2. November 2010, Irland

Tollkirsche, Eisenhut und Oleander im irischen Giftgarten

Man hat von Hexenküchen gehört oder von Touristen, die Schlösser gerne wegen der Folterkammer besuchen. Eines aber, das einen Giftgarten unterhält, ist eher die Ausnahme im Bereich des schönen Schauderns. Doch Blarney Castle, eine der größten Touristenattraktionen Irlands und weltweit bekannt für den Blarney Stone, den zu küssen ewige Redegewandtheit verleihen soll, besitzt einen „poison garden“. Entdeckt hat ihn kürzlich der Gartenjournalist Charlie Wilkins, der eine Kolumne im Irish Examiner schreibt. Er war eingeladen, rund um Blarney Castle „etwas eher Seltsames und Unheimliches zu bestaunen – den Giftgarten.“

Doch was er vorfand, war weder bedrückend noch beunruhigend, wie er schreibt. Eher verblüffte ihn, wie viele der beliebtesten Gartenpflanzen Europas dort beieinander standen. Gefleckter Aronstab, Herbstkrokus, Immergrün, Christrose, Fingerhut, Primeln, Maiglöckchen – allesamt giftig. Aber auch weniger als Giftnickel vermutete Exoten wie Amerikanische Kermesbeere, Seidelbast und Oleander fühlten sich mächtig wohl im vom warmen Golfstrom verwöhnten Herbarium der Giftmischer. Diese nun erwiesen sich als akribische Sammler alter Heilpflanzen und als Bewahrer der in Vergessenheit geratenden Naturmedizin. Dennoch überfiel den Gartenexperten leichter Schauder, als er eine Kolonie Eisenhut unter Drahtkäfigen entdeckte. Der Drahtharnisch sollte Besucher vor versehentlicher Berührung schützen. Nebenan wuchs der langsame Killer Belladonna. Beide einst gern für Gattenmorde in den Trinkbecher gemischt. Wenn Blarney Castle für seinen beredten Stein auf dem Turm und die weite Parklandschaft berühmt ist, so gewiss weniger für seine im Stillen gedeihenden grünen Mörder, dachte der Autor und urteilte: „Ein magischer Ort und eine herrliche Destination für Gartenclubs und Schulausflüge, mit höchstem Lob für die botanische Sammlung.“ (www.blarneycastle.ie). (Tourism Ireland)



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen





Das könnte Sie auch interessieren:

Weitere Beiträge zum Thema: