31. Juli 2010, Polen

Festival Bike Action in den polnischen Sudeten

Versteckte Schluchten, faszinierende Felsformationen und dichte Wälder: Wer in den polnischen Sudeten mit dem Fahrrad unterwegs ist, den erwarten ursprüngliche Natur und atemberaubende Aussichten. Die niederschlesischen Gebirgsregionen verfügen zudem über eine gute Zweirad-Infrastruktur und sind Schauplatz mehrerer wichtiger Fahrradveranstaltungen. Die größte und bekannteste ist das Festival Bike Action, das vom 13. bis 16. August in Szklarska Poręba (Schreiberhau) stattfindet.

Jedes Jahr Mitte August treffen sich in Szklarska Poręba Hunderte Zweiradfans aus Polen und den Nachbarländern zur Bike Action. Tollkühne Männer und Frauen wollen ihrem Publikum dann beweisen, dass Fahrräder nicht nur zur sicheren Fortbewegung auf asphaltierten Straßen dienen. Wer den Athleten im Skatepark oder auf der Dirt-Schanze zusieht, wie sie sich ihr Bike in bis zu 20 Meter Höhe um den eigenen Körper wickeln, dem kann dabei schon selbst einmal schwindlig werden.

Halsbrecherisch geht es auch in der Disziplin Downhill zu. In voller Schutzmontur rasen die Biker die Riesengebirgshänge herab und sehen dabei aus wie moderne Ritter auf blitzenden Stahlrössern. Etwas ruhiger ist dagegen das Marathonrennen. Hier müssen die Teilnehmer zweimal einen Rundkurs durch das Gebirge mit insgesamt 72 km Länge und einem Höhenunterschied von 400 Metern absolvieren. Den absoluten Höhepunkt bildet der sogenannte Sprung ins Wasser. Ähnlich wie beim legendären Grachtenspringen geht es hier vor allem um den Spaß beim Zusehen. Ausgezeichnet werden nämlich die Teilnehmer, die mit möglichst verrück-ten oder ausgefallenen Verrenkungen mitsamt ihren Rädern im kühlen Nass landen.

Für die nötige Partystimmung sorgen mehrere Konzerte. Eingefleischte Zweiradfans kommen beim Fahrradfilmfestival und der Fahrradbörse auf ihre Kosten. Erstmalig finden in diesem Jahr auch die Riesengebirgsmeisterschaften im Bungee-Jumping im Rahmen des Bike-Festivals statt. Wer den Sprung aus 80 Metern Höhe selbst wagen möchte, der hat während der Festivaldauer dazu Gelegenheit. Die Anlage steht während der drei Tage auf dem Festivalgelände am Fuße der Szrenica (Reifträger), dem Hausberg von Szklarska Poręba.

Die Gegend um die beliebten Wintersport- und Kurorte Szklarska Poręba und Świeradów Zdrój (Bad Flinsberg) eignet sich nicht nur zur kalten Jahreszeit für Aktivurlauber. Besucher des Iser- und des benachbarten Riesengebirges finden hier ausgezeichnete Bedingungen, um einen vielfältigen Fahrradurlaub zu verbringen. Die Region wartet mit ausgeschilderten Fahrradrouten verschiedener Schwierig­keitsgrade und einer Gesamtlänge von über 500 km auf.

In Świeradów Zdrój nahm im Januar 2009 eine moderne Gondelbahn den Betrieb auf. Die Kabinen sollen im Winter Skifahrer auf die in 1060 Meter Höhe gelegene Gipfelstation auf dem Stóg Izerski (Heufuder) bringen. Sie wird aber ganzjährig betrieben und befördert im Sommer Wanderer und Fahrradfahrer innerhalb von acht Minuten auf den Berg. Ein besonderes Erlebnis verspricht die Fahrt vom Gipfel zur Hala Izerska, der Großen Iserwiese. Sie ist einer der dunkelsten Orte Polens. Auf-grund der besonderen Lage dringt rund 20-mal weniger Licht auf dieses Gebiet, als im polnischen Durchschnitt. Wer sich hier nach Sonnenuntergang auf das Fahrrad schwingt, dem ist bei klarem Wetter ein besonders sternenreicher Himmel sicher.

Neben den zahlreichen einfacheren Strecken, die auch für Anfänger und Familien mit Kindern geeignet sind, gibt es in den polnischen Sudeten auch einige „Profistrecken“. So kann mit ein wenig Glück dem polnischen Rennkader beim Trainieren für die Tour de Pologne zusehen. Ausgezeichnete Mountain-Bike-Trassen gibt es auch im östlich von Szklarska Poręba gelegenen Kreis Kamienna Góra (Landeshut) und bei Szczawno Zdrój (Bad Salzbrunn). Hier findet auch jährlich ein Teilrennen des polnischen Grand Prix MTB statt.

Ob der Berggeist, dessen Heimat bekanntermaßen das Riesengebirge ist, mit dem Mountainbike unterwegs ist, weiß wohl niemand. Ihm zu Ehren wurde aber in der Euroregion Neiße, zu der auch die Sudeten zählen, der Rübezahlweg eingerichtet. Dieser rund 250 km lange Euroregio-Radwanderweg beginnt im sächsischen Bad Schandau und endet in Chełmsko Śląskie (Schömberg). Vorbei an zahlreichen Natur- und Kulturdenkmälern überschreitet der Weg fünfmal die Landesgrenzen Deutschlands, Polens und Tschechiens.
Fahrradwerkstätten sowie Leihmöglichkeiten gibt es in jedem größeren Ort in den polnischen Sudeten. Die Preise sind moderat, für ein modernes MTB liegt die Leihgebühr bei etwa 40 Złoty pro Tag (ca. 10 Euro). Viele Fahrradverleihe sind auch auf Familien mit Kindern vorbereitet und verfügen über Kindersitze sowie Fahrradhelme in allen Größen. Für diejenigen, die zwischen zwei Touren eine kurze Pause einlegen wollen, bietet sich beispielsweise ein Besuch im Park Esplanada in Szklarska Poręba an. Hier eröffnete erst kürzlich eine neue Sommerrodelbahn. Eine Fahrt in der wochentags von 10 bis 22 Uhr und an Wochenenden von 9 bis 22 Uhr geöffneten Anlage mit vier großen Kurven, mehreren Sprüngen und Wellen kostet 7 Złoty (ca. 1,70 Euro).

Vom ehemaligen Schreiberhau ist es nicht weit nach Karpacz (Krummhübel) mit der norwegischen Stabholzkirche Wang und der Schneekoppe, dem höchsten Gipfel des Riesengebirges (1.603 m). Ebenfalls lohnenswert ist ein Besuch im Hirschberger Tal mit seinen Schlössern und Gärten. Die Kreisstadt Jelenia Góra (Hirschberg) verfügt über eine sehenswerte Altstadt und mit dem Stadtteil Cieplice Zdrój (Bad Warmbrunn) über einen der ältesten Kurorte der Region. Ebenfalls zu Jelenia Góra gehört heute Jagniątków (Agnetendorf) mit der ehemaligen Villa des Literatur-Nobelpreisträgers Gerhart Hauptmann, in der sich heute sein Museum befindet. (FVA Polen)



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen





Das könnte Sie auch interessieren:

Weitere Beiträge zum Thema: