20. April 2009, Ostfriesland

Zu Besuch bei der Brookmerlander Kräuterhexe

Nicht enden wollender Horizont, saftig grüne Wiesen, abwechslungsreiche Wälder, Moor und Marsch, beschauliche Orte – überhaupt ganz viel intakte Natur im westlichen Ostfriesland – das ist die Welt der „Brookmerlander Kräuterhexe“.

Im Mai 2009 feiert Dagmar Michel, die in ihrem idyllisch gelegenen Kräuterhexenhaus zwischen Drostenpfad und Kolkweg in Osteel lebt, ihr 13-jahriges „Hexendasein“. Wie die weisen Frauen des Mittelalters sammelt sie Pflanzen, die am Wegesrand grünen und blühen. Das sind allein im Brookmerland zwischen 100 und 120 verschiedene Arten, die nicht nur schmecken sondern oft auch eine heilende Wirkung haben. Und als echte Hexe, weiß Dagmar Michel natürlich auch, welches Kraut gegen welche Krankheit gewachsen ist. Vielleicht ist diese lange Hexen-Tradition und natürliche medizinische Versorgung auch ein Grund, dass schon 1396 der legendäre Klaus Störtebeker den Erholungsort Marienhafe für sich entdeckte?

Ein besonderes Anliegen der Kräuterhexe ist es natürlich, ihr umfangreiches Wissen an alle Interessierten weiterzugeben und sie in die Geheimnisse der Wildkräuter einzuweihen. Deshalb ist sie in den Sommermonaten, gefolgt von Gästen, Einheimischen, Schulklassen oder Kindergartengruppen, unterwegs in den Brookmerlander „Meeden“. Allerdings ist die Hexe, im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen, in der heutigen Zeit angekommen und unternimmt diese Ausflüge per Fahrrad oder sogar ganz komfortabel mit der Pferdekutsche. Ist das Körbchen dann voll mit Schätzen der Natur, kann man auch noch die Zubereitung von Gerichten mit diesen Kräutern bei ihr erlernen.

Aber wie wird man eigentlich eine hauptberufliche „Kräuterhexe“?
Die gebürtige Dortmunderin Dagmar Michel hatte als Kind schon den ersten Bezug zur Pflanzenwelt – einen eigenen Garten. Den Einstieg in die Welt der Kräuter fand die gelernte Erzieherin mit heilpädagogischer Zusatzausbildung und Hang zur Medizin 1993 bei einem VHS-Kurs „Wildkräuter“ mit Frau Räth ( Adler-Apotheke Norden ). Im ersten Jahr hat Frau Räth der zukünftigen Hexe bei der Kräuterbestimmung geholfen, den Rest ihres Wissens legte Frau Michel sich dann durch intensives Selbststudium zu. Immer begleitete sie aber der Gedanke, ihr Wissen mit der Arbeit mit Kindern zu verbinden. Sie machte eine Aus- und Weiterbildung im therapeutischen Reitsport und arbeitete fast acht Jahre mit Behinderten des SSV Süderneuland in diesem Bereich. 1995 startete sie spontan ihre ersten Touren als „Kräuterhexe“ im Kindergarten und in der Frauengruppe „Bienenkorb“ in Osteel. Seit sechs Jahren arbeitet Frau Michel nun hauptberuflich als Kräuterhexe und bietet auf Wochenmärkten in Marienhafe, Norden und Aurich neben Heilkräutern auch verschieden Früchtetees, Liköre, Sirup und Kosmetika aus eigener Produktion an. Selbstverständlich hat sie eine Prüfung für frei verkäufliche Arzneimittel abgelegt.

Seit Jahren betreut die nette und einfühlsame Hexe auch Kinder-Ferienprogramme in der Gemeinde Ihlow. Vom Frühjahr bis zum Herbst sind aber die Meeden ihr Revier. Neben Wissens vertiefenden Spaziergängen, Fahrradtouren und Kutschfahrten gehören in diesem Jahr gleich drei Seminare zu Ihrem Programm. Ein Ärgernis für jeden Gartenfreund oder doch „Giersch – ein Kräuterfreund fürs Leben?!“, den Unterschied erklärt die Hexe im Juni. „Wildkräuter mit allen Sinnen genießen“ ist das Motto des zweiten Seminars, bei dem neben heilkundlicher Schulung und kulinarischer Einführung in die Kräuterwelt auch eine geführte Meditation gehört. Im Spätsommer wir dann noch das Geheimnis der mystischen Pflanze „Wunder-Holunder“ gelüftet. (TourismusMarketing Niedersachsen)



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