1. August 2009, Deutschland

Aufnahme des Nibelungenliedes in das Weltdokumentenerbe

Das Internationale Komitee für das UNESCO-Programm „Memory of the World“ hat heute dem UNESCO-Generaldirektor die Aufnahme des Nibelungenliedes in das Register des Weltdokumentenerbes empfohlen. Die Dichtung gilt als herausragendes Beispiel der europäischen Heldenepik – vergleichbar mit der griechischen Troia-Sage. Das UNESCO-Register listet die drei wichtigsten und vollständigsten Handschriften des Nibelungenlieds. Sie werden in der Bayerischen Staatsbibliothek in München, der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe und der Bibliothek des Klosters St. Gallen in der Schweiz aufbewahrt. Das UNESCO-Komitee tagt vom 29. bis 31. Juli 2009 in Bridgetown, Barbados.

„Die UNESCO hat mit dem Nibelungenlied bereits den elften deutschen Beitrag in ihre Schatzkammer der Geistesgeschichte aufgenommen. Es ist eine einzigartige Sammlung der wichtigsten Dokumente der Weltkultur“, sagte Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard, Staatssekretär a.D. und Vorsitzender des Deutschen Nominierungskomitees, der an der Tagung in Bridgetown teilnimmt. „Dieses ‘Gedächtnis der Menschheit’ digital aufzubereiten und über das Internet öffentlich zugänglich zu machen, ist Kern dieses UNESCO-Programms. Bibliotheken, Archive und Museen aus Deutschland und vielen anderen Ländern arbeiten in einem weltweit einmaligen Netzwerk zusammen.“

Das Nibelungenlied erzählt von der Liebe des Drachentöters Siegfried zur burgundischen Königstochter Kriemhild und ihrer Heirat, von Siegfrieds Tod durch Hagen und Kriemhilds Rache mit Hilfe des Hunnenkönigs Etzel, die zum Untergang des Burgunder-Reiches führt. Das Nibelungenlied wurde um 1200 von einem unbekannten Dichter im Auftrag des Passauer Bischofs Wolfger von Erla niedergeschrieben. Die Sage besteht aus etwa 2.400 Strophen und basiert auf vorwiegend mündlichen Überlieferungen. Historischer Hintergrund ist der Sieg der Hunnen über die Burgunder im Jahr 436 n. Chr.

Die Heldendichtung aus der mittelhochdeutschen Literatur war im 16. Jahrhundert in Vergessenheit geraten. Die moderne Rezeption begann erst wieder im Jahr 1755, als eine der Handschriften des Nibelungenlieds in Schloss Hohenems im österreichischen Vorarlberg wiederentdeckt wurde. Im 19. Jahrhundert hatte das Nibelungenlied große Bedeutung als nationales Epos. Richard Wagner brachte es in seinem Musikdrama „Ring des Nibelungen“ auf die Opernbühne. Das Epos wurde mehrfach verfilmt, erstmals im Stummfilm von Fritz Lang in den Jahren 1922 bis 1924.

Das Deutsche Nominierungskomitee für das Memory of the World-Programm hatte das Nibelungenlied im März 2008 zur Aufnahme in das UNESCO-Register des Weltdokumentenerbes vorgeschlagen. Alle zwei Jahre können die Mitgliedstaaten Vorschläge für das „Memory of the World“-Register bei der UNESCO einreichen. Über die Aufnahme beschließt das Internationale Komitee, dessen vierzehn Mitglieder vom UNESCO-Generaldirektor berufen werden. Dieser trifft die endgültige Entscheidung über die Anerkennung als UNESCO-Weltdokumentenerbe. Zum „Memory of the World“ gehören wertvolle Buchbestände, Handschriften, Partituren, Unikate, Bild-, Ton- und Filmdokumente aus aller Welt. (UNESCO)



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