6. Februar 2010, Ungarn

Fasching in Ungarn: Mit „Buschos“-Masken von Mohács

Nach der besinnlichen Weihnachtszeit und dem Jahreswechsel beginnt auch in Ungarn überall das ausgelassene Faschingstreiben, das die dunklen Wintermonate mit lauten, bunten Festen füllt und das Warten auf den Frühling verkürzt. In vielen Städten und auf dem Lande gibt es uralte Rituale, die eng mit der Tradition des ungarischen Volksbrauchtums verbunden sind. In der tief verschneiten Landschaft erwachen in der nun wieder später einsetzenden Dämmerung geheimnisvolle Gestalten zum Leben, die Vergangenheit holt die Gegenwart ein.

Die „Buschos“ von Mohács etwa sehen furchterregend aus mit ihren zotteligen Tierfellen und nach uralten Mustern geschnitzten Holzmasken. Und kommen mit so viel Getöse daher, dass sie 1687 sogar die Türken nach gut 150-jähriger Herrschaft aus Ungarn vertrieben. So will es zumindest die Legende. Das Ritual des Buschomaskenaufzugs hat sich in Mohács über die Jahrhunderte erhalten. Längst ist aus dem volkstümlichen Mummenschanz eine touristische Attraktion geworden, seit November 2009 sogar immaterielles UNESCO Weltkulturerbe.

Das sechstägige Faschingsfest (2010 vom 11. bis 16. Februar), wohl das größte Ungarns, lockt inzwischen rund Zehntausende in die südlichste Stadt des Landes am rechten Donauufer, nahe der kroatischen Grenze. Die Buschos sammeln sich zunächst auf der kleinen Mohács-Insel. Hintergrund: Im Rohrdickicht des Sumpfgebietes der Donau hatten die Einwohner der Stadt nach der Niederlage gegen die Türken 1526 Zuflucht gefunden. Wie damals setzen sie mit Booten über ans Festland. Weiter geht es zu Fuß, auf Pferden und Wagen. Auf ihre hölzernen Waffen spießen sie heutzutage allerdings lediglich die von den Frauen gebackenen Faschingskrapfen. Kinder, die als „Jankele“ verkleidet ihrerseits Schabernack treiben, begleiten sie lärmend. Wenn die Nacht anbricht, wird auf dem Marktplatz ein großes Feuer entfacht und am Faschingsdienstag schließlich der Winter in Form einer Strohpuppe verbrannt und „beerdigt“ wird. Die anschließende Begrüßung des Frühlings ist gleichzeitig das Ende der „Buschos“ für dieses Jahr.

Doch auch außerhalb der „fünften Jahreszeit“ ist Mohács, das auf eine über 900-jährige Vergangenheit zurückblickt, sehenswert. Den kunstvollen Fassaden der alten Handelshäuser ist anzusehen, dass sich hier dereinst dank der Donaudampfschifffahrt eine Handelsstadt entwickelte. Die günstige geografische Lage, das angenehme Klima und die fruchtbaren Böden hatten schon immer Menschen angezogen. Und der ethnischen Vielfalt der Bewohner verdankt die Stadt ihren Reichtum an Volksbräuchen und lebendiger Handwerkskunst. Ein typisches Souvenir ist etwa die Mohácser Schwarzkeramik, die nach dem Trocknen in unterirdischen „Krateröfen“ mit stark qualmendem Holz gebrannt wird.

Das ausführliche Festivalprogramm ist zwar auf www.mohacs.hu schon hochgeladen, aber leider nur auf Ungarisch. Einige deutschsprachige Informationen zu Mohács gibt es auch auf www.ungarn-tourismus.de/ungarn-regionen.html. (ungarn tourismus)



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