14. März 2009, Masuren

Segeln auf den Großen Masurischen Seen

Das Gebiet der Großen Masurischen Seen umfasst ein Segelrevier von fast 600 Quadratkilometern. Allein die Strecke von Węgorzewo (Angerburg) im Norden nach Pisz (Johannisburg) im Süden misst rund 100 km. Binnensegler schätzen die abwechslungsreichen Gewässer und die Vielfalt der Natur im Nordosten Polens. In den vergangenen Jahren wurde die Infrastruktur ausgebaut, es entstanden überall neue Marinas und Charterfirmen. Deren Angebote schätzen auch immer mehr ausländische Segler.

Wie auf einer riesigen Wäscheleine reihen sich die weißen Segel aneinander. Eine Armada von Segelyachten gleitet am frühen Morgen sanft aus dem Hafen von Giżycko (Lötzen) im Herzen der Großen Masurischen Seenplatte. Schon bald trennen sich ihre Wege, allein oder in kleinen Gruppen bewegen sich die Boote weiter, nur Vogelgezwitscher oder die Kommandos des Skippers unterbrechen die Stille. Schwäne kreuzen den Weg, aus dem dichten Schilf am Ufer schwingen sich Kormorane auf.

Auffallend viele junge Leute sind hier in den Sommermonaten auf Segelbooten unterwegs. Wer auf Komfort keinen großen Wert legt, kann schon für weniger als zehn Euro pro Person und Tag in der Hauptsaison eine Yacht chartern. Abends machen Sie ihr Boot in einem der Häfen fest, versorgen sich im Sklep, einem kleinen Tante-Emma-Laden, mit dem Nötigsten und sitzen bis spät in der Nacht zusammen. Oder sie ziehen in eine der urigen Tavernen am Hafen, wo es immer etwas zu erzählen gibt, man der Musik lauschen oder bis zum frühen Morgen tanzen kann. Am nächsten Tag geht es dann weiter.

Seit einigen Jahren geht allerdings auch in Masuren der Trend zu größeren und komfortableren Segelbooten. Spitzenmodell der in Górkło bei Mikołajki (Nikolaiken) angesiedelten Charterfirma Millenium ist der Zweimaster Casablanca, knapp elf Meter lang und mit Platz für bis zu neun Personen. Innen mit edlen Eichen- und Mahagonihölzern ausgestattet, verfügt er über eine großzügige Küche, Heizung und eine separate Dusche und kostet in der Hochsaison täglich 200 Euro. Man kann das Boot aber auch komplett mit deutschsprachigem Skipper, einer Hostess und Frühstücksservice an Bord für eine Woche chartern. In der Hochsaison liegt der Gesamtpreis dafür bei rund 400 Euro pro Tag.

Die in Wilkasy bei Giżycko beheimatete Charterfirma Shafran-Sail hat die „Phila 780“ neu im Angebot. Die 7,80 m lange Yacht der Oberklasse für bis zu sechs Personen wurde im vergangenen Jahr auf der Bootsschau in Poznań (Posen) mit einer Goldmedaille ausgezeichnet und kostet in der Hauptsaison täglich rund 125 Euro. Gebaut wurde die Yacht auf der in Masuren beheimateten Delphia-Werft. Sie hat sich seit ihrer Gründung 1990 zu einer der größten europäischen Yachtwerften entwickelte und produziert jährlich rund 3.000 Boote. Die in Węgorzewo (Angerburg) im Norden der Masurischen Seenplatte ansässige Firma Ahoj Czarter, einer der größten Anbieter im Bereich der Großen Masurischen Seen, fertigt ihre Yachten selbst. Ihre Flotte umfasst 21 Typen von Segelyachten sowie zwei verschiedene Motoryachten. Seit 2008 gehört dazu auch die Maxus 33, eine zehn Meter lange Segelyacht für acht bis zehn Personen, die pro Tag in der Hochsaison rund 175 Euro kostet.

Viele Charterfirmen haben sich auf deutsche Gäste eingestellt. Von den 8000 Kunden der Firma Ahoj Czarter kommen etwa 1000 aus dem Ausland, die meisten davon aus Deutschland. Auch Jarosław Jędrzejkowski, Chef der kleinen Charterfirma Mazur Wind aus Wilkasy, hat schon frühzeitig deutsche Gäste umworben, die heute einen Großteil seiner Kunden bilden. Im Sommer beschäftigt er deutsch- und englischsprachige Skipper, die die Gäste sicher über die Masurischen Gewässer schippern.

Während die meisten seiner polnischen Kunden nur ein Boot charterten, würden viele deutsche Gäste – gerade bei der ersten Tour – einen erfahrenen Skipper mit anheuern. Dafür gebe es auch gute Gründe, meint der Segelexperte, denn man dürfe die Masurischen Seen nicht unterschätzen. Die Winde wechselten dort häufig, manchmal komme ganz plötzlich Sturm mit hohen Wellen auf. Insbesondere im Śniardwy-See (Spirdingsee), dem so genannten Masurischen Meer, müsse man zudem auf viele flache Stellen achten. Die seien zwar auf guten Seekarten verzeichnet, erforderten aber dennoch die ganze Aufmerksamkeit der Freizeitkapitäne.

Um die Sicherheit der wachsenden Zahl von Seglern zu gewährleisten, wurde in den vergangenen Jahren das Rettungssystem verbessert. So gibt es in den drei Hauptorten Węgorzewo, Giżycko und Mikołajki Rettungsboote mit Ärzten an Bord, die im Ernstfall innerhalb von 20 Minuten jedes in Not geratene Segelboot erreichen können. Daneben gibt es noch eine Reihe von Rettungsstationen mit ehrenamtlichen Kräften im Seengebiet. (Polnisches Fremdenverkehrsamt)



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