5. Juni 2010, Brandenburg

Olympisches Dorf von 1936 für Besucher geöffnet

Das in Elstal am westlichen Berliner Stadtrand befindliche ehemalige Sportlerdorf der Olympischen Sommerspiele 1936 kann wieder auf eigene Faust oder bei geführten Rundgängen erkundet werden. Bis zum 31. Oktober stehen die historischen Gebäude und Sportanlagen auf dem 540 000 Quadratmeter großen Areal unweit der Bundessstraße 5 für Neugierige offen. Täglich um 11 Uhr und an Wochenenden zusätzlich um 14 Uhr werden vom Eigentümer, der Stiftung für gesellschaftliches Engagement der DKB (Deutsche Kreditbank), Führungen angeboten. Auf dem Programm stehen Abstecher in die Turnhalle, das Speisehaus der Nationen, die Bastion, das Hindenburg-Haus sowie das Jesse-Owens-Haus.

Dem erfolgreichsten Teilnehmer der Spiele in Berlin, Jesse Owens, ist in diesem Jahr eine eigene Fotoausstellung gewidmet. Die in Zusammenarbeit mit dem Sportmuseum Berlin entstandene Schau zeigt einzigartige Zeitdokumente über den US-Athleten, der bei den Wettkämpfen im nahe gelegenen Olympiastadion gleich vier Goldmedaillen gewann. Die Ausstellung gibt nicht nur einen Einblick in die Biografie der Sportlegende Jesse Owens, der sich 1935 noch für einen Boykott der Wettkämpfe in Berlin ausgesprochen hatte. Sie dokumentiert auch die Versuche des NS-Regimes, die Spiele im eigenen Land für die eigenen Ziele propagandistisch zu missbrauchen.

Wie sich später herausstellte, hatte die Gestapo im Olympischen Dorf 74 Briefe beschlagnahmt. Einer davon war an Owens adressiert. Darin fordert man ihn auf, die Annahme der Medaillen aus Protest gegen die Rassenverfolgung in Deutschland zu verweigern. Nach dem Kriegsende weilte Owens noch dreimal in Deutschland. Hier besuchte er Kai Long, den Sohn seines 1943 verstorbenen Freundes Luz Long. 1984 wurde die Stadionallee am Berliner Olympiastadion in Jesse-Owens-Allee umbenannt.

Im Olympischen Dorf erinnert bereits eine originalgetreue restaurierte Sportlerunterkunft an Jesse Owens. Gleich gegenüber steht die alte Schwimmhalle, in der ein Teil der rund 4 000 männlichen Teilnehmer trainiert hatte. Nach dem Abzug der russischen Truppen 1992, die das Gebiet nach Kriegsende beansprucht hatten, erlitt die Halle bei einer Brandstiftung schwere Schäden. Die DKB-Stiftung steckt 700 000 Euro in die Restaurierung. Von Bund und Land kommen weitere 1,5 Millionen Euro dazu.

Das ehemalige Olympische Dorf ist werktags von 10 bis 16 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 1 Euro, Führungen kosten zusätzlich 4 Euro pro Person. Die Zufahrt von der Bundesstraße 5 ist ausgeschildert. www.olympisches-dorf.de. (TM Brandenburg GmbH)



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