09.02.2010 | Krakau (Kraków)
Unterirdische Pilgerroute in polnischen Salzbergwerk
In Polen gibt es seit Kurzem die vermutlich erste unterirdische Pilgerroute der Welt. Sie wurde im mehr als 700 Jahre alten Salzbergwerk Wieliczka im Süden von Kraków (Krakau) eingerichtet und durch den Krakauer Kardinal Stanisław Dziwisz eingeweiht. Das Salzbergwerk gehört zum Welterbe der UNESCO und wird jedes Jahr von rund einer Million in- und ausländischer Touristen besucht.
Die Arbeit unter Tage war schon immer mit Gefahren für die Bergleute verbunden, deswegen bauten sie dort Kapellen und verehrten ihre Schutzpatrone. Mit einem „Grüß Gott“ fuhren sie in die Tiefe und mit einem „Grüß Gott“ verabschiedeten sie sich nach dem Arbeitstag von der unterirdischen Welt. In der Mine von Wieliczka schufen die Bergleute im Laufe der Jahrhundert mehrere prachtvolle Kapellen und Altäre aus dem Salz.
Die größte und schönste Kapelle des unterirdischen Reiches ist der Schutzpatronin der Grube, der Heiligen Kinga (Kunigunde), gewidmet. Sie liegt in 101 m Tiefe und ist eine der wichtigsten Stationen des neuen Pilgerwegs. Sie wurde schon Ende des 19. Jahrhunderts für Gottesdienste genutzt und noch bis in die 1960er Jahre von den Bergleuten weiter ausgeschmückt. Eine ebenfalls aus Salz geformte Figur am Hauptaltar stellt die Heilige Kinga dar. Die jüngste Skulptur wurde erst kürzlich aus dem Salz von Wieliczka gefertigt und zeigt den verstorbenen Papst Johannes Paul II.
Der Rundgang beginnt in der ältesten vollständig erhaltenen Kapelle unter der Erde. Sie ist dem Hl. Anton gewidmet und stammt bereits aus dem 17. Jahrhundert. Die Heiligkreuz-Kapelle wurde im 19. Jahrhundert zum Dank für die Rettung der Mine nach einem katastrophalen Wassereinbruch gestiftet. In der Russeger-Kammer informiert eine Ausstellung des Krakauer Salz-Museums unter dem Titel „Das Heilige im Salzerbe“ über die religiösen Traditionen der Bergleute. Den Abschluss der Pilgerroute bildet ein Besuch der wunderschön bemalten Kapelle des Hl. Johannes, wo die Möglichkeit besteht, 135 Meter unter der Erde an einer Heiligen Messe teilzunehmen.
Der neuen Pilgerroute soll schon bald eine weitere thematische Route durch das Salzreich folgen. Ab 2011 wird der aus dem 14. Jahrhundert stammende Regis-Schacht unter dem Namen „Neue Abenteuerwege – geotouristische Route“ für den Publikumsverkehr geöffnet. Das kündigte der Präsident der Gesellschaft, Kajetan d’Obyrn, an. Besucher können dann direkt im Stadtzentrum von Wieliczka, am Rynek Solny (Salzmarkt), in die faszinierende Unterwelt abtauchen und erleben, wie die Salzgewinnung im Mittelalter funktionierte.
Im Laufe des Jahres 2010 sollen darüber hinaus weitere Salzkammern nach erfolgter Restaurierung wieder für Besucher freigegeben werden, darunter die Michałowice-Kammer, die mit einer Höhe von 35 m zu den spektakulärsten Attraktionen Wieliczkas zählt. Bereits im vergangenen Jahr wurden wichtige Investitionen getätigt. So wurden ehemalige Industriebauten rund um den Haupteingang des Bergwerkes erneuert. Der hier neu entstandene Kinga-Park lädt seitdem die Besucher zum Verweilen ein.
Wie in ganz Polen, so feiert man 2010 auch in Wieliczka den berühmtesten Komponisten des Landes. Fryderyk Chopin besuchte das Salzbergwerk im Jahre 1829. Ihm zu Ehren werden unter der Erde ein Konzertzyklus sowie mehrere Ausstellungen stattfinden.
Die Grube in Wieliczka ist bereits seit 1280 in Betrieb. Seit 1993 wird dort kein Salz mehr abgebaut, allerdings stellt man weiter Sudsalz aus dem Wasser her, das aus den Stollen abgepumpt wird. Vor allem ist Wieliczka heute aber eine der größten touristischen Attraktionen des Landes. In einem 130 m tiefen Stollen werden außerdem Kuren gegen Atemwegserkrankungen angeboten. Seit Neuestem können Kurgäste auch über der Erde, in der historischen Salzmühle im Kinga-Park, Heilanwendungen nutzen. (Polnisches Fremdenverkehrsamt)
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