25. März 2010, Nordrhein-Westfalen

Jakobswege in Nordrhein-Westfalen

Immer dann, wenn der Geburtstag des Heiligen Jakobus am 25. Juli auf einen Sonntag fällt, wird das Heilige Jahr begangen. In diesem Jahr ist es wieder so weit: 2010 ist ein solches Gnadenjahr, wie es auch genannt wird, in dem gläubige Katholiken einen Generalablass zeitlicher Sündenstrafen erwerben können. Schon am Silvestertag 2009 wurde die Heilige Pforte an der Ostseite in der Kathedrale des spanischen Santiago de Compostela geöffnet, die sonst geschlossen ist. Die Kathedrale, Grabstätte des Heiligen Jakobus, ist das Ziel der meisten Jakobspilger. Da es das nächste Heilige Jahr erst wieder 2021 geben wird, werden in diesem Jahr besonders viele Pilger auf dem Jakobsweg erwartet. Alleine Santiago de Compostela rechnet mit 240.000 Pilgern – 100.000 mehr als 2009.

Gleich mehrere Strecken auf dem Weg zum Grab des Apostels führen durch Nordrhein-Westfalen. Ganz frisch hinzugekommen ist ein zweiter durchgehender Jakobsweg in Westfalen. Am 24. März 2010 wurde der Weg in Soest feierlich eröffnet. Die Trasse des alten Hellwegs von Höxter nach Bochum – vom Startpunkt Kloster Corvey über Brakel, Bad Driburg, Paderborn, Salzkotten, Geseke, Erwitte, Soest, Werl, Unna und Dortmund – ist mit der Jakobsmuschel ausgeschildert worden. Der neue Pilgerweg ist weitgehend an historisch belegte Wegführungen angelehnt. So wurden Hohlwege gefunden, die sich einst durch die schweren Fuhrwerke ins Gelände eingegraben hatten.

Bereits 2008 wurde eine rund 200 Kilometer lange Trasse mit der Jakobsmuschel ausgeschildert, die nach historischem Vorbild einer alten Fernhandelsstraße von Osnabrück über Münster und Dortmund bis nach Wuppertal folgt. Zwei weitere Strecken in Westfalen sind in der Planung. Ab 2011/12 soll ein Weg von Minden über Herford und Bielefeld nach Lippstadt führen und ab 2013/14 sollen Jakobspilger auch von Warendorf über Münster und Coesfeld an den Niederrhein wandern können (www.lwl.org).

Nochmal kurz zurück zur Jakobsmuschel: Auch wenn das über Jahrhunderte hinweg typische Outfit der Jakobspilger – ein breitkrämpiger Hut, Pilgerstab, ein Schultermäntelchen mit langem Kragen und eine Pilgerflasche – längst der Outdoor-High-Tech-Ausrüstung gewichen ist: Das Erkennungszeichen der Pilger, die Jakobsmuschel, ist geblieben. Auf den inzwischen fünf rheinischen Routen sieht man ebenfalls immer wieder Wanderer, die die Muschel sichtbar an Kleidung oder Rucksack tragen. Der jüngste Jakobsweg durch das Rheinland, den der Landschaftsverband Rheinland mit der Deutschen Jakobsgesellschaft ausgearbeitet hat, wurde 2009 eröffnet: Er führt über 230 Kilometer vom niederländischen Nimwegen über Kleve und Xanten nach Köln oder Bonn. Die 2.000 Jahre alte Route entwickelte sich im Mittelalter von einer alten Römerstraße in einen wichtigen Handelsweg, der das Rheinland mit der Nordsee verband.

2-Land bietet Wanderern auf diesem Weg am 18. und 19. September ein spezielles Reisearrangement an: Im Rahmen der „Muziek Biennale“ erwartet Kurzurlauber auf der rund 30 Kilometer langen Wanderung in der Flussniederung des Rheindeltas nicht nur Gotteslohn, sondern auch klangvolle Inspiration: Entlang des Weges begegnen die Wanderer wiederholt einem Blockflötenquartett – und mehrfach pausieren sie zu Orgelmusik in den Kirchen und Kapellen am Wegesrand. Höhepunkt ist ein Pilgerkonzert in Kranenburg mit geistlichen Werken von der Renaissance bis zur Moderne. Eine Übernachtung mit Frühstück, die geistliche und kunsthistorische Leitung, die musikalische Wegbegleitung, ein Abendessen, die Konzertbesuche und ein Gepäcktransport kosten 129 Euro pro Person im Doppelzimmer (www.2-land-reisen.de).

Weitere Strecken im Rheinland führen von Wuppertal über Köln nach Aachen und Belgien, von Köln und Bonn über Trier nach Perl/Schengen, vom Niederrhein und Aachen über Maastricht nach Belgien und von Marburg über Siegen nach Köln (www.jakobspilger.lvr.de). Zu allen Jakobswegen in Nordrhein-Westfalen hat der J.P. Bachem Verlag Wanderführer herausgegeben (www.bachem.de). (nrw-tn)



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