15. Januar 2010, Polen

Feierlichkeiten im polnischen Frauenburg

Gleich zwei runde Geburtstage feiert die Kleinstadt Frombork (Frauenburg) im Nordosten Polens 2010: den 700. Jahrestag der Stadtgründung und das 750-jährige Bestehen des ermländischen Domkapitels. Mitten in die Jubiläumsfeierlichkeiten fällt das neuerliche Begräbnis des weltberühmten Astronomen Nikolaus Kopernikus, der Jahrzehnte lang im Dom von Frauenburg tätig war. Er erhält dort am 22. Mai 2010 seine letzte Ruhestätte.

Nikolaus Kopernikus, der in Polen Mikołaj Kopernik heißt, wurde am 19. Februar 1473 in Toruń (Thorn) geboren und starb am 24. Mai 1543 in Frauenburg. Er war lange Zeit Domherr in Frauenburg und wurde dort auch beigesetzt, seine Grabstätte war aber bis vor Kurzem nicht bekannt. Bei Grabungen im Dom fand man 2005 einen Schädel und Knochen, die Kopernikus zugeordnet wurden. Doch erst drei Jahre später brachten DNA-Untersuchungen Gewissheit. Zum Vergleich dienten Haare, die man in einem Buch des berühmten Gelehrten gefunden hatte. Nun sollen die sterblichen Überreste von Kopernikus am 22. Mai 2010 bei einer feierlichen Zeremonie erneut im Dom beigesetzt werden. Seine letzte Ruhestätte soll er in einem Grabmal aus schwarzem Granit unter einem Altar des Domes finden.

Kopernikus war nach dem frühen Tod seiner Eltern in der Obhut seines Onkels, des ermländischen Fürstbischofs Lukas Watzenrode aufgewachsen. Ihm hatte es Kopernikus zu verdanken, dass er nach seinen Studien in Krakau und Bologna eine Stelle beim Domkapitel in Frauenburg erhielt. Kopernikus selbst bezeichnete den kleinen Ort am Frischen Haff einmal als „hintersten Winkel der Welt“. Hier wirkte er mit kurzen Unterbrechungen fast vier Jahrzehnte lang in der Verwaltung, war nebenbei als Arzt tätig – und widmete sich ausgiebig seinen astronomischen Studien. Erstmals vertrat Kopernikus bereits 1509 in kleinem Kreis seine Theorie, dass sich die Erde um die Sonne dreht und dabei auch um die eigene Achse rotiert. Um Gründlichkeit bemüht und von Zweifeln geplagt, veröffentlichte er erst 34 Jahre später diese für die damalige Zeit revolutionäre Theorie in seinem Hauptwerk „De Revolutionibus Orbium Coelestium“.

Die zweite Beerdigung des berühmten Astronomen fällt in die Zeit des 750-jährigen Jubiläums des Domkapitels. Dieses war 1260 in der Nachbarstadt Braniewo (Braunsberg) gegründet und 1284 nach Frauenburg verlegt worden. Hier entstand von 1329 bis 1388 die Kathedrale auf dem Domhügel, die bis heute das Wahrzeichen der Stadt ist. Das Ermland genoss lange Zeit eine weitgehende politische Autonomie. Der Fürstbischof war dort nicht nur das geistige, sondern auch das weltliche Oberhaupt. Das endete erst, als Preußen nach der ersten polnischen Teilung 1772 das Ermland annektierte. Es war darauf hin nur noch eine Diözese, wurde aber 1992 zum Erzbistum erhoben.

In Frombork feiert man 2010 auch den 700. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte. Die Hauptfeiern vom 28. bis 30. Mai beginnen mit einer Inszenierung des Einzugs von Kopernikus in der Stadt. Sieben Torten zum 700. Geburtstag werden am 8. Juli auf dem Marktplatz den Bewohnern und Gästen präsentiert. Zu den traditionellen Kulturereignissen gehört der Orgelsommer in der Kathedrale vom 27. Juni bis zum 29. August. Immer sonntags um 14 Uhr treten international bekannte Orgelspieler an der für ihren Klang berühmten Domorgel auf. Die zweite Bernstein-Biennale mit der Ausstellung von Schmuckstücken findet vom 3. bis 28. Juli im Kopernikus-Museum auf dem Domhügel statt.

Frombork ist heute eine Kleinstadt mit 2.500 Einwohnern, die durch ihre Lage am Frischen Haff und am Rande des Landschaftsschutzgebietes der Elbinger Höhen einen hohen Freizeitwert besitzt. Schiffe der Weißen Flotte verkehren von hier nach Elbląg (Elbing) oder in den Ferienort Krynica Morska (Kahlberg) auf der Frischen Nehrung. In Frombork selbst gibt es ein nach Kopernikus benanntes Mittelklassehotel. Größte Attraktion des Ortes ist der Domhügel mit der Kathedrale und dem Kopernikus-Museum. Infos über die Stadt unter www.frombork.pl und zum Museum auf dem Domhügel unter www.frombork.art.pl   Allgemeine Auskünfte über Reisen nach Polen erteilt das Polnische Fremdenverkehrsamt in Berlin, www.polen.travel (Polnisches Fremdenverkehrsamt)



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