9. November 2010, Asien

Asiatische Ländre holen auf Wissenschaftssektor auf

In welchem Maße ein Land in Wissen investiert, wird immer wichtiger für den wirtschaftlichen Gesamterfolg. Zu diesem Ergebnis kommt der heute in Paris vorgestellte UNESCO-Wissenschaftsbericht 2010. Im Jahr 2007 wurden weltweit 1,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Das entspricht 1.146 Milliarden US-Dollar und bedeutet einen Zuwachs von 45 Prozent gegenüber 2002.

Die Entwicklungsunterschiede zwischen Ländern und Regionen sind dem Bericht zufolge weiterhin sehr groß. 2007 lag das Pro-Kopf-Einkommen in den USA etwa 30 Mal höher als der Durchschnitt in Afrika südlich der Sahara. Die USA investieren nach wie vor mehr in Forschung und Entwicklung als alle übrigen G8-Staaten zusammen. Ein Problem vieler Entwicklungs- und Schwellenländer bleibt der Brain Drain – die langfristige Abwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte.

Der Anteil Asiens an den weltweiten Forschungs- und Entwicklungsausgaben ist seit 2002 um 5 Prozent auf 32 Prozent gestiegen. Vor allem asiatische Länder wie China, Indien und Südkorea haben im Wissenschaftssektor aufgeholt. Chinas Investitionen in Forschung und Entwicklung liegen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt heute 50 Prozent höher als noch 2002. Außerdem wird China bald weltweit die höchste Anzahl an Forscherinnen und Forschern haben.

Die weltweite Finanzkrise wirkt sich dem Bericht zufolge auch auf die Wissenschaft aus. Die traditionelle Führungsrolle der USA ist in den vergangenen fünf Jahren ins Wanken geraten. Durch die Weltwirtschaftskrise hat sich diese Entwicklung verstärkt. Während die USA weiter mit den Folgen der Wirtschaftkrise kämpfen, konnten Brasilien, China oder Indien die Krise schneller überwinden und aufholen.

Multinationale Konzerne aus Schwellenländern gewinnen immer größeren Einfluss auf dem Weltmarkt. Sie erwerben technologisches Wissen durch globale Zusammenschlüsse und Übernahmen. Dieselben Schwellenländer, in die einst Fertigungsprozesse ausgelagert wurden, entwickeln heute eigenständig neue Prozesstechnologien, Produkte, Design und angewandte Forschung.

Nach Einschätzung der UNESCO steht die Welt am Beginn eines strukturellen Umbruchs. Die Bedeutung von Wissen für die Weltwirtschaft wächst stetig. Die Verbreitung der digitalen Informationstechnologien ermöglicht weltweit den Zugriff auf Fachwissen und stellt zunehmend die Führungsrolle der Industrieländer in Frage. Durch die Globalisierung hat der Wettbewerb in den Wissenschaften zugenommen.

Der UNESCO-Weltwissenschaftsbericht erscheint seit 1993. Er vergleicht in seiner fünften Auflage die aktuelle Situation der Wissenschaften in neun Weltregionen und enthält zu einzelnen Ländern vertiefte Studien, darunter USA, China und Indien. (UNESCO)



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