3. Juli 2009, Eutin

„Jedes Stück ist auf seine Weise etwas Besonderes“

Die Eutiner Festspiele werden seit 1951 zu Ehren des Komponisten Carl Maria von Weber („Der Freischütz“) abgehalten und gehören zu den traditionsreichsten Opernfestivals in Deutschland. Kulisse für die alljährlichen Aufführungen in den Sommermonaten Juli und August bildet die idyllische Freilichtbühne im herzoglichen Schlossgarten, unmittelbar an den Ufern des Großen Eutiner Sees. In diesem Jahr stehen unter anderem die Operette „Die Großherzogin von Gerolstein“ G. Verdis „Otello“ und Rossinis „Barbier von Sevilla“ auf dem Programm. Daneben werden eine Kinderfassung von Webers „Freischütz“ sowie drei Gala-Abende mit Brillant-Feuerwerk gegeben.

Im Interview mit Reisenews-online (RNO) gewährt Heinz-Dieter Sense, Intendant der Eutiner Festspiele, Einblicke hinter die Kulissen der Aufführung und nimmt Stellung zu den diesjährigen Stücken

RNO: Die Vorbereitungen für die Eutiner Festspiele laufen auf Hochtouren und es wird bereits fleißig geprobt. Können Sie uns einen kleinen Einblick in den derzeitigen Alltag auf dem Festspielgelände geben?

Sense: „Seit dem 15. Juni laufen die Proben für die ‚Großherzogin von Gerolstein’ und eine Woche später begannen die Otello-Proben. Der Plan ist eng bemessen, und wir sind vom Wetter abhängig, denn die Solisten und Chöre üben auf der Probebühne in unserer Opernscheune und auf der Freilichtbühne. Jeweils ab 10 Uhr läuft der Probenbetrieb, teilweise bis nach Mitternacht.

RNO: Am 11. Juli um 20 Uhr fällt der Vorhang für die 59. Ausgabe des Opernfestivals. Als Eröffnungsstück wurde die „Großherzogin von Gerolstein“ gewählt, die danach noch an sieben weiteren Terminen zu sehen ist. Wieso hat man sich für dieses Stück entschieden?

Sense: „Die Großherzogin von Gerolstein passt hervorragend nach Eutin, weil es etliche Parallelen zwischen dem im Offenbach-Werk fiktiven Herzogtum Gerolstein und der Kreisstadt im Herzen der Holsteinischen Schweiz gibt. Eutin war in früheren Zeiten Fürstbischöfliche Residenzstadt, gehörte zu einem Herzogtum, und ist bis zum heutigen Tag Garnisonsstadt. Wo könnte man besser dieses Stück präsentieren als hier.“

RNO: Die Premiere der „Großherzogin von Gerolstein“ wird vom NDR fürs Fernsehen aufgezeichnet, welche zusätzlichen Herausforderungen bedeutet das für die Festspiel-Crew?

Sense: „Die Spezifischen Anforderungen für die Aufzeichnung einer Produktion müssen perfekt mit den Probenabläufen koordiniert werden. Ansonsten sind perfekte Abläufe sowohl beim Fernsehen als auch bei den Festspielen nichts Ungewöhnliches.

RNO: Neben der „Großherzogin“ gibt es eine weitere Premiere: erstmals wird mit einer adaptierten Form des „Freischützes“ von Carl-Maria von Weber auch eine Kinderoper aufgeführt. Wie kam es zu der Idee, ein eigenes Stück für junge Besucher zu initiieren und was ist das Besondere an der Aufführung?

Sense: „In der letzten Spielzeit gab es eine Zusammenarbeit der Festspiele mit dem Voß-Gymnasium und dies war der Auslöser für die diesjährige, besonders für Kinder und Jugendliche, Form einer klassischen Oper. Was lag in Eutin näher, als mit dem Freischütz zu beginnen.

RNO: Ein Höhepunkt der Eutiner Festspiele sind die traditionellen Gala-Abende zum Abschluss der Spielsaison, bei denen Klänge aus Oper, Musical und Chanson auf dem Programm stehen. Auf welche bekannten Stücke dürfen sich die Besucher in diesem Jahr freuen?

Sense: „Das Jahr 2009 ist reich an besonderen Gedenktagen großer Musiker. Ihre Kompositionen faszinieren die Menschen heute wie vor Generationen: Georg Friedrich Händel starb 1759, vor 250 Jahren, Joseph Haydn starb 1809, vor 200 Jahren und Felix Mendelssohn Bartholdy wurde 1809, vor 200 Jahren, geboren.

Mit dem ersten Teil der diesjährigen Gala-Abende ehren wir die großen Komponisten anlässlich ihres Gedenkjahres. Hinzu kommen Kompositionen von Carl-Maria von Weber, als Reminiszenz an den „Hauskomponisten“ der Eutiner Festspiele.

Im Mittelpunkt des zweiten Teils steht der Komponist Leonard Bernstein. Einer der größten und vielseitigsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Die Gala-Abende enden, wie jedes Jahr, mit einigen überraschenden und traditionellen musikalischen Highlights, vor einem hell erleuchteten Abendhimmel.“

RNO: Als größte Herausforderung der Eutiner Festspiele bezeichnen Sie, aus dem kleinen Budget das Maximalste herauszuholen? Wie gelingt dieser Spagat?

Sense: (lächelt) Wie überall. Auf der einen Seite etwas weniger ausgeben, um für andere Dinge etwas mehr zu haben. Wir setzen auf das Künstlerische und sparen dafür in diesem Jahr bei der Technik und den Bauten ein wenig. Das Grundbühnenbild vom Vorjahr wird wieder verwandt, und Bühnenbildner Achim Römer verwandelt die Kulissen der drei Inszenierungen zu drei absolut unterschiedlichen Bühnenbildern.

Die Festspiele wollen dem Publikum gute Qualität bieten, so dass es bei den Künstler-Engagements die Mischung zwischen erfahrenen und erfolgreichen und jungen Sängern ausmacht.

Wir haben einige international tätige Solisten, die sehr gern nach Eutin kommen und hier neue Rollen ausprobieren. John Treleaven, der 2008 für den erkrankten Stefan Vinke, kurzfristig als Tannhäuser einsprang, sagte für diese Spielzeit sofort zu. Zum einen, weil er Eutin und seine Umgebung sehr mag, und zum anderen, um hier zum ersten Mal Otello zu singen. Das Honorar steht dabei nicht im Vordergrund, sondern die Kombination Arbeit und Urlaub. Viele bringen ihre Familien mit nach Eutin.Und die jungen Sänger haben hier die Chance sich weiterzuentwickeln, und tauschen sich mit den erfahrenen Solisten aus.

RNO: Der Vorverkauf für die Festspiele ist bereits angelaufen. Wie zufrieden sind Sie derzeit mit den Zahlen? Spürt man auch in Eutin den steigenden Trend zum kurzfristigen Ticketkauf?

Sense: Mit den Zahlen des Vorverkaufs bin ich zufrieden. Die höheren Preiskategorien sind am besten verkauft, so dass es da bei einigen Vorstellungen nur noch wenige Karten gibt. Der Trend geht – wie ich es auch von anderen Häusern weiß – immer mehr zum kurzfristigen Kartenverkauf. Dieses stellt unsere Kasse organisatorisch vor eine neue Herausforderung.

RNO: Sind noch für alle Termine Karten erhältlich? Welches Stück können Sie unseren Lesern ganz besonders ans Herz legen -vielleicht einen persönlichen Favoriten?

Sense: Ja, es sind für alle Termine noch ausreichend Karten zu erhalten. Einen Favoriten habe ich nicht. Jedes Stück ist auf seine eigene Art etwas Besonderes. Ich kann den Lesern nur empfehlen sich alle anzusehen und selbst zu entscheiden. Mit unserem Festspielabonnement von 15 Prozent ist das sehr lohnenswert.

RNO: Herr Sense, wir danken Ihnen für das Gespräch.



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