8. März 2010, Niedersachsen

Initiative frauenORTE Niedersachsen

Mit der landesweiten Initiative frauenORTE Niedersachsen will der Landesfrauenrat Leben und Wirken historischer Frauenpersönlichkeiten einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen und Frauengeschichte und Frauenkultur fest im Spektrum kulturtouristischer Angebote verankern. Im Frühjahr 2008 würdigte der Landesfrauenrat gemeinsam mit seinen Kooperationspartnerinnen, dem Kreisfrauenrat sowie den Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises und der Stadt Verden, und mit über 100 interessierten Gästen Anita Augspurg als erste Frau der Reihe im Deutschen Pferdemuseum in Verden.

Anita Augspurg, mutige und streitbare Frauenrechtlerin, Juristin und Pazifistin wurde 1857 in der Grünen Straße in Verden geboren. Mit 21 Jahren zog es die Tochter eines Juristen nach Berlin, später nach München, wo sie das Foto-Atelier „Elvira“ eröffnete und ihr politisches Engagement begann, und schließlich weiter nach Zürich, wo sie Jura studierte. 1897 erlangte sie als erste Frau in Deutschland den juristischen Doktortitel. Mit ihrem kämpferischen Einsatz für Frauenrechte trug Augspurg dazu bei, dass den Frauen in Deutschland 1918 das Wahlrecht zugesprochen wurde. Sie starb 1943 in Zürich.

Mit der Initiative frauenORTE Niedersachsen und damit gekoppelten unterschiedlichen Aktionen will der Landesfrauenrat gezielt auf das besondere Potential der Frauengeschichte für die Darstellung regionaler und lokaler kulturtouristischer Besonderheiten hinweisen und entsprechende Angebote im Einklang mit dem Wirken oder den Werken der jeweiligen Frauenpersönlichkeit entwickeln. So war z. B. Überraschungsgast der Auftaktveranstaltung Anita Augspurg selbst. Im historischen Kostüm und dargestellt von der Schauspielerin Birgit Scheibe nahm sie die besondere Ehrung entgegen und richtete einige persönliche Worte an das begeisterte Publikum: „Total verrückt. Das ist es, was sie über mich sagen. Mich aber schreckt dieses Urteil nicht. Es ist immer wieder wichtig, über die Zeit hinaus zu schauen. Dann werdet ihr merken, dass das, was „ver“rückt erschien, an der richtigen Stelle landet.“

Besonderes Augenmerk richtet der Landesfrauenrat darauf, die frauenORTE Niedersachsen mit bestehenden Initiativen und touristischen Angeboten zu vernetzen. So können über die Touristen-Information Verden ein besonderer Stadtrundgang zu Anita Augspurg mit Verdens Stadtführerin Ursula Schramm sowie ein Tages-Angebot „Ein Tag mit Anita Augspurg“ mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Rosemarie Guhl, als Kooperationspartnerin gebucht werden. Zur individuellen Erkundung ist dort auch ein informatives Faltblatt „Anita Augspurg. Spuren in Verden“ erhältlich, das die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Verden, Christine Borchers, herausgegeben hat. Als weiteres kulturtouristisches „Highlight“ zur Förderung der Nachhaltigkeit der Erinnerung an Anita Augspurg initiierte sie das Theaterstück „Mach´ das Buch zu – heirate mich. Anita Augspurg – ein Lebensmonolog“, an dem die Schauspielerin Birgit Scheibe Texte der Biografin Dr. Christiane Henke in Szene setzt und das von der Stiftung Stiftung Niedersachsen gefördert wird.

Die nachhaltige Erinnerungskultur fördert der Landesfrauenrat insbesondere mit Ansichtskarten mit den Porträts der im Rahmen der frauenORTE Niedersachsen gewürdigten Frauen. Nach Anita Augspurg wurde im Herbst 2009 die Tänzerin, Choreographin und Tanzpädagogin Mary Wigman (1886 – 1973) als zweiter frauenORT ausgerufen. Die gebürtige Hannoveranerin startete 1919 mit fast 33 Jahren die erste ihrer großen Tanz-Tourneen. Aus eigener Kraft überwand sie die verkrustete Gesellschaft des ausgehenden Kaiserreiches, kreierte den Ausdruckstanz als Gegenpol zum bis dato dominanten klassischen Ballett und führte ihn zu weltweiter Anerkennung.

Kulturtourismus ist im Kommen und auch die Idee der FrauenORTE ist im Vorfeld eines großen kulturtouristischen Events, der Expo 2000, entwickelt worden. In Sachsen-Anhalt hat Dr. Elke Stolze mit dem Projekt „FrauenOrte – Frauengeschichte in Sachsen-Anhalt“ bis heute ein Netzwerk von über 50 FrauenOrten aufgebaut. Auch das Land Brandenburg geht 2010 mit eigenen FrauenOrten an den Start.

In Niedersachsen werden 2010 acht neue frauenORTE folgen, so u. a. in Celle. Im Residenzmuseum im Celler Schloss wird Eléonore d´Olbreuse (1639-1722), die letzte Herzogin von Braunschweig und Lüneburg, am 12. April 2010 gewürdigt. Sie ist besonders als Kirchengründerin und Wohltäterin für ihre verfolgten hugenottischen Landsleute aus Frankreich hervorgetreten. In Celle ist geplant, mit dem Eleonorentag am 12. April jeden Jahres an ihren Einfluss auf die Hofkultur sowie die Stadt- und Residenzgeschichte zu erinnern.
Für die frauenORTE Niedersachsen freut sich der Landesfrauenrat Niedersachsen auf weitere Vorschläge von Kooperationspartnerinnen und -partnern vor Ort. (TM Niedersachsen)



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