29. Juni 2010, Leichtathletik, Lenzerheide

Timothy Short gewinnt Graubünden Marathon 2010

Wegen Bauarbeiten bei der Rothorn Bahn führte der 8. Graubünden Marathon statt aufs Rothorn mit seinen 2865 m Höhe auf den Piz Scalottas und auf 2321 m. Doch trotz weniger Höhenmetern und trotz moderateren Anstiegen waren die Gesichter im Ziel gezeichnet. Von „einem sehr harten Rennen“ berichteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fast ausnahmslos. Mit der Distanz, mit den Anstiegen, aber vor allem mit dem Wechsel zwischen Auf und Ab hatten sie zu kämpfen – und oftmals mit Salz- und Wassermangel und mit Muskelkrämpfen.

Einmal mehr gab es auf den 42,2 km zwischen Chur und dem Gipfel emotionale (Sieger-)Geschichten. Timothy Short lieferte eine solche. Der 29-jährige Brite aus London hatte sich per Internet kurzfristig angemeldet. Und auch wenn er darauf hinwies, dass es sich um sein erstes Rennen des Jahres nach einem Bike-Unfall im letzten Jahr handle, wussten die ambitiösesten Widersacher sofort: «Da haben wir es mit einem Grossen der Berglaufszene zu tun.» Erwähnt seien etwa die Tagessiege beim LGT Marathon in Liechtenstein vor drei und am Winterthur Marathon vor zwei Jahren oder der vierte Platz am Jungfrau-Marathon, ebenfalls im 2008.

Seiner Sache sicher war sich aber Short nicht. Und auch seine Dominanz hielt sich in Grenzen. Als die Route nach auf Alp Foppa (km 17) hinaufführte, schloss Gion-Andrea Bundi, der frühere Schweizer Spitzenlangläufer, zu Short auf. In den Abwärtspassagen aber fiel er wieder zurück. Bundi dazu: «Hinunter lief Timothy in brutalem Tempo.» Im anspruchsvollen Schlussaufstieg von Lenzerheide auf den Piz Scalottas geriet Short nicht mehr in Bedrängnis. Über seinen Triumph freute er sich doppelt: «Es ist speziell, ein Rennen zu gewinnen, das Jonathan Wyatt fünf Mal für sich entschieden hat», betonte er, und: «Ich bin zurück.» Dennoch sei relativiert: Wyatts Streckenrekord auf der Originalstrecke steht bei 3:18:56-Stunden. Short benötigte nun 3:24:58-Stunden – bei rund 500 weniger Höhenmetern.

Eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr glückte Gion-Andrea Bundi. Der Ex-Spitzenlangläufer kam – im Gegensatz zum Vorjahr – ohne grosse Krise durch und lief 4:04-Minuten nach Short als Zweiter ein: «Einfach war’s auch in diesem Jahr nicht.» Vor allem auf den letzten Kilometern verglich er sein Vorwärtsstreben mit einer Gratwanderung: «Ich musste ständig acht geben, meine Grenzen nicht zu überschreiten und muskulär in der Balance zu verbleiben.» Aber, Bundi erreichte seinen angestrebten Podestrang und zeigte sich dementsprechend befriedigt. Nicht zuletzt kam ihm entgegen, dass er mit der Strecke vertraut war.

Nach 3:59:14-Stunden erreichte Maja Meneghin-Pliska das Ziel. Nur zwölf Männer liefen somit schneller. Und die Baslerin, die nun im jurassischen Vermes wohnt, strahlte: «Mir lief es wie am Schnürchen, dieser Sieg ist mein grösster Erfolg als Läuferin.» Bei ihrer Premiere am Graubünden Marathon vor einem Jahr musste sie sich nach «unsäglichem Rennen» mit Rang 8 begnügen. Mitunter hat die Steigerung auch mit der Vorbereitung zu tun: Die 32-Jährige hat die Ausbildung zur Osteopathin und Physiotherapeutin abgeschlossen. «Jetzt kann ich das Laufen vermehrt ins Zentrum rücken», sagt sie. Und zudem: «In meiner neuen Heimat geht es ebenfalls ziemlich giftig auf und ab.»

Als «Dessert» nach vier Tagen Trainings-Wandern über Pässe und Höhen und Täler bezeichnete Seraina Boner (Davos) die 11,1 km mit den 954 Höhenmetern des Scalottas Run. Verständlich, war sie doch nach je achtstündigen Tagesabschnitten zwischen Maienfeld und Davos mit dem Engadin Skimarathon Team nun nochmals 1:06:34-Stunden unterwegs – und das im Wettkampf-Rhythmus. Mit ihrer Leistung belegte sie im Overall-Klassement Platz 5. Offenbar verfügte sie über genügend Frische: «Anfangs lief ich mit der Berglauf-Spezialistin Claudia Helfenberger zusammen, auf dem Flachpart aber distanzierte ich sie», beschrieb Boner. Was sie nicht weiter erstaunte: «Solche Terrainwechsel verkrafte ich wohl besser als reine Bergläuferinnen.» Bei den Männern setzte sich mit 1:00:02 Andrew Liston (Sch) durch. (FVA Lenzerheide)



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen

Themen:





Das könnte Sie auch interessieren:

Weitere Beiträge zum Thema: