21. Juni 2010, Düsseldorf

Der Radschläger als Düsseldorfer Wahrzeichen

„Eene Penning für nen Düsseldorfer Radschläger“, so bettelten die Düsseldorfer Kinder in den Anfangszeiten des Radschlägertums. Das Radschlagen, der schwungvolle Salto seitwärts mit dem Abrollen über Hände und Füße, ist als artistische Übung sicherlich international bekannt, wird als Symbol des Brauchtums aber nur in Düsseldorf gepflegt. Der Radschläger, ob als Brunnenfigur in Bronze, als Souvenir in jeglicher Form oder als Turnfigur beim traditionellen Radschlägerturnier, ist ein echtes Düsseldorfer Wahrzeichen.

Die Entstehung des Brauchs lässt sich nicht an einem einzigen historischen Ereignis festmachen, vielmehr ranken sich mehrere Geschichten um die Tradition des Radschlagens in der NRW-Landeshauptstadt. Die wohl bekannteste Version ist die Schlacht bei Worringen im Jahr 1288. Graf Adolf von Berg hatte in diesem Gefecht die Truppen des Kölner Erzbischofs vernichtend geschlagen. Als Dank für die Unterstützung der Düsseldorfer Bürger verlieh Graf Adolf Düsseldorf die Stadtrechte. Die Einwohner und vor allem die Kinder liefen daraufhin vor Freude auf die Straßen und schlugen Räder. Eine andere Geschichte handelt von einem Hochzeitszug, bei dem an der Hochzeitskutsche ein Rad gebrochen war. Um das drohende Unglück abzuwehren, soll ein Junge zur Kutsche gesprungen, das Rad festgehalten haben und somit zum lebenden Kutschrad geworden sein. Eine weitere Anekdote um die Herkunft des Radschlagens thematisiert ebenfalls eine Hochzeit. So soll die Düsseldorferin Jacobe von Baden über ihre Heirat mit Johann Willem I. sehr unglücklich gewesen sein, aber die Radschläger, die neben ihrer Kutsche ihr Können zeigten, haben sie, der Legende nach, wieder zum Lächeln bringen können.

Im 19. Jahrhundert, als große Ausstellungen, die Vorläufer der heutigen Messen, reiche Reisende nach Düsseldorf lockten, wurde das Radschlägertum bei der Jugend als einträgliche Einnahmequelle entdeckt: „Eene Penning für nen Düsseldorfer Radschläger“ verlangten die Kinder von Schaulustigen für die Darbietung ihrer Radschlagkünste. Das wohlwollende Bürgertum bezahlte diesen kleinen Obolus gern und bürgerte augenzwinkernd das Radschlagen als lokalpatriotische Symbolhandlung ein. Lokalpatriotischer Stolz spricht auch aus Müller-Schlössers Radschlägerlied von 1925: „Radschläger werden wir genannt; im ganzen Land sind wir bekannt; wir sind ne Spezialität, die ihre Kunst versteht.“

Als 1945 das im Krieg evakuierte Jan-Wellem-Denkmal festlich heimgeholt wurde, begleiteten neben Fackeln und Fanfaren auch Rad schlagende Knaben den Festzug. Ein Denkmal setzte der Heimatverein Düsseldorfer Jonges diesem Brauchtum 1954 mit dem Radschlägerbrunnen auf dem Burgplatz. Seit 1981 gibt es sogar in Düsseldorfs englischer Partnerstadt Reading ein Radschlägerdenkmal. Mittlerweile ist das Radschlagen als Ausdruck der Freude fester Bestandteil der Düsseldorfer Traditionspflege.

Bis heute lebendig geblieben ist das Brauchtum vor allem durch den Heimatverein Alde Düsseldorfer, der seit Anfang der dreißiger Jahre Radschläger-Wettbewerbe veranstaltet. Zum traditionellen Stadtsparkassen-Radschlägerturnier treffen sich jedes Jahr bis zu 800 Jungen und Mädchen der Düsseldorfer Schulen zwischen acht und zwölf Jahren am Unteren Rheinwerft unterhalb der Rheinuferpromenade. Diese weltweit einzigartige Traditionsveranstaltung findet dieses Jahr am kommenden Sonntag, 20. Juni, ab 11 Uhr statt. Im Schnelligkeitswettbewerb werden die schnellsten Jungen und Mädchen, im Stilwettbewerb die stilistisch schönsten, fortlaufend geschlagenen Räder ermittelt. Eine Jury aus Sportlehrern nimmt die Bewertung vor. Das erste Radschlägerturnier fand am 17. Oktober 1937 auf dem Carlsplatz in der Düsseldorfer Carlstadt statt. Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung organisieren die Alde Düsseldorfer seit 1950 das Radschlägerturnier erneut. Gingen anfangs nur Jungen an den Start, so änderte sich das zu Beginn der 60-er Jahre, als Mädchen in die Domäne der Jungen einbrachen. Heute stellen die Mädchen den weitaus größten Teil fast zwei Drittel – der Teilnehmer.

Auch die Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH ist in Sachen Radschlägern bestens aufgestellt. In den Düsseldorfer Tourist-Informationen in der Altstadt und am Hauptbahnhof sind unter den zahlreichen Düsseldorf-Merchandise-Artikeln auch viele Radschläger-Souvenirs zu finden. Die Palette reicht vom Kühlschrankmagneten über Radschlägerfiguren, Schlüsselanhänger und Plätzchenformen bis hin zu original italienischen Espressotassen mit Radschlägergravur. Natürlich können alle Artikel auch online unter http://souvenirs.duesseldorf-tourismus.de bestellt werden.

Für jeden, der mehr über die Tradition des Radschlagens in Düsseldorf lernen und in der Rheinmetropole übernachten möchte, lohnt sich das ganzjährige Angebot „Düsseldorf à la Card“, das bereits für 49 Euro pro Person unter www.duesseldorf-tourismus.de/alacard gebucht werden kann. Es umfasst eine Übernachtung im Doppelzimmer inklusive Frühstück, ein Düsseldorf-Infopaket sowie eine Düsseldorf WelcomeCard (24h). Die WelcomeCard ist die preisgünstigste und bequemste Art, Düsseldorf kennen zu lernen. Sie gewährt freie Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln innerhalb des Düsseldorfer Stadtgebiets und freien oder ermäßigten Eintritt in Museen, zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten und Freizeitangeboten. Jeder Gast kann mit der Karte aus mehr als 30 Angeboten seinen Aufenthalt in der Rheinmetropole einfach selbst gestalten. (Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH)



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen





Das könnte Sie auch interessieren:

Weitere Beiträge zum Thema: