21. November 2010, Polen

Jugendstilmuseum in Plock wird erweitert

Polens bedeutendstes Jugendstilmuseum hat einen Erweiterungsbau erhalten. Die Ausstellung des Masowischen Museums in der nordwestlich von Warschau gelegenen Stadt Płock wurde neu geordnet und erweitert.

„Zehn Jahrhunderte Płock“ lautet der Titel einer neuen Dauerausstellung, die seit Mitte November dort zu sehen ist. Die hoch über der Weichsel gelegene Stadt mit 130.000 Einwohnern war bis zum Ende des 15. Jahrhunderts Hauptstadt des Fürstentums Masowien. Ein großer Teil der neuen Ausstellung widmet sich der jüdischen Vergangenheit der Stadt.

Das Masowische Museum gehört zu den ältesten musealen Einrichtungen des Landes und zog erst vor wenigen Jahren aus dem Schloss der masowischen Herzöge in ein Jugendstilgebäude in der Altstadt. Dem Jugendstil und der Bewegung „Junges Polen“ ist auch der Großteil der ständigen Ausstellung gewidmet. Neben originalgetreu eingerichteten Wohn- und Nutzräumen eröffnet eine Ausstellung polnischer Malerei und Bildhauerei einen Einblick in die Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Eindrucksvoll sind vor allem die Bilder von bedeutenden polnischen Malern wie Jacek Malczewski und Stanisław Wyspiański sowie die Skulpturen von Bolesław Biegas. Diese Werke werden in dem erweiterten Bau noch besser zur Geltung kommen.

Die Ausstellungsfläche des Museums wurde durch einen Erweiterungsbau auf dem Nachbargrundstück vergrößert. Der moderne Anbau passt sich architektonisch in die Dimension der umliegenden historischen Gebäude ein. Das viergeschossige lichte Bauwerk ist durch einen Glaskorridor mit dem bisherigen Gebäude verbunden. Gezeigt werden hier auch Exponate aus den Bereichen Geschichte, Archäologie und Numismatik.

Die neue Dauerausstellung über die mehr als 1000-jährige Geschichte von Płock wurde chronologisch geordnet: Das erste Geschoss ist der Zeit vom 10. Jahrhundert bis zu den polnischen Teilungen gewidmet, das zweite Geschoss dem Zeitraum vom 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg und das dritte Geschoss dem 20. Jahrhundert bis 1989. Viele Exponate werden erstmals der Öffentlichkeit gezeigt.

Ein großer Teil der Ausstellung illustriert die jüdische Vergangenheit der Stadt. So wird zum Beispiel erstmals ein aus Płock stammender Aron haKodesch gezeigt, ein kunstvoll gearbeiteter Thoraschrein aus dem 19. Jahrhundert, der dem polnischen Hofarchitekten Enrico Marconi zugeschrieben wird. Weitere Kult- und Alltagsgegenstände sowie eine Ausstellung alter Fotografien lassen die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde wieder aufleben, die ihr jähes Ende mit der Vernichtung durch die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg fand.

Informationen:
Płock liegt etwa 100 km nordwestlich der Hauptstadt Warszawa und ist von dort per Bahn erreichbar. Die Stadt verfügt über bedeutende Baudenkmäler, darunter der ab 1144 erbaute Dom. Das Muzeum Mazowieckie befindet sich in der ul. Tumska 8 und ist täglich außer montags geöffnet. Der Eintritt kostet 8, ermäßigt 4 Złoty (ca. 2 bzw. 1 Euro). Für Gruppen werden Führungen in englischer Sprache angeboten. www.muzeumplock.art.pl (Polnisches Fremdenverkehrsamt)



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