30. Oktober 2010, Lufthansa

Optimales Packmaß: wie wird ein Flugzeug beladen?

Wer einmal einen Möbelwagen gepackt hat, der weiß, wie schwer es ist, den Platz optimal auszunutzen und alles sicher zu verstauen, ohne ständig hin- und herräumen zu müssen. Das Beladen eines Flugzeuges ist prinzipiell ähnlich, aber ungleich komplizierter. Jede Abfertigung stellt eine kleine Meisterleistung dar, wird exakt elektronisch geplant und gesteuert. Letztlich gleicht der Prozess einem Puzzlespiel.

Lufthansa baut bei der Ladeplanung und Beladung seit Jahren erfolgreich auf das Global Load Control (GLC) Konzept, welches rund um die Uhr gelenkt wird von drei Standorten aus: Kapstadt (Südafrika), Brno/Brünn (Tschechische Republik) und Istanbul (Türkei). Insgesamt betreuen allein diese drei Center bereits weltweit 140 Lufthansa-Stationen und rund 1 800 Flüge täglich. Logistik und Planung in einem der GLC-Center beginnen bis zu vier Stunden vor dem Flug. Die Load-Control-Agenten ermitteln anhand aller vorliegenden Planungsdaten, wie schwer das Flugzeug voraussichtlich sein wird.

Wie schwer ist das Flugzeug?
Das maximale Startgewicht eines Airbus A380 beträgt bei Lufthansa ca. 560 000 Kilogramm, aber dies kann in verschiedenen Situation auch eingeschränkt sein. Bei einem Flug von Frankfurt nach Tokio könnte es zum Beispiel bei 519 000 Kilogramm liegen. Das Leergewicht inklusive Cateringbeladung und Crew läge in diesem Beispiel bei 269 000 Kilogramm, etwa 154 000 Kilogramm Kerosin kämen hinzu, für Passagiere werden 42 500 Kilo berechnet, auf Gepäck, Fracht und Post entfielen noch einmal 26 5000 Kilogramm. Das ergibt ein Abfluggewicht von 519 000 Kilogramm.

Doch Flugzeug ist nicht gleich Flugzeug. Für das Beladen müssen die Eigenschaften eines jeden Typs einberechnet werden. So darf das Gesamtgewicht einer Maschine nicht überschritten werden. Überdies muss jede Fracht, die in den Laderäumen transportiert wird, so eingeplant werden, dass eine günstige Schwerpunktlage des Flugzeugs erreicht wird. Aus der Gesamtmenge aller Daten setzt der GLC-Experte das Lade-Puzzle zusammen und erstellt den Ladeplan. Live via Datenübertragung verfolgt der Agent, wie immer mehr Passagiere mit Gepäck für den Flug einchecken und die Frachtspezialisten ihre Planwerte für Fracht und Post konkretisieren.

Treibstoffmenge – 30 Minuten vor Abflug
Der Lademeister am Flughafen empfängt die Informationen des Ladeplans auf seinem mobilen Endgerät, einem Handheld PDA (Personal Digital Assistant). Die eigentliche Beladung kann beginnen. Container für Container wandert in den Bauch des Flugzeugs. Alles genau nach den Vorgaben des Ladeplaners. Danach wird das Gepäck der Passagiere so verladen, dass es am Zielort zuerst – vor Post und Fracht – wieder ausgeladen werden kann. Bis 30 Minuten vor Abflug steht schließlich fest, welche Treibstoffmenge benötigt wird. In seltenen Fällen muss noch vor dem Start nachgetankt oder die Fracht umgeplant und sogar ausgeladen werden, weil sich Änderungen ergeben haben.

Ist alles in Ordnung und alle Koffer und Container an Bord, wird die Beladung des Flugzeugs durch den Lademeister elektronisch, über das Handheld PDA, an das GLC-Center übermittelt und letztmalig berechnet. Der Pilot erhält von dem GLC-Center per Funk über das so genannte ACARS (Aircraft Communication Adressing and Reporting System) das Loadsheet, das ihn darüber informiert, wie das Flugzeug beladen ist und wo der Schwerpunkt liegt. Mit diesen Daten ausgestattet, berechnen die Piloten im Anschluss die optimalen Startparameter. Das Lade-Puzzle ist komplett, die Reise kann beginnen. (Lufthansa)



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