5. November 2010, Frankreich

Adventsmärkte und Weihnachtsbräuche in Lothringen

Kinderchöre, sternenklare Abende, schneeweiß bedeckte Tannen, feuerrot blühende Weihnachtssterne, ein zimtiger Duft liegt in der Luft … Das Fest der Feste ist zum Greifen nahe! Die ersten französischen Weihnachtsmärkte beginnen bereits Ende November und dauern teilweise bis kurz nach Weihnachten an. Doch wie feiern unsere linksrheinischen Nachbarn eigentlich Weihnachten? Besonders die Vorweihnachtszeit nimmt in der nord-östlichen Region Lothringen eine traditionsreiche Stellung ein. Hier trifft sich französisches Brauchtum mit uns wohlbekannten Bräuchen. 

Schutzheiliger der Lothringer, Kinder, Schüler und Studenten, Händler, Reisenden und Seeleute, Gefangenen und… heiratsfreudiger junger Damen, Saint Nicolas (zu Deutsch: der Heilige Nikolaus), dem mehrere Wunder zugesprochen werden, ist der hier wohl wichtigste vorweihnachtliche Bote, den auch bei uns jedes Kind kennen dürfte. Wie in Deutschland kommt auch in Frankreich der Nikolaus am Abend des 5. Dezember und verteilt Süßigkeiten an alle braven Kinder …« des mirabelles pour les demoiselles, des macarons pour les garçons… » (etwa : Mirabellen für die jungen Damen, Makronen für die jungen Herren), während sich Knecht Ruprecht – in Frankreich „Père Fouettard“ genannt – um die „bösen“ Kinder kümmert.

Nancy widmet dem Heiligen Anfang Dezember ein ganzes Wochenende. Mit Chorgesängen, Animationen, bis zu 60 dekorierten Festwagen, Fanfaren, Trommelwirbel und spektakulären Feuerwerken auf der Place Stanislas wird Saint Nicolas begangen. Auch im wenige Kilometer entfernten Saint-Nicolas-de-Port ist Nikolaus ein Star. Fast 22.000 Menschen feiern jedes Jahr den Festtag des Heiligen in dem Ort, der seinen Namen trägt. Die hier alljährlich stattfindende „Procession aux Flambeaux“ (vergleichbar mit einem Fackelzug), welche bereits auf eine 765-jährige Tradition zurückblicken kann, ist ein ebenso beeindruckendes, wie festliches Spektakel. 4.000 Schaulustige versammeln sich gegen 19.30 Uhr, um diesem Lichterfest beizuwohnen und in der beeindruckenden Basilika von Saint-Nicolas-de-Port, die eine der wichtigsten Reliquien des Schutzpatrons beherbergt, aktiv daran teilzunehmen.

Nach der Predigt wird die Basilika gegen 20.30 Uhr komplett verdunkelt, so dass sie anschließend in einem Meer aus Kerzenlicht, welches mit traditionell lothringischem Gesang untermalt wird, versinkt. Für alle Weihnachtselfen, die es nicht mehr erwarten können: dieses Jahr findet der Fackelzug am 4. Dezember statt.

Vorweihnachtliche Stimmung kommt dank der traditionsreichen Weihnachtsmärkte in ganz Lothringen auf. Besonders erwähnenswert sind zum Beispiel die Märkte in Plombières-les-Bains, Bar-le-Duc, Saint-Quirin, Rodemack und Epinal.

Metz sticht gleich mit mehreren großartigen Weihnachtsmärkten hervor. Über die ganze Stadt verteilt, findet man die schönsten Märkte, wie zum Beispiel den Traditionsmarkt auf dem Platz Saint-Louis, das Weihnachtsdorf des Père Noël auf der Place du Forum, den Handwerkermarkt bei den Esplanaden oder das „Dorf unter den Sternen“ am Platz Saint-Jacques.

Was bei all der heiteren Vorweihnachtsstimmung neben dem leckeren Glühwein nicht fehlen darf, ist das traditionelle pain d’épice (vergleichbar mit unserem Lebkuchen). Einen der besten traditionell-lothringischen Lebkuchen gibt es in Nancy beim „Maison des Soeurs Macarons“, wo der bekannte Pâtissier Nicolas Génot ein wunderbares pain d’épice in Form eines Saint-Nicolas herstellt.

Neben der bekanntesten weihnachtlichen Spezialität versüßt Lothringen darüber hinaus auch mit anderen Leckereien die kalte Jahreszeit, wie zum Beispiel Makronen aus Nancy, Madeleines aus Commercy oder Tannenhonig aus den Vogesen. Die klassische Quiche Lorraine, die Andouille du Val d’Ajol, eine renommierte Wurst, deren Warenzeichen seit 1984 eingetragen ist oder zum Beispiel die „potée lorraine“, ein traditionell lothringischer Eintopf, sind hingegen auch etwas für Liebhaber herzhafter kulinarischer Genüsse. (A Tout France)



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