22. November 2009, Kroatien

Kroatien besitzt größtes UNESCO-Weltkulturerbe in Europa

Auf die UNESCO-Liste des nichtmateriellen Weltkulturerbes wurde neulich auch das Fest des Hl. Blasius, des Patrons von Dubrovnik, aufgenommen, wie auch die Spitze aus Lepoglava, Hvar und Pag, dann die Zweistimmigkeit der engen Intervalle Istriens und des kroatischen Küstenlandes, die Kunst des Holzspielzeugbaus aus Zagorje, die jährliche Prozession der Königin oder „ljelje“ aus Gorjani, Prozession „Za križen“ auf der Insel Hvar und der jährliche Karnevalsumzug der Glockenläuter aus der Gegend von Kastav. Kroatien hat es geschafft, auf der UNESCO-Konferenz in Abu Dhabi auf die Liste des nichtmateriellen Weltkulturerbes sieben seiner Kulturphänomene einzureihen und ist damit zum europäischen Land mit den meisten unter Schutz stehenden Kulturphänomenen geworden. Eine längere Liste haben auf der ganzen Welt nur China, Japan und Korea.

Für die Einreihung auf die UNESCO-Liste wurden über hundert Phänomene gemeldet, wovon 16 aus Kroatien kamen. Dieses Mal haben es nicht auf die Liste geschafft: „bećarac“ – traditioneller instrumental-vokaler Gesang, Gewerbe zur Ausarbeitung von Spenzern (reklja) aus Gradište, der stumme Volkstanz vom Gebirge Dinara, Spinnabend in Lika, traditionelle Sitten zum Georgitag in Turopolje, Honigherstellung in Nordkroatien, Karnevalsumzüge in Međimurje, Vorbereitung des traditionellen Gerichts „soparnik“ und das Ritterspiel Sinjska alka aus Sinj.

Die Tradition des Festes zu Ehren des Hl. Blasius ist mehrere Jahrhunderte alt, genauer 1037 Jahre. Angefangen hat es 972, ein Jahr nachdem dieser Heilige der Legende nach den venezianischen Angriff auf Dubrovnik gerettet hat. Der Hl. Blasius lebte im 4. Jahrhundert und war Bischof von Sebasta in Armenien. Er war ein geachteter Arzt und Wohltäter der Armen und Kranken.

Die Glockenläuter sind die bekanntesten Gestalten der Karnevalsmagie in Kroatien. Die meisten Glockenläuter-Gruppen gibt es in Kastavština. Neben den Glockenläutern Halubaj (Marčelji und Viškovo) gibt es noch einige Gruppen aus Breg, Brgud, Mučići, Mun, Rukavac, Zamet, Zvoneće und Žejan. Die westlichen Glockenläuter haben mehrere kleine Glocken um den Gürtel, ihr Gesicht ist nicht verdeckt und auf dem Kopf tragen sie Hüte mit Grünzeug und bunten Papierblumen (krabujosnica), während die östlichen Glockenläuter große (teriomorphe) Masken und eine große Glocke tragen.

Die mehrere Jahrhunderte alte Prozession „Za križen“ auf der Insel Hvar findet in der Nacht vom Donnerstag auf den Karfreitag statt. In dieser Nacht laufen einige tausend Gläubige der Insel mit ihren Gästen mit dem Kreuz etwa 27 Kilometer. Die Prozessionen gehen am Abend aus allen sechs Pfarreien los, ohne sich auf dem Weg zu begegnen. An der Spitze der Prozession läuft der Kreuzträger in Begleitung zweier Helfer, zwei Begleiter tragen große Kerzenständer, zwei Hauptsänger und mehrere Antworter singen das Wehklagen der Mutter Gottes. Alle Mitglieder der Begleitung tragen weiße Bruderschaftstuniken. Der Pfarrer segnet in der Kirche den Kreuzträger und ermutigt ihn, und die Sänger singen das Wehklagen der Mutter Gottes, dann wird weitergelaufen. Die Entstehung der Prozession verbindet man mit der Entstehung des Kruzifixes „Sveti križić“ (heiliges Kreuzchen), das seit 1510 in der Kathedrale von Hvar aufbewahrt wird. Im Archiv gibt es eine Schrift darüber, wie das Kreuz am 6. Februar 1510 anfing zu bluten, als es im Haus von Nikola Bevilaque während der Unruhen zwischen den Bürgern und Adeligen aufbewahrt wurde. Seit diesem Zeitpunkt wird das Kreuz intensiv gewürdigt und die erste schriftliche Notiz über die Prozession stammt vom 16. Februar 1658.

Die Tradition der engen Intervalle Istriens und des kroatischen Küstenlandes ist während des ganzen 20. Jahrhunderts im Fokus der kroatischen Forscher. Ivan Matetić Ronjgov systematisierte sie in den 20-er Jahren mit dem Begriff der istrischen Leiter, wobei er die vier Grundtypen unterscheidet. In den 80-er Jahren haben aber einzelne Forscher den Begriff der engen Intervalle eingeführt, weil dieser besser die Komplexität der Tonbeziehungen in dieser Tradition andeutet. Man kann durch spezifische Merkmale vier Unterstile in der Tradition der engen Intervalle unterscheiden: „kanat“, „tarankanje“, „bugarenje“ und „diskatno dvoglasje“. Typische Instrumente sind „sopela“ (sopila, roženica), „mih“, „piva“, „dvojnica“, „šurla“ und „cindra“. Und die charakteristischsten Tänze sind „balun“ (Ballon) und Polka.

Der Frühlingsumzug der Königin oder „ljelje“ aus Gorjani in der Nähe von Đakovo findet an Pfingsten statt und wird von bildlichen Volkstrachten begleitet, die von reich ausgestatteten und hohen Mützen auf den Köpfen und Säbeln in den Händen gekennzeichnet sind.

Nachdem sie auf die UNESCO-Liste kam, sollte die Spitze aus Lepoglava, Hvar und Pag auch den verdienten Platz im zukünftigen Ökomuseum der Spitze in Lepoglava bekommen. Das Ideenprojekt dieses Museums wurde vor einem halben Jahr im Europäischen Haus in Zagreb vorgestellt. Das Museum sollte die Geschichte der Spitze aus Lepoglava, Kroatien aber auch Europa vorstellen. Die Idee ist, dass für die Bedürfnisse des Museums ein Gebäude in der Nähe des Pauliner-Klosters in Lepoglava erneuert wird. Drei Stockwerke sollen für die dauernde Ausstellung, die Galerie für zeitweilige Ausstellungen, das Kindermuseum für Spitze, den Workshop für Restaurierung von Spitze und Textil und andere Inhalte umgebaut werden. Das erste Museum der Spitze in Kroatien sollte zur Förderung und Erhaltung der Spitze aus Lepoglava, Hvar und Pag, als einem Phänomen des nichtmateriellen Kulturerbes beitragen. Hinzu kommt, dass die Spitze als europäisches Phänomen vorgestellt wird, das im Raum des heutigen Italiens und Belgiens im 15. Jahrhundert entstanden ist. (KZT)



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