11. Juli 2009, Slowenien

Die unterirdischen Gänge von Kranj

In den heißen Sommertagen überrascht so manche slowenische Stadt mit unterirdischen Geheimnissen. Wo immer Sie auch sind, können Sie größere und kleinere Karsthöhlen besuchen, in vielen Städten bieten Weinkeller eine angenehme Kühle, und hier und dort kann man sich in Bergwerksstollen begeben (durch die Stollen des Bergwerks in Mežica kann man sogar mit dem Fahrrad fahren). Diese Sehenswürdigkeiten sind den Besuchern Sloweniens schon gut bekannt, wobei jedoch unter den vor kurzem für Touristen eröffneten Sehenswürdigkeiten die Gänge unter der Stadt Kranj erwähnt werden müssen.

Die Gänge unter Kranj entstanden während des Zweiten Weltkrieges, als die Bewohner der Stadt sie als Unterstände nutzten. Sie wurden in aus dem Pleistozän stammende Gesteinsschichten gegraben. Der später fast vergessene und verlassene, fast 1300 Meter lange städtische Unterstand ist heutzutage erneut eine bedeutende Gedächtnisstätte für diese Art von Bauten und ein Zeuge des technischen Kulturerbes von Kranj.

In die größtenteils 2 Meter breiten und sich an einigen Stellen verzweigenden Gänge kann aus vier Richtungen eingestiegen werden. Die Gänge werden durch einen Betonmantel geschützt und an nicht fertig gestellten Abschnitten ist im Konglomerat noch der ursprüngliche Aushub zu sehen. Auch ein kleiner unterirdischer Saal gehört zu dem unterirdischen System. Unter den Unterständen ist die natürliche Höhle namens Tular von besonderer Bedeutung, in welcher sich ein Höhlenlaboratorium befindet. In dieser Höhle hat man in den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts Grottenolme (Proteus anguinus) angesiedelt. Neben einem ähnlichen Laboratorium in den Pyrenäen ist dies der einzige Ort, an dem sich diese Tierart außerhalb der Natur vermehren.

In den verlassenen Gängen haben die Dunkelheit, Feuchtigkeit und die relativ stabile Temperatur mit den Karsthöhlen vergleichbare Verhältnisse geschaffen, weshalb sich solche Tiere angesiedelt haben, denen solche Bedingungen entsprechen: Höhlenheuschrecken (Troglophilus cavicola), Höhlenspinnen (Meta menardi) sowie Fledermäuse wie die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) und die Große Hufeisennase.

Weil Wasser tropft, wachsen langsam Tropfsteine, genau so wie in natürlichen Höhlen. Der Grund hierfür sind die Kalzitkristalle, welche Schicht für Schicht aus dem Regenwasser herausgelöst werden, welches durch die 15 Meter dicke Konglomeratdecke über den Gängen sickert. Von der Decke hängen Stalaktiten – sinterartige Röhrchen oder Höhlenspagetti. Vom Boden wachsen langsam dickere Stalagmiten empor.

Führungen durch die unterirdischen Gänge von Kranj finden dienstags und freitags nachmittags um 17.00 Uhr sowie samstags und sonntags um 10.00 Uhr statt. Treffpunkt für die Besucher ist das Krainer Haus bzw. auf Slowenisch Kranjska hiša. (Slovenian Tourist Board)



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