Geschlechter-Test: Wer baut was mit Lego?
Wer baut was und warum? Um der Frage auf den Grund zu gehen, stellten sich 426 Probanden in den vergangenen vier Wochen dem großen Geschlechter-Test in den LEGOLAND® Discovery Centren in Berlin und Duisburg. Untersucht wurde, ob Mädchen und Jungen, Frauen und Männer unterschiedliche Baustile haben. Heraus kam: Das Ergebnis ist verblüffend unverblüffend.
Die Teilnehmer hatten die Wahl zwischen acht verschiedenen, zum Teil sehr klischeebehafteten Motiven. Drei davon wurden als männlich eingestuft, drei als weiblich und zwei als neutral. Zu den männlichen Motiven zählten Auto, Bahnhof und Rakete. Weibliche Motive waren Haus, Pferd und Bauernhof. Als neutral galten Garten und Hund. Weiterhin wurden Fragen nach dem Schwierigkeitsempfinden und der Selbsteinschätzung gestellt. Wichtigste Erkenntnis: umso jünger die Testpersonen, desto weniger waren sie auf ihre geschlechtspezifischen Eigenschaften geprägt und desto unvoreingenommener haben sie aus den Motiven ausgewählt.
Insgesamt nahmen 426 Probanden teil, darunter 62 Prozent männliche und 38 Prozent weibliche. Die Befragten kamen auf ein durchschnittliches Alter von 13,5 Jahren, wobei die weiblichen durchschnittlich 15 Jahre und die männlichen im Schnitt erst 12 Jahre alt waren. Besonders im Alter von 3-6 Jahren gab es bei der Wahl der Motive bei Jungen und Mädchen viele Übereinstimmungen, unabhängig davon ob das Motiv nun eher „weiblich“ oder „männlich“ behaftet war. Ab einem Alter von 7-10 Jahren hingegen, wurden sie sich ihrer Geschlechterrolle bewusster, Übereinstimmungen wurden seltener. Die Altersgruppe ab 11 Jahren aufwärts bis hin zur ältesten Testperson von 67 Jahren hat dann nur noch geschlechtsspezifisch ausgesucht und die These von männlichen und weiblichen Baustilen vollends bestätigt. „Das zeigt, dass auch heute noch ab einem bestimmten Alter die gesellschaftliche Sozialisierung für typisch männliche und weibliche Rollenzuweisungen sorgt. Sicherlich nicht mehr so deutlich wie früher, aber immer noch signifikant“, erklärt Uta Zolldann, bundesweite Projektkoordinatorin des Geschlechter-Tests. „Einfach gesagt: Männer bauen Dinge die Mobilität ausdrücken, wie Autos und Raketen, Frauen hingegen Häuser oder Pferde, Symbole für Sesshaftigkeit und Romantik.“
Bei der Auswertung bewahrheitete sich die Einschätzung von typisch geschlechtsspezifischen Motiven: 18 Prozent der Testpersonen wählten zum Nachbau die Rakete aus. Damit war diese das beliebteste Motiv. Hier wurde ein besonders hoher männlicher Anteil von 30 Prozent zu gerade mal fünf Prozent weiblichen Probanden ausgemacht. Auf Platz Zwei folgte mit dem Pferd ein typisch weibliches Motiv: nur sieben Prozent der männlichen, aber 30 Prozent der weiblichen Probanden wählten dieses Modell. Den dritten Platz teilten sich bei ähnlicher Beliebtheit das Auto, der Garten und der Hund. Auch hier wurde das männliche Motiv des Autos vorrangig von männlichen Probanden nachgebaut. Ausgeglichener und wie vermutet ging es da bei den neutralen Motiven des Hundes und des Gartens zu. Die Gegenstände wurden von männlichen und weiblichen Probanden zu gleichen Teilen nachgebaut. Typisch war auch die Reaktion auf den Bahnhof, den eine Mehrzahl der männlichen Befragten (16 Prozent) im Vergleich zu den weiblichen Befragten (9 Prozent) gewählt hat. Auch das Ergebnis des Haus-Motivs bestätigt die These, das Frauen zu typisch weiblichen Symbolen tendieren: Im Vergleich griffen 15 Prozent der Damenwelt zu dem Haus, die Männer hingegen waren nur mit 9 Prozent beteiligt. Besonders interessant war aber hier, dass das Verhältnis bei den Kindern zunächst noch sehr ausgeglichen war. Andererseits war auffällig, dass besonders Frauen im typischen „Hausfrauenalter“ zwischen 31 und 40 Jahren, das Haus mit der Begründung gewählt haben es „passt am Besten zu mir“.
Was den Zeitfaktor betrifft, gelang jedem und vom Geschlecht unabhängig der Nachbau relativ schnell. Innerhalb von 10 Minuten hatte der Großteil ein fertiges LEGO Modell in den Händen. Die These vom grobmotorisch veranlagten Mann, der von den Fingerfertigkeiten einer flinken Frauenhand in den Schatten gestellt wird, kann hier nicht gestützt werden.
Zu guter Letzt wurde auch nach dem Grund der Motivwahl gefragt. Die männlichen Probanden gaben zum Großteil an, dass alle anderen zu einfach für den Nachbau gewesen wären. Die weiblichen Probanden hingegen waren hier um einiges experimentierfreudiger, da als Auswahlgrund oftmals angegeben wurde, etwas Neues ausprobieren zu wollen. Das Klischee vom männlichen Überschätzungsdrang und der scheinbar natürlichen weiblichen Neugierde, wurde mit diesen Aussagen vollends bestätigt.
Worin sich aber letztendlich alle Probanden einig waren, war das Resultat ihrer Bemühungen: Alle waren zufrieden mit ihrem Ergebnis und das Geschlechter-Experiment sorgte für großen Gesprächsstoff innerhalb der Familien. (legoland)
Tweet
» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen









