14. April 2009, Stuttgart

Stuttgart: Trickfilm-Festival

Das 16. Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart (5. bis 10. Mai 2009) zeigt anlässlich des 100-jährigen Bestehens des deutschen Animationsfilms eine umfangreiche Jubiläums-Retrospektive. In sechs Programmblöcken wird die wechselvolle Geschichte dieses innovativen Genres visualisiert. Zu sehen sind künstlerisch anspruchsvolle Werke, herausragende Werbeclips und hochmoderne 3D-Animationen.

In kaum einem anderen Leinwandgenre spiegeln sich Vielfalt und Brüche der deutschen Filmproduktion so deutlich wider wie im Trick- bzw. Animationsfilm. Gerade der deutsche Animationsfilm hat so international renommierte Namen wie Lotte Reininger oder Oskar Fischinger sowie zwei Oscar-Preisträger in der Kategorie „Bester animierter Kurzfilm“ hervorgebracht. Daher war eine kurzweilige und informative Schau über die historisch-ästhetische Entwicklung dieses Genres bis zur Gegenwart längst überfällig.

Die Retrospektive unter dem Header „Prosit! 100 Jahre deutscher Animationsfilm“ im Rahmen des diesjährigen Trickfilm-Festivals Stuttgart dokumentiert die Vielseitigkeit des Trickfilms in Deutschland. Der thematische Bogen reicht vom ersten deutschen Animationsfilm „Prosit Neujahr“ aus dem Jahr 1909 über die Werke früher Avantgardisten der zwanziger und dreißiger Jahre wie Walter Ruttmann und Hans Richter bis hin zu zeitgenössischen Produktionen wie den Oscar-gekrönten Kurzfilmen „Balance“ (1989) von Christoph und Wolfgang Lauenstein bzw. „Quest“ (1996) von Tyron Montgomery und Thomas Stellmach.

Nicht zu unterschätzen ist zudem die Entwicklung des Genres während der Zeit des Nationalsozialismus. Neben „Hitlers Traum von Micky Mouse“ als ferngelenkte Wunschikone einer gleichgeschalteten Kinounterhaltung gelangen quasi an der NS-Zensur vorbei auch Kunstwerke wie Hans Fischingers farbgewaltiger „Tanz der Farben“ (1938/39) oder das verspielte „Strich-Punkt-Ballett“ (1943) eines Herbert Seggelke.

Auch in den DEFA-Trickfilmstudios der ehemaligen DDR entstanden sowohl unter ideologischen Vorgaben realisierte Produktionen als auch ästhetisch innovative und inhaltlich kontroverse Filme wie etwa Lutz Dammbecks „Einmart“ von 1981, die diese gezielt unterliefen.
Seit Ende der siebziger Jahre kam es durch die Gründung von Animationsabteilungen an den Kunst- und Fachhochschulen in Stuttgart, Kassel und Offenbach zu einem Boom im Bereich Animationsfilm, der auch zur Gründung des Internationalen Trickfilm-Festivals Stuttgart im Jahre 1982 führte. Mittlerweile hat sich im wiedervereinigten Deutschland eine äußerst ambitionierte Nachwuchsszene etabliert. Beflügelt durch die erwähnten Oscar-Erfolge wurden im akademischen Umfeld etwa der Filmakademie Baden-Württemberg bekannte Titel wie „The Periwig Maker“ (1999) von Steffen Schäffler oder das computeranimierte Projekt „Hessi James“ (2002) von Johannes Weiland realisiert. Beide erhielten eine Oscar-Nominierung.

Zu den weiteren Filmemachern, deren Arbeiten in Stuttgart gezeigt werden, gehört der in Deutschland lebende israelische Künstler Gil Alkabetz („Rubicon“), ferner Andreas Hykade („Wir lebten im Gras“), Mariolla Brillowska („Morgenröte“), Kirsten Winter („Clocks“) oder das Künstlerpaar Hanna und Fritz Steingrobe („Yo lo Vi“). (stuttgart-tourist)



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