9. Juli 2010, Oberbayern

Kräuterbuschen zu Mariä Himmelfahrt

Sie sind bunt, duften, besitzen Heilkräfte und sind gebunden aus Wildblumen und Kräutern – die traditionellen Kräuterbuschen sind in Oberbayern an Mariä Himmelfahrt kaum wegzudenken. Am 15. August begehen Gemeinde und Dörfer mit Messen unter freiem Himmel und Prozessionen einen der wichtigsten Festtage im Kirchenkalender.

Die Kräuterbuschen spielen zu Mariä Himmelfahrt eine ganz besondere Rolle in Oberbayern. Schließlich sollen sie Heilkräfte besitzen: Im Haus schützen die Kräuterbuschen vor Blitzschlag, unter die Kopfkissen gelegt, beflügeln sie das Liebesleben, im Viehfutter fördern die Heilpflanzen die Gesundheit der Tiere und im Kochtopf die des Menschen.

Früher gehörten zu einem richtigen Kräuterbuschen 77 verschiedene Gräser und Kräuter. Unter anderem sammelten die Frauen Getreideähren, Hopfen, Fenchel und Baldrian. Kräuter wie Lavendel, Petersilie, Salbei und Kamille durften ebenso wenig fehlen wie Johanniskraut und Fünffingerkraut. Im Zentrum des Straußes steht auch heute noch die Königskerze – eine Pflanze, die nur an den sonnigsten, wärmsten und trockensten Plätzen zu finden ist. Der Buschen sollte an einem dunklen und kühlen Platz aufgehängt werden, damit die Farben und Heilwirkungen erhalten bleiben. Jedes Jahr zu Mariä Himmelfahrt werden die Kräuterbuschen feierlich in der Kirche oder hoch auf dem Berg geweiht.

In Reit im Winkl beispielsweise findet am 15. August um 11.30 Uhr eine Bergmesse mit Kräuterbuschen-Weihe auf der Winklmoos-Alm statt, musikalisch umrahmt von der Musikkapelle Reit im Winkl. Im Anschluss feiern Einheimische und Gäste den „Almkirtag“ mit viel Musik auf Almhütten und in den Gasthäusern.

In Ruhpolding werden um 8.30 Uhr in der Schlosskapelle vom Ruhpoldinger Jagdschloss die Kräuterbuschen geweiht. Um 10.30 Uhr gedenkt die Gemeinde auf der Röthelmoosalm in einem traditionellen Gedenkgottesdienst den verstorbenen und verunglückten Sennerinnen, Sennern, Almbauern und Holzknechten. Seit jeher ist es auch hier Brauch, an diesem Tag einen Kräuterstrauß segnen zu lassen, der in der Gegend „Marienwisch“ oder „Würzbüschel“ genannt wird.

In Inzell geht es an Mariä Himmelfahrt hoch hinaus: Auf dem Kienberg treffen sich Einheimische und Urlauber am Sonntag um 11 Uhr zur Bergmesse und lauschen den Steiner Sängern. An der SC Hütte und der Bergwacht Hütte trifft man sich zur Brotzeit und musikalischen Unterhaltung. Unten im Tal findet um 9.30 Uhr die Kräuterbüscherlweihe in der Pfarrkirche Inzell statt, die Sträuße werden während des Gottesdienstes verteilt.

Im Kloster Ettal bei Oberammergau starten die Feierlichkeiten um 9.30 Uhr mit dem Pontifikalamt und einem großen Festgottesdienst in der Basilika und enden am Abend mit der Marienandacht und einer festlichen Lichterprozession. Die Klosteridylle in der Benediktinerabtei ist an diesem Wochenende auch Kulisse für die „Gartentage Kloster Ettal“. Hier schlendern Natur- und Gartenfreunde, Dekorations- und Gestaltungsfans sowie Kultur- und Reise-Interessierte an Verkaufs- und Dekoständen vorbei. Auch in den Gartenanlagen können sich die Gäste inspirieren lassen und dies mit einem Besuch im Benediktinerkloster verbinden. (TV München-Oberbayern)



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen





Das könnte Sie auch interessieren:

Weitere Beiträge zum Thema: