22. Juni 2010, Thüringen

„Porzellan aus dem Eisenhammer“ in Suhl

Das Suhler Wappen deutet darauf hin – die Geschichte von Suhl ist wohl schon seit der vorrömischen Eisenzeit durch das Eisen und den Bergbau geprägt. Im Mittelalter entwickelte sich unter der Herrschaft der Grafen von Henneberg eine umfangreiche Werkzeug- und Waffenproduktion im Tal der Lauter. Wie kommt es dann also, dass die Stadt im Thüringer Wald auch eine Tradition in der Porzellanproduktion vorweisen kann? Die Antwort ist einfach – aus der Not heraus. Denn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam die Waffenherstellung fast zum Erliegen. Die deutschen Territorialstaaten bauten eigene Waffenfabriken und so war Suhl für sie als Waffenschmiede nicht mehr von Bedeutung. Hinzu kam, dass auch die Vorräte an Eisenerz fast erschöpft waren.

Auf der Suche nach neuen lukrativen Verdienst- und Gewerbemöglichkeiten hat die Porzellanherstellung fast 80 Jahre lang die Wirtschaft und das Leben der Stadt Suhl mitbestimmt. Aus vier ehemaligen Hammer- und Blechwalzwerken wurden Porzellanfabriken und Massemühlen, aus Hammerwerkern Porzellanbrenner und aus Graveuren und Schleifern Porzellanmaler und Formgestalter. Vorwiegend wurde in den Suhler Fabriken Gebrauchsporzellan im jeweiligen Zeitgeschmack hergestellt. Der Scherben war sehr fein und transparent und durchaus mit Meißner Porzellan vergleichbar. Eine Spezialität waren blaues Unterglasurgeschirr und Ziergefäße mit dem sogenannten „Tautropfenmuster“. Die Kombination von Abziehbild mit in Handmalerei ausgeführtem Blumendekor sowie sehr schönen Kanten und Borden aus Gold findet man in allen drei Suhler Schlegelmilch-Fabriken.

Anlässlich des Jubiläumsjahres 250 Jahre Porzellan Thüringen wird in der Sonderschau „Suhler Porzellan – Porzellan aus dem Eisenhammer“ des Waffenmuseums die Geschichte der Suhler Porzellanfabriken von 1861 bis 1937 anhand zahlreicher Leihgaben eindrucksvoll dargestellt. Die Ausstellung ist bis zum 3. Oktober 2010 zu sehen. Das Waffenmuseum Suhl hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 4,- Euro für Erwachsene und für Schüler 2,- Euro.

Alle Ausstellungen im Überblick findet man unter www.thueringen-tourismus.de oder im Flyer „250 Jahre Porzellanland Thüringen“, der bei der Tourist Information Thüringen unter der 0361/ 37420 oder service@thueringen-tourismus.de bestellt werden kann. (Thüringer Tourismus GmbH)



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