Tam Airlines probt Flüge mit Bio-Kerosin

Die brasilianische Airline Tam plant für die zweite Jahreshälfte einen nicht kommerziellen Testflug mit einer Mischung aus Kerosin und einem Biokraftstoff, dessen Grundlage die in Brasilien beheimatete Jatropapflanze ist. Zum Einsatz kommt für den Flug ein Airbus A320 aus der Tam-Flotte, der mit CFM56-5B Triebwerken ausgestattet ist. Hersteller dieser Turbinen ist das Unternehmen CFM International, das zu gleichen Teilen dem amerikanischen Unternehmen GE (General Electric) und der französischen Snecma (Mitglied der Safran Gruppe) gehört.

Libano Barroso, CEO von Tam, unterstreicht das soziale Engagement und die Nachhaltigkeit des unternehmerischen Handelns der Fluggesellschaft, die in dieser Initiative zum Ausdruck kommen: „Wir haben alles daran gesetzt, brasilianische Rohstoffe zur Herstellung des Biotreibstoffs zu verwenden, was sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile mit sich bringt. Die Quelle dieses neuen Bio-Kerosins kommt zu 100 Prozent aus unserem Land – dank familiär organisierter Landwirtschaftsprojekte und großer Farmen im Hinterland von Brasilien, die sich alle der Pionierarbeit verschrieben haben, Jatropa anzubauen.“

Tam hat die Verfügbarkeit des Bio-Kerosins für den Demoflug bereits sichergestellt: Über die Brasilianische Vereinigung der Jatropahersteller (ABPPM) hat die Fluggesellschaft Saatgut aus dem Norden, Südosten und dem zentralen Westen des Landes erworben. Dieses wurde zu teilraffiniertem Öl verarbeitet und dann in die USA exportiert, wo UOP LLC, ein Unternehmen der Honeywell-Gruppe, das Jatropa-Öl zu Bio-Kerosin weiterverarbeitete und im Verhältnis von 1:1 mit herkömmlichem Luftfahrtkerosin mischte.

Der Tam-Testflug wird der erste seiner Art in ganz Lateinamerika sein, bei dem diese innovative Kombination aus Flugzeugtyp, Triebwerken und Bio-Kerosin aus der Jatropapflanze zum Einsatz kommt. Die Durchführung des Demofluges ist in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Luftfahrtbehörden geplant.
José Maluf, Chef-Einkäufer der Tam, erklärt dazu: „Dank der sehr guten Zusammenarbeit mit CFM International und Airbus werden wir diesen Testflug mit einem Airbus A320 aus unserer Flotte durchführen, der normalerweise auf unserem nationalen und internationalen Streckennetz in Südamerika im Einsatz ist.“

Tam überwacht seinen Beitrag an der Entwicklung der Produktionskette dieses Biomasse-Kraftstoffes ständig, um eine brasilianische Bio-Kraftstoff-Plattform zu schaffen, die nachhaltigen Bestand hat.

Die Pflanze, aus der der Kraftstoff gewonnen wird, ist unter dem wissenschaftlichen Namen „Jatropha Curcas L.“ bekannt und hat keinen Einfluss auf die Nahrungskette, da er sich weder für Mensch noch für Tiere zum Verzehr eignet.

Gemeinsam mit ABPPM plant Tam weitere Forschungen zum Anbau der Jatropapflanze für kommerzielle Zwecke im Hinblick auf die Weiterverarbeitung zu Bio-Kerosin. ABPPM hat herausgefunden, dass aktuell 60.000 Hektar Land in Brasilien mit Jatropa bepflanzt sind. Wenn man die natürlichen Ressourcen und die klimatischen Voraussetzungen berücksichtigt, kann ein Großteil des aktuell brach liegenden Ackergrundes mit dieser Pflanze kultiviert werden. Um eine wirtschaftliche Nutzung zu erreichen, müssten Schätzungen zufolge ungefähr eine Million Hektar Anbaufläche genutzt werden, die dann rund 20 Prozent des nationalen Bedarfs decken würden.

„Airbus erforscht alle Arten alternativer Kraftstoffe, denn wir glauben, es gibt unterschiedliche Lösungen für die verschiedenen Orte dieser Welt. Jede dieser Lösungen sollte wirtschaftlich praktikabel sowie nachhaltig sein und keinen negativen Einfluss auf Menschen, Land, Nahrung oder Wasservorräte haben. Und sie sollte lokale Arbeitsplätze für Einheimische schaffen. Das nennen wir Wertschöpfungskette, und diese Initiative von Tam mit Airbus ist ein weiterer Schritt in diese Richtung“, sagt Paul Nash, Leiter Neue Energien bei Airbus.
Untersuchungen der Michigan Technological University mit Honeywell UOP haben ergeben, dass Bio-Kerosin, das mittels des UOP Green Fuel Prozesses aus der Jatropapflanze gewonnen wurde, den Ausstoß von Treibhausgasen um 65 bis 80 Prozent reduziert (abhängig vom Petroleumgehalt im herkömmlichen Kerosin).

Ein verantwortungsvoller Anbau der Jatropapflanze erhöht auch den sozialen und ökonomischen Wert für die Gemeinden, da dieser nicht in Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion oder Trinkwassergewinnung steht. Voraussetzung ist, dass die Prinzipien der SAFUG (Sustainable Aviation Fuel Users Group) eingehalten werden, der die Tam seit vergangenem November angehört. SAFUG vereint große internationale Fluggesellschaften, deren gemeinsames Ziel es ist, Entwicklung und Vertrieb neuer nachhaltiger Kraftstoffe für die Luftfahrtindustrie voranzutreiben.

Mit dem aktuellen Projekt geht Tam aber noch einen Schritt weiter als die Erfüllung der SAFUG-Anforderungen: Die Fluggesellschaft hält sich außerdem an die Mindestkriterien der international sowohl technisch als auch wissenschaftlich anerkannten Organisation RSB (Roundtable on Sustainable Biofuels). Diese konzentriert sich auf die besten Herstellungsverfahren und die Verwendung sowie den Transport von Biokraftstoffen unter der Berücksichtigung der sozialen, umwelttechnischen und ökonomischen Aspekte im Transportwesen. (Tam Airlines)



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