Gut Aspen entwickelt sich zum Eldorado des deutschen Polosports

Wer hier die Autotür hinter sich zuschlägt, nimmt zuallererst drei Dinge wahr: die nach Rosen duftende Luft, die auf der Weide dösenden Pferde und die Musik, die sanft aus dem Stall herüberweht. „Buenos días“ erklingt es im Stall unter einem Pferdehals heraus, ein schlanker junger Mann mit dunklen Augen taucht neben dem kleinen edlen Polopony auf. Auf Gut Aspern in Groß-Offenseth trainieren viele Polospieler aus Argentinien, dem Land, das mehr echte Könner im Polosattel hervorbringt als jede andere Nation. Gemeinsam mit Christopher Kirsch, Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und Chef auf dem alten Landgut, geben die Poloprofis ihr Wissen an Schüler der Polo Academy weiter und demonstrieren ihr Können auf hochkarätig besetzten Turnieren wie den German Polo Open vom 4. bis 6. September.

Das Spiel ist schnell und riskant. Nichts für Feiglinge. In atemberaubendem Tempo galoppieren die Pferde über das Spielfeld, heben sich die Reiter abwechselnd links und rechts aus ihren Sättel heraus, drängen den gegnerischen Spieler geschickt mit dem eigenen Pferd ab, um eine bessere Position zum entscheidenden Schlag einzunehmen. „Wenn man mit dem Polospiel beginnt, muss man nicht unbedingt eine klassische Dressurreiterkarriere hinter sich haben“, sagt Christopher Kirsch lächelnd. Seit seinem achten Lebensjahr sitzt der Kapitän der deutschen Polo-Nationalmannschaft im Sattel, seit 2005 betreibt er auf Gut Aspern inmitten des größten Rosenzuchtgebietes Norddeutschlands eine Polo-Academy sowie die Agentur Pegasus Event Marketing, die Poloevents und -turniere konzipiert und veranstaltet.

„Was beim Polo zählt, ist Geschick und Mut.“ Schließlich kämpfe man mit mehr als nur einer Schwierigkeit: das Pferd bewegt sich, man selbst bewegt sich, der Ball bewegt sich – „und der Platz ist auch nicht immer hundertprozentig eben“, sagt Kirsch. Und alles müsse man mit einer Hand reiten.

Sport der Könige – Flair des Unerreichbaren
Dass Polo die Massen fasziniert liegt am spektakulären Ruf, der ihm vorauseilt – und am Flair des Unerreichbaren. Schließlich ist dieser Sport bekannt als der Sport der Könige. Prinz Charles und sein Sohn William spielen Polo, Prinz Philip ist der Präsident des Guards Polo Clubs in England. In der chinesischen Tang-Dynastie wurden Regierungsmitglieder sogar nach ihrem Erfolg beim Polospiel bewertet.

Wer aber hinter die Fassaden schaut, sieht das wahre Gesicht dieser Pferdenarren: Die Faszination des Menschen durch das Pferd. „Wir müssen auch misten und putzen und unseren Kameraden Pferd bei Laune und Gesundheit halten“, sagt der 41-jährige mehrfache deutsche Meister und Drittplazierte bei Europa- und Weltmeisterschaften. Auf Gut Aspern können Interessierte einen Blick hinter die Kulissen werfen, erste Schlagversuche probieren und den ersten Chukker (Spieleinheit) spielen.

„Misten und füttern inbegriffen – wer möchte.“ Für Gäste stehen auf dem Gut vier Zimmer bereit, „allerdings eher ursprünglich eingerichtet“. Wer es komfortabler nach der ganzen Stallarbeit mag, findet im Romantikhotel Waldfrieden in Quickborn das passende Ambiente für seine müden Knochen.

Der Unterschied zu anderen Pferdesportarten ist das „Teamleben“. „Die Pferde leben nicht nur in der Herde, sie arbeiten auch in der Herde.“ Und kämpfen um jeden Meter. „Ein gutes Polopferd weiß, wann und wie es zum Ball muss“, sagt der mit dem Grade 1 der Hurlingham Polo Association, dem höchsten Coachingstand, ausgezeichnete Hamburger. Dieser Teamgeist kennt keine Grenzen: „Ob Groom, Weltklassespieler oder Promi aus dem Showgeschäft, bei uns in der Polo-Bar sitzen alle zusammen.“ Ob Schauspieler Heino Ferch, selbst begeisterter Polospieler, oder ehemalige HSV-Fußballer wie Juan Pablo Sorin oder Rodolfo Esteban Cardoso. „Für viele Argentinier ist Gut Aspern so etwas wie eine zweite Heimat“, erzählt Kirsch, der neben Spanisch noch vier weitere Fremdsprachen spricht. „Sie nennen es das holsteinische Argentinien, weil es hier ihrer Heimat so ähnelt.“ Ohnehin geht im Polosport nichts ohne Argentinien: Die besten Pferde kommen von dort, die Masse der begnadeten Spieler, die Sättel und das Zaumzeug, die handgemachten Schläger. Viele Argentinier nutzen ihren Aufenthalt hier, um Pferde zu verkaufen. Noch kommen 70 Prozent aller Polopferde aus dem südamerikanischen Land.

Nach den German Polo Open vom 4. bis zum 6. September auf Gut Aspern bricht auch Kirsch mit seiner kleinen Familie wieder Richtung Südamerika auf, um den Winter dort zu verbringen. Die Pferde auf Gut Aspern erholen sich währenddessen auf den weitläufigen Koppeln. Für sie geht es erst im März 2010 wieder mit dem Ernst des Lebens los. (sh-na)



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