3. April 2010, Aquitaine

Die Wandmalereien in der Grotte von Lascaux

Am 12. September 1940 machten vier kleine Jungen aus dem Dorf Montignac im französischen Südwesten einen sensationellen Fund: eine unterirdische Höhle, deren realistische Wandmalereien sich rasch als prähistorisches Wunder der Menschheitsgeschichte herausstellten: Lascaux. 70 Jahre nach ihrer Entdeckung präsentiert sich der Besucherbereich der Grotte frisch restauriert, und im nahegelegenen Museum für prähistorische Kunst eröffnet eine neue Dauerausstellung.

Unglaubliche 17.000 Jahre alt sollen sie sein, die eindrucksvollen Zeichnungen von Pferden, Auerochsen, Bisons, Hirschen und weiteren Tieren, die unsere frühzeitlichen Vorfahren, die Cro- Magnon-Menschen, uns hinterlassen haben. Das einzige Abbild einer, wenn auch stark schematisierten, menschlichen Figur befindet sich in dem als Brunnen bezeichneten Abschnitt der Grotte.

Die Malereien zeugen nicht nur vom außerordentlichen künstlerischen Talent der Menschen aus der Zeit des sogenannten Magdalénien, sondern auch von ihrem fundierten Wissen über ihre Umwelt. Die unterirdische Farbenpracht scheint sich über die lange Zeit kaum verändert zu haben. Der oder die Künstler verwendeten vier verschiedene mineralische Farben (rot, gelb, schwarz und weiß), die sowohl aus der Umgebung der Höhle als auch aus dem Gestein der Höhe selbst stammen. Angesichts der schöpferischen Pracht wird die Höhle von Lascaux auch als „Sixtinische Kapelle der Frühgeschichte“ bezeichnet. Bereits seit 1979 sind die Grotte sowie weitere prähistorische Fundstätten im Tal der Vézère als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet.

Im Jahr 1963 musste Lascaux aufgrund von kohlendioxidbedingter Zerstörung der Malereien für den Publikumsverkehr geschlossen werden. Aufwändige Restaurierungsarbeiten waren vonnöten. Seit 1983 existiert nur 50 Meter vom Original entfernt eine exakte Nachbildung der Grotte, die für Besucher geöffnet ist: Lascaux II.

Drei der vier Entdecker von Lascaux sind noch heute am Leben: Marcel Ravidat, Georges Agniel und Simon Coencas. Der Vierte im Bunde war Jacques Marsal.

Ein Welterbe – zwei Sehenswürdigkeiten

Wiedereröffnung von Lascaux II nach Renovierungsarbeiten
Pünktlich zur 70-Jahr-Feier erstrahlt die Höhle in neuem Glanz. In der langen Winterpause gönnte sich Lascaux II ein ausgedehntes Lifting. Die Künstlerin Monique Peytral, die schon damals an der Reproduktion der Wandmalereien mitgearbeitet hat, begab sich erneut in die Grotte, um mit den gleichen Werkzeugen und Farben wie die Menschen aus dem Cro-Magnon dem Relief der Höhle neues Leben einzuhauchen. Seit dem 1. März 2010 stehen die frisch restaurierten Bereiche von Lascaux II wieder für Besucher offen.

Neue Dauerausstellung im Museum für prähistorische Kunst
„Lascaux révélé“ (etwa „Lascaux ans Licht gebracht“) heißt die neue Dauerausstellung im Museum für prähistorische Kunst, Le Thôt, in Thonac. Warum dieser Name? Ganz einfach, weil man hier sogar jene Reproduktionen aus der Original-Höhle bestaunen kann, die in Lascaux II nicht nachgebildet wurden:
• Das Höhlengewölbe (Nef) mit vier bemalten und gravierten Ensembles
• Der sogenannte Brunnen, wo sich die einzige menschliche Darstellung der gesamten Grotte befindet

Die Teilbereiche der Ausstellung „Lascaux révélé“ sind genau wie die Kunstwerke in der echten Höhle angeordnet. Der Besucher wird zuerst in das bemalte Gewölbe der Grotte geführt. Dann gelangt er in den musealen Teil von Le Thôt, wo ein Film über die Entstehung der Reproduktionen der schwarzen Kuh, der Bisons und der menschlichen Figur gezeigt wird. Die Projektion des Films findet auf einer Leinwand statt, die das Relief der Grottenwand realistisch abbildet.
Darüber hinaus informiert das Museum über die Lebensweise des frühzeitlichen Cro-Magnon-Menschen. Wie lebte er? Wie war das Klima zu jener Zeit? Wo lebte er? Wie jagte er? Und was aß er? Längst gibt es nicht auf jede Frage eine Antwort…

Zum Museum gehört auch ein fünf Hektar großer Park, in dem Tarpan- und Przewalski-Pferde, Hirsche und Auerochsen in Freiheit leben. Hierbei handelt es sich zum Großteil um Tierarten, die auch an den Höhlenwänden von Lascaux dargestellt sind.

Eintritt:
Kombiticket Lascaux II und Le Thôt (inklusive kommentierter Führung durch Lascaux): 12,50€ für Erwachsene, 8,50€ für Kinder (6-12 Jahre).
Öffnungszeiten:
November-März: 10.00 Uhr – 12.00 Uhr, 14.00 Uhr – 17.30 Uhr (montags geschlossen)
April-Ende Oktober: Le Thôt: 10.00 Uhr – 18.00 Uhr (täglich), Lascaux II: 10.00 Uhr – 12.00 Uhr, 14.00 Uhr – 18.00 Uhr

Weitere Informationen:
Sémitour Périgord
www.semitour.com
contact@semitour.com (Atout France)



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