21. März 2009, Ungarn

Pécs ist 2010 erste europäische Kulturhauptstadt Ungarns

Mit Pécs wird 2010 erstmals eine ungarische Stadt Kulturhauptstadt Europas sein. Schon das Motto „Die grenzenlose Stadt“ weist darauf hin, dass Pécs über 30 Partnersiedlungen in Südtransdanubien sowie die internationale Kulturregion, zu der auch Triest, Maribor, Tuzla oder Novi Sad gehören, ins Programm mit einbeziehen will, um Europa so die vielfältige Kultur im südlichen Grenzgebiet Ungarns näher zu bringen.

Dabei werden neben Pécs auch das Ruhrgebiet (federführend: Essen) und Istanbul den Kulturhauptstadttitel tragen – eine „sinnige“ Konstellation: Im Laufe der Geschichte integrierte Pécs auch türkische und deutsche Elemente, die zur kulturellen Mannigfaltigkeit der Stadt beitragen. Pécs liegt im Überschneidungs- und Grenzbereich der orientalischen und abendländischen Kultur, auf halbem Weg zwischen Essen und Istanbul. Anhand seiner geographischen Gegebenheiten kann es quasi eine Vermittlerrolle zwischen der deutschen und der türkischen Kulturhauptstadt übernehmen. Bei der Präsentation der vielfältigen Kultur des Balkans kommt hier dem Dialog von Islam und der christlichen Zivilisation eine besondere Bedeutung zu. Kein Wunder, dass es demzufolge auch gemeinsame Aktionen mit dem westlichen wie östlichen Mitstreiter geben soll, etwa durch den Austausch von Kulturprogrammen. Für die zukünftige Kulturhauptstadt spielt bei den Vorbereitungen zudem auch die hier tief verwurzelte Kultur der deutschen und Roma-Minderheit eine große Rolle.

Die weltberühmte Zsolnay-Porzellanfabrik etwa wird sich in ein Kultur-Viertel mit industriegeschichtlichem Themenpark sowie ein Zentrum für zeitgenössische Kunst verwandeln, kommen doch Kunstmaler wie Tivadar Kosztka Csontváry und Victor Vasarely (der Vater der Op-Art) aus Pécs. Fünf Aussagen finden sich daher in der Kandidatur 2010 der „mittelmeerischsten“ Stadt Ungarns wieder: Pécs möchte sich als eine lebendige Stadt mittlerer Größe präsentieren, die ein 2.000jähriges Kulturerbe einerseits, andererseits eine Stätte kultureller Erneuerung ist. Pécs sieht sich als multi-kulturelle Stadt, die zugleich für Dezentralisierung und Regionalismus eintritt – und sich als offene Grenzstadt, über die EU-Grenzen hinaus, versteht. Immerhin: Fünfkirchen – wie Pécs auf Deutsch heißt – beeindruckt schon jetzt mit einem der acht UNESCO-Welterben Ungarns, den Frühchristlichen Grabkammern.

Bereits im vierten Jahrhundert, als Pécs noch Sopianae hieß und Provinzsitz des Römischen Reiches war, wurden auf dem Friedhof der Stadt, nahe dem heutigen Domplatz, eine Reihe reich verzierter Grabkammern errichtet. Diese wurden anno 2000 vom UNESCO-Komitee unter Schutz gestellt. Teils war deren Existenz schon im 18. Jahrhundert bekannt, teils wurden sie erst im 20. Jahrhundert bei Bauarbeiten entdeckt. Insgesamt fanden Archäologen über 100 Grabstätten. Auch sie sind nun Bestandteil des Kulturhauptstadtkonzepts – wie auch der Bau des Konferenz- und Konzertzentrums oder die Renovierung der so genannten „Museenstraße“ sowie die Erweiterung des Bibliotheks- und Wissenschaftszentrums der Region Südtransdanubien. Mehr zur Pécs unter www.pecs.hu auch in deutscher Sprache, mehr zum Kulturhauptstadtprogramm unter www.pecs2010.hu in englischer Sprache. (CC-PR)



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