18. Oktober 2009, Brandenburg

Sonderausstellung im Frankfurter Kleist-Museum

Schriftsteller und Publizist zu sein ist bis heute ein aufwendiges Unternehmen. Das 18. Jahrhundert kennt den völlig unabhängigen Schriftsteller und Journalisten allerdings noch nicht. Mit politischen Äußerungen die öffentliche Meinung beeinflussen zu wollen stellt nicht nur ein Risiko dar, sondern es muss auch genehmigt werden. Dies muss auch Heinrich von Kleist deutlich spüren.

Am 29. April 1809 reisen Kleist und Friedrich Christoph Dahlmann gemeinsam aus Dresden ab, „um sich mittelbar oder unmittelbar in den Strom der Begebenheiten zu werfen“. Dieser Ausspruch Kleists ist programmatisch für ihr Bestreben, Einfluss auf die Rolle Deutschlands im österreichisch-französischen Krieg zu üben, der kurz vor ihrer Abreise erklärt wird. Zusammen mit Dahlmann, der später zu einem bedeutenden Historiker wird, reisen sie dem Krieg nach und besuchen das Schlachtfeld bei Aspern. Der Erzherzog Carl errang hier den ersten Sieg gegen die Napoleonischen Truppen seit 12 Jahren. Kleist rühmt Carl später in einem Gedicht, noch nicht wissend, dass die Schlacht bei Wagram nicht nur das Ende des Krieges gegen Napoleon einläuten, sondern auch seinen politischen Ambitionen in Böhmen die Grundlage entziehen wird. Sein Gedicht „Das letzte Lied“, aus der Zeit kurz vor der Abreise nach Böhmen, liest sich im Nachhinein wie eine Vorahnung möglichen Scheiterns.

Auch wenn zu Kleists Aufenthalt in Böhmen wenig bekannt ist, wissen seine Zeitgenossen dennoch von Anekdoten und sogar einer tödlichen Verwundung zu erzählen. Kleist stirbt nicht bei Wagram, wie Clemens Brentano zu berichten weiß, aber er ist mehr als enttäuscht über den mangelnden Erfolg seiner politischen Unternehmung.

Thematischer Hintergrund der Ausstellung vom 17. bis 30. Dezember ist der Kleistcountdown, der auch in diesem Jahr wieder genau 200 Jahre, also auf das Jahr 1809, zurückschaut. Der 200ste Todestag des Dichters wird im Kleistjahr 2011 den Countdown beenden. Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr Preise: Eintritt 3 Euro, ermäßigt 2 Euro, Schüler 0,50 Euro. Öffentliche Führungen 1 Euro pro Person. Infostelle/ Buchung: Kleist-Museum, Faberstraße 7, 15230 Frankfurt (Oder), Tel.: 0335 531155, Fax: 0335 5004945, E-Mail: info@kleist-museum.de, Internet: www.kleist-museum.de. (TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH)



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