10. September 2010, Äthiopien

Äthiopien feiert den Jahreswechsel

Wer sich beklagt, dass die Zeit rast und sich manchmal ins Jahr 2003 zurückwünscht, der muss nur nach Äthiopien reisen. Denn dort heißt es nicht am 1. Januar, sondern am 11. September „Prost Neujahr“. Während fast die ganze Welt das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts beinahe beendet hat, leben die Äthiopier dagegen gerade erst im Jahr 2003.

Die Zeitrechnung des äthiopischen Kalenders richtet sich zwar ebenfalls auf Christi Geburt aus, da die Berechnung seines Geburtsjahres in der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche allerdings etwas anders vorgenommen wird, kommt es zu einer Verschiebung von etwa sieben Jahren und neun Monaten. Der äthiopische Kalender basiert dabei nicht auf unserem gregorianischen Kalender, sondern auf dem koptischen Kalender: Dieser besteht aus 13 Monaten, wovon zwölf Monate 30 Tage haben und der 13. Monat fünf beziehungsweise bei einem Schaltjahr sechs Tage aufweist.

Durcheinander? Dann wird es jetzt noch etwas verwirrender. Denn nicht nur der Kalender, sondern auch die Uhren gehen in Äthiopien anders. So beginnt der Tag nicht wie bei uns um 00.00 Uhr, sondern um 6.00 Uhr morgens (europäische Rechnung). Mittagszeit ist demnach in Äthiopien 6.00 Uhr.


Feierlichkeiten zum Jahreswechsel

Enkutatash, der äthiopische Name für den Übergang ins neue Jahr, symbolisiert das Ende der Regenzeit, wenn die Blumen in voller Blüte stehen. Das Hochland, bedeckt von einem gelben Blütenteppich glänzt an diesem Tag golden in der Sonne. Kinder in neuen Kleidern tanzen durch die Dörfer und verteilen üppige Sträuße. Überall wird gesungen und abends wenn es dunkel wird, werden Feuer vor den Häusern entzündet. Die religiösen Feierlichkeiten finden zum Großteil im Ort Gaynt in der Gondar-Region statt. In der dortigen Kostete Yohannes Kirche aus dem 14. Jahrhundert wird drei Tage lang gebetet, Psalme und Predigten gesprochen und bei bunten Prozessionen der Übergang ins neue Jahr gefeiert. Auch in und um die Hauptstadt Addis Abeba zelebriert man den Tag: In der Kiddus Raguel Kirche auf dem Hausberg Entoto findet eine der spektakulärsten Feierlichkeiten statt.

Die Bezeichnung Enkutatash, übersetzt „Juwelengeschenk“, geht zurück auf das 10. Jahrhundert vor Christus. Als die Königin von Saba von ihrem legendären und kostspieligen Besuch bei König Salomon zurück in das heutige Äthiopien kehrte, überreichten ihr die Obersten ihres Reiches als Willkommensgeschenk Juwelen und andere kostbare Schätze. (FVA Äthiopien)

Bild: FVA Äthiopien



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