20. Juni 2010, Asturien, Reisereportagen

Casonas, die kolonialen Häuser der Rückkehrer in Asturien

Laut der Königlichen Spanischen Akademie für Sprache bezieht sich das Adjektiv „indiano“ – „indianisch“ auf eine Person, die reich aus Amerika zurückgekehrt ist. Tatsächlich mussten viele Spanier während des neunzehnten Jahrhunderts und der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in die ehemaligen spanischen und portugiesischen Kolonien, vor allem nach Argentinien, Brasilien, Kuba, Puerto Rico, Mexiko, Uruguay und Venezuela, emigrieren. Die sogenannten „Indianer“, die mehrheitlich aus den Balearen, Katalonien, Galicien, Kantabrien und Asturien stammten, wanderten aus, um eine bessere Zukunft und Arbeit zu finden. Sie ließen Armut, Hungersnöte, politische und soziale Erschütterungen, unzureichende Lebensperspektiven hinter sich zurück und träumten davon, ein Vermögen zu machen. Diejenigen, die reich nach Spanien zurückkehrten, nachdem sie in Amerika hart gearbeitet hatten, bauten sich ein prachtvolles Haus. An ihre Sehnsucht nach dem Land, in das sie auswandern mussten, erinnern wundervolle Gärten, in die sie Palmen, Araukarien, Magnolien, Rhododendren und Kamelien pflanzten. Mit den exotischen Bäumen und den prächtigen Villen bewiesen die Heimkehrer ihren gesellschaftlichen Aufstieg und dass sie in Amerika zu viel Geld gelangt waren.

Die „casonas“ genannten Häuser der Rückkehrer zeichnen sich durch großartige Fassaden, Aussichtstürme, hohe Decken, Galerien, Balkone und beeindruckende Treppenaufgänge aus. Die mit feinen Holzarbeiten verzierten Innenräume wurden verschwenderisch mit Porzellan, Möbeln, Uhren, Skulpturen, Tapeten und Stoffen ausgestattet, die nach der Mode der Zeit aus den besten Dekorationsgeschäften von Paris und Barcelona stammten.

Die „indianos“ von damals haben eine fantastische Ansammlung von kleinen Palästen und Herrenhäusern im Stil des Eklektizismus, Modernismus und Historismus hinterlassen. Viele der neuen Reichen haben jedoch nie ihre bescheidenen Anfänge vergessen. Nach ihrer Rückkehr aus Amerika spielten sie im Spanien der damaligen Zeit eine wichtige soziale Rolle, bauten Schulen, Rathäuser, öffentliche Badeanstalten, Straßen, Krankenhäuser und Heime.

Die „casonas indianas“ sind entlang der gesamten Atlantikküste, in Katalonien, den Balearen und anderen Teilen Spaniens zu finden. Um einen ersten Eindruck von der Pracht der „indianischen Häuser“ zu gewinnen, eignet sich besonders gut eine Reise durch die Gegend von Llanes im Osten des Fürstentums von Asturien. Dort sind herausragende Beispiele dieser besonderen Architekturform zu finden, wie etwa die Casona de Verines und die Paläste von Santa Engracia und Mendoza Cortina in La Borbolla und Pendueles, die Schulen von Vidiago, die Kapelle und die Kegelbahn von La Pereda, die Schule von La Arquera, die Paläste, Kirchen, der Friedhof und das Kasino von Poo oder die Herrenhäuser an der Calle Concepcion von Llanes selbst. Auch in Porrua, Balmori, Posada, Naves und Nuva de Lanes lassen sich „indianische“ Spuren entdecken.

In der Stadt Colombres, die auch im östlichen Teil von Asturien liegt, befindet sich das „Museo de Indianos“. Das für den Indianos-Stil charakteristische Museum, das sich dem Phänomen der spanischen Emigration nach Amerika widmet, wurde von Inigo Noriega gebaut, einem Emigranten aus Mexiko (www.archivodeindianos.es). (Tourspain)



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen





Das könnte Sie auch interessieren:

Weitere Beiträge zum Thema: