3. September 2010, Deutsche Bahn

Deutschlands schönste Bahnhöfe 2010 liegen in Darmstadt und Baden-Baden

Die Siegerkür ist beendet, die Jury hat ihr Urteil einstimmig gefällt: Darmstadt und Baden-Baden bekommen den Titel „Bahnhof des Jahres 2010“. Zum siebten Mal in Folge zeichnet die Allianz pro Schiene die kundenfreundlichsten Bahnhöfe Deutschlands aus. In der Kategorie „Großstadtbahnhof“ gewann der Darmstädter Hauptbahnhof, dessen Innen- und Außenauftritt bei der Jury eine „heiter gelassene Grundstimmung“ erzeugte. In der Kategorie „Kleinstadtbahnhof“ gewann Baden-Baden, das – so das Votum der Jury – „seine Reisenden mit offenen Armen empfängt“. „Bahnhöfe gehen uns alle an. Mehr als andere öffentliche Gebäude prägen sie das Gesicht einer Stadt“, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene. „Unser Titel zeichnet deshalb nicht nur ein Bahnhofsmanagement aus, sondern zugleich auch die Stadt und das Bundesland.“ Im Sinne der Reisenden müssten Bahn, Stadt und Land gemeinsam planen und investieren, sagte Flege. „Die Deutschen sind mit Luxusbahnhöfen nicht gerade verwöhnt. Aber die Sehnsucht danach wächst.“

Darmstadt Hauptbahnhof: Deutschlands Grünster
In Darmstadt gefiel vor allem das Grün vor dem Haupteingang. „Blumenbeete auf dem Vorplatz, das gibt es öfter, aber welcher Bahnhof liegt schon gleich an einem Park?“ Deutschlands Grünster begeisterte die 5-köpfige Jury aus Vertretern des Fahrgastverbandes Pro Bahn, dem Deutschen Bahnkunden-Verband (DBV), dem Verkehrsclub Deutschland (VCD), dem Autoclub Europa (ACE) und der Allianz pro Schiene aber auch durch seine Innenansicht. Der Riese aus grauem Naturstein zeigte den Bahnhofstestern seine frisch modernisierte helle Halle, in der sich Glas und Jugendstillampen gut miteinander vertragen. Eine sehr persönliche Ansprache am Schalter, die roten Ledersessel im Reisezentrum und das sommerliche Rauschen der Kastanie am Restaurant Fürstenbahnhof gaben für Karl-Peter Naumann von Pro Bahn den Ausschlag: „Darmstadt, das ist eine Wohltat für Reisende“, sagte Naumann und betonte, dass auch die Anschlüsse zur Stadt sehr gelungen seien: „Die strikte Trennung des Autoverkehrs von den Öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem Bahnhofsvorplatz und die vorbildliche Information zu den weiterführenden Verkehrsmitteln haben aus dem Darmstädter Hauptbahnhof ein Paradebeispiel für Verknüpfung der Verkehrsmittel gemacht.“

Bahnhof Baden-Baden: Vereint alles unter einem Dach
Baden-Baden ist ein Bahnhof der kurzen und trockenen Wege, befand die Jury, die unangekündigt und incognito reist. „Bahnhofscafé, Hotel, Busbahnhof, alles ist hier unter einem Dach“, sagte Monika Ganseforth vom VCD. „Motorradabstellplätze, Mietfahrräder und ein großzügiger Haupttunnel beweisen, dass Baden-Baden mit jedem Großstadtbahnhof mithalten kann.“ Aber der ausgezeichnete Bahnhof hat noch mehr zu bieten. „Kunstvolle Schilder aus den Zeiten der Fürsten, denkmalgeschützte Trägersäulen, eine blitzeblanke Bahnhofshalle und freundliche Geschäfte und Gastronomie – Baden-Baden hat den berühmten Wohlfühlfaktor“, sagte Ganseforth.

Hessen zum ersten Mal dabei, Baden-Württemberg hat drei Sieger vorzuweisen
Mit Darmstadt gewinnt zum ersten Mal seit dem Start des Wettbewerbs ein hessischer Bahnhof den Titel „Bahnhof des Jahres“. Baden-Württemberg setzt sich mit den drei Sieger-Bahnhöfen Mannheim, Karlsruhe und Baden-Baden an die Spitze der Bundesländer. Im Mittelfeld liegen Bayern, Thüringen und Niedersachsen mit je zwei Siegern. Leer gingen bisher etwa Nordrhein-Westfalen, das Saarland und Rheinland-Pfalz aus. „Auch die Bundesländer stehen in der Pflicht“, sagte Flege und betonte, dass die Jury eigene große Testausflüge nach NRW unternommen hätte. „Leider sind wir im bevölkerungsreichsten Bundesland bisher nicht fündig geworden.“

Sonderpreis „Der verlorene Sohn“ an den Bahnhof Eschwege
Einen Sonderpreis für die Wiederkehr des Bahnhofs in die Stadt bekommt die hessische Stadt Eschwege. Nach 24 Jahren auf dem Abstellgleis eröffnete Eschwege im Dezember 2009 eine neue Strecke samt Bahnstation. „Wir möchten diese Rückkehr des verlorenen Sohnes auszeichnen“, sagte Jury-Mitglied Naumann, „zumal die Integration in die Stadt gut gelungen ist und die kleine Station auch sonst den Expertencheck gut überstanden hat“.

Kein Personal? Ein K.O.-Kriterium
Mit dem Wettbewerb „Bahnhof des Jahres“ prämiert die Allianz pro Schiene seit 2004 jährlich den besten deutschen Großstadt- und Kleinstadtbahnhof. Ausgezeichnet wird nur, wer nach einer festen Kriterienliste am besten auf die Bedürfnisse der Bürger eingeht: Objektive Erfordernisse wie Kundeninformation, Sauberkeit, Integration in die Stadt und Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln sind dabei ebenso entscheidend wie ein eher subjektiver Wohlfühlfaktor. Dass schmutzige Toiletten das Aus bedeuten, versteht sich. Weitere K.O.-Kriterien: Ein Bahnhof, der kein Personal vor Ort hat, der Sicherheitsmängel aufweist oder nicht barrierefrei gestaltet ist, kann nicht gewinnen. „Die Kunden wollen keinen Bahnhof ohne Ansprechpartner“, sagte Jury-Mitglied Ganseforth. Die Siegerbahnhöfe der vorigen Jahre waren 2009: Erfurt und Uelzen, 2008: Karlsruhe und Schwerin, 2007: Berlin Hauptbahnhof und Landsberg am Lech, 2006: Hamburg Dammtor und Oberstdorf, 2005: Mannheim und Weimar und 2004: Hannover und Lübben.

Fotoausstellung Bahnhöfe des Jahres 2004 bis 2010
Eine große Fotoausstellung „Bahnhöfe des Jahres 2004 bis 2010“ steht unter der Schirmherrschaft von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Vernissage ist am 1. September um 12 Uhr am Südeingang des Berliner Hauptbahnhofs, wo die Bilder aller Siegerbahnhöfe bis zum 7. September zu sehen sein werden. Danach tourt die Ausstellung durch die großen Siegerbahnhöfe. (Allianz pro Schiene)



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