29. Januar 2010, Italien, Lifestyle, Multimedia

Mussolini-App sorgt in Italien für Diskussionen

Das iPhone kann für sich in Anspruch nehmen, für eine neue Generation und deren pausenlosen Durst nach Informationen zu stehen. Umso irritierender, wenn es nun im EU-Land Italien gerade ein Programm für eben dieses gibt, das den Blick ganz eindeutig zurück richtet. Unter den Mini-Anwendungen (kurz Apps) für Apples erfolgreiches Mobiltelefon, die sich jedermann zur Aufwertung und Individualisierung seines iPhones herunter laden kann, wurde innerhalb weniger Tage eines zum Dauerrenner: „iMussolini“. Es ist derzeit das meist heruntergeladene App Italiens und zeigt Reden und Aufnahmen des faschistischen Staatsführers Mussolini.

Die Anwendung wurde von einem 25-jährigen Entwickler programmiert, der sie nun für 0,75 Cent zum Download bereit stellt. Doch statt Aufklärung über den Diktator und seine Taten zu bieten, liefert sie nur Bilder, Filmausschnitte und Reden des „Duce“, ohne jeglichen historischen Kontext.

Das Interesse der jungen iPhone-Besitzer Italiens an den Zeitdokumenten des Faschisten erregt die Öffentlichkeit. Wollen die Nutzer des Apps gezielt provozieren, ist es Unbedachtsamkeit oder die Gleichgültigkeit der Spaßgesellschaft gegenüber der Geschichte und ihren Opfern, die die junge Generation zum Download treibt? Oder besteht tatsächlich die Gefahr, dass der Faschismus in Italien wieder erstarkt? So oder so, die Entwicklung ist bedenklich, gerade im Hinblick darauf, dass in Italien nie wirklich eine Aufarbeitung dieses Geschichtskapitels statt gefunden hat. (RNO)



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