20. August 2009, Berchtesgadener Land

Moderne Kühe reisen mit dem Boot

Früher wurden sie über den Königssee gerudert. Doch schon seit 100 Jahren bringt sie der sanfte Schub leiser Elektromotoren nach Hause. Die gut 60 Kühe, die von den Almen im Nationalpark Berchtesgaden zurückkehren, sind im gesamten Alpenraum die einzigen mit einstündigem Bootstransfer auf dem Weg zum heimischen Stall. Wenn sie am 3. Oktober an der Seelände ankommen, werden sie erstmals mit einem Fest empfangen.

„Diese einzigartige Form des Almabtriebs ist hier so normal, dass man nie ein großes Aufheben drum gemacht hat“, sagt Stephan Köhl, Geschäftsführer der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH. Doch es hat sich herumgesprochen, immer mehr Zuschauer kommen. Dem trägt man jetzt Rechung mit einem Almfest an der Seelände in Schönau, bei dem regionale Produkte verkauft werden und die Volksmusik aufspielt. Beginn ist um 9 Uhr, wenn die ersten Kühe erwartet werden.

Den ganzen Weg über den Königssee haben die Kühe schon der Volksmusik gelauscht, denn sie werden traditionell von Musikern begleitet. Aber nicht, um das Vieh durch schöne Melodien sanft zu stimmen, sondern weil’s einfach dazu gehört. „Ob sie auf einen Viehtransporter steigen oder aufs Boot – das macht von der Aufregung her keinen Unterschied“, sagt Max Hofreiter, einer der drei Bauern, die ihre Kühe zur Sommerfrische in den Nationalpark schicken.

Beim Bootstransfer – übrigens in den klassischen, hölzernen Landauern der Königssee-Schiffahrt – sei noch nie etwas passiert. Was allerdings schon vorkomme: Dass einmal eine Kuh abstürzt oder ein totes Kalb auf der Alm geboren wird. „Dann ist nichts mehr mit Schmücken“, sagt Max Hofreiter. Dann war die ganze Arbeit umsonst.

Denn ab 24. August, dem Namenstag des Heiligen Bartholomäus, legen die Bauern Nachtschichten ein. Rund 60 Stunden dauert es, bis ein „Fuikl“ fertig ist – der Königsschmuck für die Kühe aus Fichtenbäumchen, deren Zweige gebunden und aufwändig mit handgearbeiteten Blumen und Rosetten verziert werden. „Das Jungvieh bekommt Latschenbuschen – für die braucht man etwa zehn Stunden“, so Hofreiter, der von langen Nächten zu berichten weiß.

Geschmückt werden die Tiere erst, wenn sie den Bootstripp hinter sich und auf der Seelände wieder festen Boden unter den Füßen haben. Dabei können die Gäste am 3. Oktober zuschauen, während sie sich an typisch bayerischen Schmankerln laben.

Von Mitte September bis Anfang Oktober finden im Berchtesgadener Land zahlreiche weitere Almabtriebe statt, die Termine werden aufgrund des derzeit eher unberechenbaren Wetters erst kurzfristig im Veranstaltungskalender unter www.berchtesgadener-land.com bekannt gegeben.

Besonderer Tipp: Der Ramsauer Bauernherbst am 26. September. Rund um die Nationalpark-Infostelle Klausbachhaus in Ramsau-Hinterseee präsentiert sich traditionelles Handwerk neben bayerischer Blasmusik. Es gibt frischen Most, Federweißen, Berchtesgadener Bier, traditionelle Gerichte und jede Menge Flair vor einzigartiger Alpenkulisse.

(Berchtesgadener Land Tourismus)



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