24. August 2009, Oregon

Herbstfeste im hohen Norden der USA

Wenn der Sommer allmählich zu Ende geht und bevor die weiße Pracht das Land bedeckt, beginnt im Nordwesten der USA eine der schönsten Jahreszeiten: der Herbst, in Amerika „Fall“ genannt. Im Bundesstaat Oregon, wo man immer zum Feiern aufgelegt ist, hat man einige der interessantesten und spektakulärsten Feste in die Übergangszeit gelegt, wenn das Wetter angenehm mild ist und die Stimmung gut. Leckeres Essen, flotte Musik, ausgefallene Sportarten und skurrile Freizeitbeschäftigungen: in Oregon findet alles seinen Platz – und sein Festival!

Warum sollte man nicht einfach mal mitfeiern? Schließlich ist der Flug nach Oregon keine Weltreise: Portland, der wirtschaftliche und kulturelle Nabel des Staates, ist von Amsterdam mehrmals pro Woche nonstop mit KLM-Northwest-Delta leicht zu erreichen. In Portland angekommen mietet man sich am besten ein Auto und fährt ganz unbeschwert los: der Benzinpreis in Oregon lag im August bei 47 Eurocent pro Liter! Da macht auch das Autofahren wieder Spaß …

Lecker und lustig
Etwa 225 km oder rund 3 Stunden fährt man von Portland, um das malerische Tausend-Seelen-Städtchen Sisters am Fuße des Kaskadengebirges zu erreichen. Dort findet seit 1995 alljährlich das Sisters Folk Festival (www.SistersFolkFestival.com) statt – diesmal vom 11. bis 13. September 2009. Hier gibt es typisch amerikanische Folk Music vom Feinsten – von Blues bis Bluegrass. Da sich die Veranstaltung unmittelbar an die „Americana Song Academy“ anschließt, die auf einer Ranch außerhalb von Sisters für aufstrebende Musiktalente und Texter veranstaltet wird, werden auch innerhalb des Folk-Festivals Workshops für junge Musiker abgehalten. Der Sieger des Songtexter-Wettbewerbs wird am Samstag bekanntgegeben. Und zum Abschluss des Festivals wird eine Euro1.900 teure Breedlove-Gitarre verlost. Der Dreitagesspass für sämtliche Veranstaltungen kostet $85 (ca. Euro60), Tagespässe gibt es bereits ab $30 (ca. Euro21).

Musik und Tanz umrahmen drei Wochen später auch das North Coast Seafood Festival (www.NorthCoastSeafoodFestival.com) in Tillamook an der Pazifikküste – und wie der Name schon andeutet, wird dazu allerlei Köstliches aus dem Meer angeboten. Zu den Leckereien aus aller Welt gesellen sich Bier und Wein aus den Kleinbrauereien und Weingärten Oregons, und am Rande der Veranstaltung bieten einheimische Künstler ihre Werke feil. Die Veranstaltung findet alljährlich am ersten Oktoberwochenende statt, diesmal also am 3. und 4. Oktober. Der Eintritt kostet für Erwachsene $7 (ca. Euro5), für Kinder und Senioren $5 (ca. Euro3,50). Tillamook, die „Käsehauptstadt des Staates“ mit 4.400 Einwohnern und 25.000 Kühen, liegt 1 1/2 Autostunden (120 km) westlich von Portland.

Plüschtierregen und Piraten
Fährt man eine weitere Stunde auf der reizvollen Küstenstraße US 101 gen Süden, erreicht man Lincoln City. Ein Wochenende später – am 10. und 11. Oktober – steigen hier, wie in jedem Herbst seit nunmehr dreißig Jahren, ein großes Fest und eine Vielzahl bunter Drachen. Beim Fall Kite Festival (www.OregonCoast.org/kite-festival/kites-fall.php) geht es jedoch nicht um Kinderspielzeug, sondern um wahre Ballettkünstler am Himmel, die sowohl in Einzel- als auch in Synchronwettbewerben gegeneinander antreten. Aber auch der Spaß kommt dabei nicht zu kurz: Kinder können unter Leitung erfahrener Drachenbauer lernen, wie man einen Drachen bastelt und ihn anschließend steigen lassen. Außerdem dürfen die Kleinen Plüschtiere, die beim „Stuffed Animal Drop“ an Fallschirmchen abgeworfen werden, aufsammeln und mit nach Hause nehmen. Ein besonders witziges Rennen ist „Running of the Bols“: In zwei Altersgruppen laufen die Teilnehmer um die Wette, während sie an einen großen Drachen geschnallt sind, der sie natürlich erheblich bremst. Besucher dürfen nicht nur – selbstverständlich gratis – zuschauen, sondern auch eigene Drachen mitbringen, die bei einem „Massenaufstieg“ alle zusammen in den Himmel geschickt werden – ein einzigartiger Anblick. Auf dem Meer kann man zudem, wenn es das Wetter zulässt, auch die verwegenen „Kiteboarders“ bewundern: Wellenreiter, die vom Surfbrett aus ihre Drachen steigen lassen.

Verwegen – allerdings nur im Spiel – sind auch die Gestalten, die sich am 19. und 20. September 2009 in St. Johns, wenige Kilometer nordwestlich von Portland, zum Portland Pirate Festival (www.PortlandPirateFestival.com) treffen. Die Veranstalter versuchen in diesem Jahr, einen Rekord aufzustellen, indem sie mehr „Piraten“ als je zuvor an einem Ort versammeln. Dazu müssen sich über 1.500 Menschen in passender Verkleidung zum Zählappell treffen – Augenklappen sind Pflicht. Das Festival, das zum vierten Mal stattfindet, verspricht Spaß und Unterhaltung für die ganze Familie – mit Musik, Tanz, historischen Vorführungen, Theater, Spielen und Imbiss- und Verkaufsständen … natürlich alles rund ums Thema. Jugendliche und Erwachsene zahlen im Vorverkauf $12 (ca. Euro8,50) Eintritt, Kinder die Hälfte.

Krautfest und Kohlkopfkegeln
Nur einen Steinwurf von St. Johns – ebenfalls im Nordwesten von Portland – liegt Scappoose. Am 19. September 2009 feiert man im dortigen Heritage Park bereits zum 20. Mal das Scappoose Sauerkraut Festival (www.ScappooseCommunity.org). Das diesjährige Fest steht unter dem Motto „Souper Sauerkraut“. Zu den Vergnügungen gehören unter anderem Sauerkraut-Bowling und ein Sauerkraut-Wettmampfen. Gäste aus der Heimat des Sauerkohls sind herzlich eingeladen, sich mit amerikanischen „Kraut-Fans“ zu messen! Mit Sicherheit muss bei diesem Fest kein Besucher „Kohldampf schieben“.

Deutsche denken natürlich bei Sauerkraut auch gleich an Eisbein. Dass man mit Schweinshachsen aber noch ganz andere Dinge tun kann – besonders dann, wenn die Hachse noch mit dem Tier verbunden ist -, zeigen die grunzenden Vierbeiner alljährlich beim einzigen Schweinerennen in Oregon, dem „Pigtucky Derby“, das im Rahmen des French Prairie Gardens Harvest Festival (www.FPGardens.com) in St. Paul an jedem Oktoberwochenende ausgetragen wird. Das Fest beginnt am 26. September und endet an Halloween, also am 31. Oktober. Passend dazu kann man über zehn verschiedene Kürbissorten bestaunen. Außerdem gibt es Mais- und Heulabyrinthe, zwei 6 m lange Heurutschen und vieles mehr. St. Paul liegt eine halbe Autostunde südlich von Portland. Die French Prairie Gardens sind – auch außerhalb des Erntefests – von Dienstag bis Samstag geöffnet und gehören zu einem Gehöft, das von Familie Pohlschneider betrieben wird. Großvater Alwin, der den Bauernhof einst kaufte, war im Alter von 18 Jahren aus Deutschland nach Oregon gekommen – ein echter „Kraut“ also! (Oregon Tourism Commission)



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen





Das könnte Sie auch interessieren:

Weitere Beiträge zum Thema: