen Reisen sparen und verzichten wollen als bei der Haupturlaubsreise im Sommer. Darauf müssen wir uns einstellen.“

So setzt die TMGS weiterhin auf das Ausland. Vor allem aus den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, Russland, Polen und Tschechien gab es hier im vergangenen Jahr starke Zuwächse zwischen 10 und 41 Prozent. Auch das Aufkommen aus dem wichtigsten Auslandsmarkt, den USA, legte trotz starker Zuwächse in den vorausgegangenen Jahren in Sachsen 2008 noch einmal um stattliche 18,3 Prozent zu, während es im Bundesdurchschnitt um sieben Prozent rückläufig war. Ob das aber 2009 so bleiben wird, muss jedoch bezweifelt werden, denn „in den USA habe die Krise längst jeden einzelnen Haushalt erreicht“, meint Hans-Jürgen Goller.

Mangels Patentrezepten und zusätzlicher Werbebudgets in Millionenhöhe, mit denen einige ausländische Reisedestinationen mögliche Nachfrage-Einbrüche bei deutschen Urlaubern zu verhindern suchen, gibt es nach Überzeugung der TMGS für die sächsische Tourismuswirtschaft auch in Zeiten wirtschaftlicher Krisen nur die Möglichkeit, mit zielgruppen- und damit marktgerechten Angeboten zu attraktiven Preisen und guter Qualität einerseits und effizientem Marketing andererseits die Stärken des Reiselands Sachsen in die Waagschale zu werfen. (TMG Sachsen)



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen





Das könnte Sie auch interessieren:

Weitere Beiträge zum Thema: