25. November 2010, Ammergauer Alpen

Beschneite Route für Tourengeher in den Ammergauer Alpen

Manche ärgern sich nur, andere sehen ein enormes Risiko, wenn Tourengeher am Pistenrand aufsteigen und Skifahrern dabei in die Quere kommen. Die Ammergauer Alpen haben jetzt als Vorreiter im gesamten Alpenraum den Weg für gefahrlose Koexistenz geebnet: Am 16. Dezember 2010wird am Kolben die erste beschneite Route exklusiv für Tourengeher eröffnet. Sie verläuft größtenteils parallel zur Piste – und quert die Abfahrt in einem eigens angelegten, 18 Meter langen Tunnel.

„Der Sicherheitsaspekt stand für uns an oberster Stelle“, so Franz Greiner, Betriebsleiter der Kolbensesselbahn. Angesichts der wachsenden Schar der Tourengeher ist es für ihn ein Gebot der Stunde, die Ströme vorausschauend zu lenken. Während früher Skibergsteiger die Einsamkeit der Gipfelwelt suchten, betreiben die meisten den Sport inzwischen als reines Fitnessprogramm und suchen die Pistennähe, damit sie ohne anspruchsvolle Tiefschnee-Herausforderungen wieder zurück ins Tal gelangen. Hinzu kommt, dass auf den Pisten selbst dann Schnee liegt, wenn es ringsum grünt.

Neben der Piste wurde in Oberammergau eine schmale Schneise für den separaten Tourengeher-Aufstieg geschaffen und die Beschneiungsanlagen werden so positioniert, dass die weiße Pracht bei Bedarf auch die neue Route berieselt. Die ist übrigens technisch einfach: Entlang der blauen Piste geht es entspannt im mäßig steilen Gelände nach oben. Start ist an der Talstation der Kolbensesselbahn, die 450 Höhenmeter bis zur Kolbensattelhütte schafft man in anderthalb Stunden. Dahinter beginnt das freie Tourengeher-Terrain, das allerdings neben Eigenverantwortung Kenntnis in Lawinenkunde ebenso voraussetzt wie Erfahrung mit Tiefschnee. Etwa eine Stunde dauert der Aufstieg zum Zahn, der Blick auf Zugspitze, Estergebirge, Ammergauer Alpen und bis hinein ins Graswangtal ist gigantisch. Aber für die meisten ist die Kolbensattelhütte das Ziel. Für Nachteulen hat die urige Einkehr in dieser Saison übrigens erstmals dienstags und donnerstags bis 22.30 Uhr geöffnet.

Der Tunnel, in dem die Skibergsteiger auf dem Weg zur Hütte auf 18 Metern gefahrlos die Piste queren, ist 2,50 Meter hoch und 2,20 Meter breit. „Die Investitionen liegen bei 20.000 Euro, hinzu kommen die Arbeitsstunden fürs Vorbereiten und Ausschildern der neuen Route“, so Franz Greiner. Die jährlichen Betriebskosten für Unterhaltung und Beschneiung schätzt er auf 8.000 bis 10.000 Euro. Partner der Kolbensesselbahn im Sicherheits-Projekt sind der Ausrüster Dynafit, die Gemeinde Oberammergau sowie das Münchner Sporthaus Schuster, nach dem die Tour als „Schuster-Route am Kolbenlift“ auch benannt wird.

Mit der separaten Strecke schafft man in den Ammergauer Alpen als erster Region optimale Voraussetzungen für ein entspanntes Miteinander am Berg. Und wer mit Freunden unterwegs ist, die lieber Abfahren als Aufsteigen, kann nach der Skitour eine günstige 2-Stunden-Karte für 12 Euro lösen, um gemeinsam noch ein wenig dem Pistenspaß zu frönen. Übrigens: Beim Kauf eines Liftpasses werden zwei Euro aufs Parkplatzticket angerechnet. (FVA Ammergauer Alpen)



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen





Das könnte Sie auch interessieren:

Weitere Beiträge zum Thema: