31. Oktober 2009, Taiwan

Fahrradtouren in Taiwan

Nicht zufällig tauften die Portugiesen die Insel Taiwan bereits vor Jahrhunderten „Formosa“ – „schöne Insel“, und nun kann sich jeder Reisende selbst davon überzeugen. Um die ganze Schönheit der Insel zu erleben, gibt es keine bessere Möglichkeit, als sie per Fahrrad zu erkunden – dem traditionellen – und zudem umweltschonenden -asiatischen Fortbewegungsmittel. Viele der beliebtesten Radwege sind ausgeschildert, und Fahrradmieten sind unvergleichlich günstig.Im Interesse eines besonders umweltfreundlichen Fremdenverkehrs wirbt auch das staatliche Fremdenverkehrsamt Taiwan in jüngster Zeit verstärkt für den Fahrradtourismus. Gerade im Winter ist das Wetter auf Taiwan besonders angenehm zum Radeln – nicht zu heiß und nicht zu kalt: Im tropisch-subtropischen Klima der Insel bleibt es vorwiegend trocken, und die Temperaturen liegen um 20 °C.

Selbst die verkehrsreiche Hauptstadt Taipeh lässt sich bequem und angenehm mit dem Zweirad erkunden. Gerade an den Ufern des Danshui und seiner zahlreichen Nebenflüsse entlang führen viele attraktive Radwege durch das Stadtgebiet, die vor ein paar Jahren zu einem 150 Kilometer langen Netz verknüpft wurden. Ausgangspunkt gleich mehrerer Radwege ist der „Guandu Nature Park“ am Zusammenfluss von Keelung und Danshui. Zur Orientierung sollte man sich allerdings die „Taipei City Riverside Cycling Path Map“ besorgen, die man auch aus dem Internet herunterladen kann (www.taipeitravel.net/common/down.ashx?Lang=2&SNo=10002705).

Natürlich muss niemand das Fahrrad von zu Hause im Flugzeug mitbringen (obwohl auch dies möglich ist) – es gibt zahlreiche Fahrradvermietungen in diesem traditionell fahrradfreundlichen Land. In der Stadt Taipeh gehören viele Fahrradvermietungen entlang der markierten Radrouten Ketten an, so dass auch Einwegmieten möglich sind. Die meisten Vermieter haben täglich zwischen 8.00 und 17:30 Uhr geöffnet, manche allerdings nur an Wochenenden. Die Preise sind moderat und liegen im Schnitt bei rund einem Euro pro Mietstunde.

Fahrräder dürfen – außerhalb der Hauptverkehrszeiten – auch in der Stadtbahn (MRT) mitgenommen werden. Die Stationen mit Fahrradein- und -ausstieg sind auf den Streckenkarten gekennzeichnet. Noch preiswerter ist die Kombination von Bahn und „YouBike“. Hier handelt es sich um Mieträder, die man an bestimmten Stationen – elf an der Zahl – einfach ausleiht, um zum endgültigen Ziel zu gelangen. Die erste halbe Stunde ist gratis, danach fallen umgerechnet rund 20 Cent für jede Viertelstunde an. Für diesen Service muss man sich lediglich einmalig an einem der Informationskioske registrieren lassen. Für rund drei Euro erhält man dann eine 5-Tage-Karte zur beliebigen Nutzung der „YouBikes“.

Natürlich gibt es auch wunderschöne Fahrradrouten außerhalb der Stadt. Auf Taiwan hat man teilweise die Trassen stillgelegter Bahnstrecken in Fahrradwege umgewandelt. Die Dongfong-Eisenbahn zwischen Fongyuan und Dongshih im Westen der Insel befördert einst Holz und landwirtschaftliche Produkte, und aufgrund der landschaftlichen Reize nahm auch der Personenverkehr auf dieser Schienenstrecke immer mehr zu. Schließlich aber erzwang der Rückgang des Güteraufkommens die Einstellung des gesamten Bahnverkehrs – und führte zur Entstehung der „Dongfong Green Passage“. Sie beginnt am Rande der Stadt Fongyuan und führt durch Shihgang und Dongshih, parallel zum Fluss Dajia. Der Radweg verläuft flach und lässt sich leicht bewältigen, doch sollte man sich ein wenig Zeit für Abstecher nehmen, zum Beispiel zur 40 m langen „Lover’s Bridge“, einer romantischen Brücke aus nordamerikanischen Hölzern, oder zum Shihgang-Staudamm, der nach Erdbebenschäden vor zehn Jahren wieder vollständig ern euert wurde.

Eine sehr populäre Radstrecke in der Mitte Taiwans führt rund um den Sonne-Mond-See (www.SunMoonLake.gov.tw), mit fast 12 km² Fläche das größte Binnengewässer der Insel. Der 760 m hoch gelegene Stausee ist ein beliebtes Ausflugsziel, der auf dem 33 km langen „Sun Moon Lake Biking Trail“ mit dem Fahrrad in rund zwei Stunden umrundet werden kann. Danach bleibt noch genügend Zeit für einen kleinen Schiffsausflug oder um die Aussicht vom Ufer aus zu genießen – zum Beispiel bei einer Mahlzeit in einem der zahlreichen Restaurants. Auch der Shiuantzang-Tempel und die Tsz-en-Pagode an der Südseite des Sees bieten herrliche Panoramablicke auf den See und die Insel Lalu inmitten des Sees. Im Frühjahr bereichert die Kirschblüte den Ausblick noch um eine zusätzliche Attraktion.

Der „De Yan Seaside Botanical Garden“ an der Ostküste Taiwans bietet neben einer bunten Pflanzenpracht wunderschöne Wanderwege mit Blick auf das Zentralgebirge. Hier kann man aber auch eine halbtägige Fahrradtour an der Küste entlang in Richtung Süden unternehmen, die zur Skulpturenausstellung des örtlichen Steinkunstmuseums führt, auf das Siba-Plateau mit seiner herrlichen Aussicht und dann hinunter zum Hafen von Hualien. Im Landkreis Hualien befindet sich auch die Marmorschlucht von Taroko, die man auf einem knapp 20 km langen Radweg in rund zwei Stunden sehr gut per Drahtesel erkunden kann.

Weiter südlich an der Ostküste schließt sich der Kreis Taichung mit der Landgemeinde Chihshang an. Vom Dapo-Teich führt ein Fahrradausflug um Brotdosenmuseum, wo man nebenbei alles Wissenswerte über die Geschichte der berühmten Chihshang-Lunchbox erfahren kann. Im gleichen Landkreis liegt auch Guanshan mit einem Radweg, der rund um die Stadt führt und sich leicht in anderthalb Stunden bewältigen lässt. Der besondere Reiz der 12 km langen Strecke entlang der Flüsse Beinan und Hongshih ist die Kombination von Gebäuden auf der einen und Reis- oder Rapsfeldern auf der anderen Seite des Weges.
Auch die Südspitze Taiwans mit der Halbinsel Hengshun bietet ein landschaftlich reizvolles Umfeld für Freizeitradler. Am Rande der Dapeng-Bucht erlebt man die Austernzucht und kann diese Leckereien aus dem Meer auch gleich an Ort und Stelle verzehren.



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