30. Dezember 2010, Lechtal

Zum Winterwandern ins Tiroler Lechtal

Seine Tankstelle hat Charly immer dabei, wenn er mit seinen Gästen unterwegs ist. Zwar handelt der 50-Jährige keineswegs mit Benzin oder Diesel, sondern mit Sportartikeln. Doch neben seinem Beruf hat Karl-Heinz Perl, den hier im Tiroler Lechtal alle nur Charly nennen, auch eine Berufung. Und die heißt Winterwandern. Und das ist im ursprünglichsten Alpental Tirols, das sich an der Grenze zu Deutschland zwischen Reutte und Warth erstreckt, sprichwörtlich ein echter Renner. Weit über 100 Kilometer gespurter und geräumter Wege und darüber hinaus zahlreiche Routen für Schneeschuhwanderer und Tourengeher wollen begangen sein. Und dabei leistet Charlys mobile Tankstelle, die für jeden Mitläufer einen Schluck Hochprozentiges bereithält, wertvolle Dienste.

Keine Megaskilifte oder Skischaukeln, keine Betonkomplexe und Skibar-Monster: Das Lechtal bietet einen Winter der ruhigen Gangart, ohne Halligalli und Partywahn. Mancher Skilift ist hier noch im Dorf geblieben. Alpinskifahrer genießen die Pisten der talnahen, familienfreundlichen Skigebiete. In nur wenigen Minuten gelangt man zudem nach Warth, das sich nicht nur als Europas schneesicherstes Skigebiet rühmt, sondern fast 70 Pistenkilometer „am Stück“ zu bieten hat. Auch Karl-Heinz Perl, dessen Schwager Pepi Strobl noch vor wenigen Jahren als einer der besten Abfahrer der Welt um Platzierungen und Medaillen kämpfte, schätzt die Vielfalt des alpinen Angebots.

Doch wenn es dunkel wird im Lechtal, wenn das Mondlicht schimmert und der Schnee fällt, dann ist Charly nicht mehr zu halten. „Das musst du erleben, da musst du raus, Schnee und Wind spüren.“ Seine Lieblingsstrecke führt rund um seinen Heimatort Holzgau. Meist geht er mit Gästen, die sich beim Tourismusverband oder in Perls Sportgeschäft anmelden können, mit Schneeschuhen auf eine rund zweistündige abendliche Runde.

„Winterwandern ist geradezu eine Trendsportart geworden“, sagt auch Egon Brandhofer, der Tourismus-Obmann des Tales, das sich wie kaum ein zweites für diese sanfte Form der winterlichen Fortbewegung eignet. Geräumte Wege ohne Steigungen im weiten Talgrund oder Bergrouten hinauf bis auf 1.800 Meter – für jeden ist etwas dabei. Allerorten winkt dem müden oder hungrigen Wanderer köstlicher Lohn. Denn neben den zahlreichen Gasthäusern im Tal haben auch etliche Berghütten eigens für Winterwanderer geöffnet. Hoch oben erlebt man häufig sonnige Stunden, weitab vom Nebel niedrigerer Gefilde.

Auch Egon Brandhofer, der im Hauptberuf das Bergrestaurant „Sonnalm“ auf der Jöchelspitze in 1768 Meter Höhe führt, heißt immer mehr Winterwanderer willkommen. Für sie veranstaltet er eigens Vollmond- und Schneeschuhwanderungen auf „seinem“ Berg. Am Freitag heißt er mit kulinarischen Köstlichkeiten des Hauses eine andere Spezies von Winterwanderern willkommen – die Skitourengeher, die im Lechtal ebenfalls ihr Dorado finden.

Neben den rund 100 Kilometer langen Talwegen und den Bergrouten locken auch noch zahllose Varianten in fünf Seitentälern des Lechtals, die es zu entdecken gilt. Apropos entdecken. Es gibt da noch die stattliche Zahl von 260 Kilometern gespurter und präparierter Loipen im Tal, das viele an die urwüchsige Landschaft der Rocky Mountains erinnert. Der Hit ist die rund 50 Kilometer lange Lechtalloipe, die durchs gesamte Tal führt. Für den Rückweg gibt es für alle Inhaber der Gästekarte den kostenlosen Linienbus, den auch die Winterwanderer bei ihren Ausflügen sehr schätzen. „Das Auto kann Winterschlaf halten und der Urlauber ist trotzdem aktiv und mobil“, erklärt Michael Kohler, der Geschäftsführer des örtlichen Tourismusverbandes. Wer es auf den schmalen Latten auch mal sportlich will, der geht auf die Nordic-Wisbi-Strecke. Wisbi steht für die drängende Frage „Wie schnell bin ich?“. Mittels eingebauter Zeitmessung wird sie sowohl auf der 1,5 Kilometer- wie auf der Fünf-Kilometer-Runde beantwortet.

Zum Winter der ruhigen und erholsamen Art, wie er im Lechtal gepflegt wird, gehört neben einem Spaziergang durch den Raureif in den Lechauen auch eine andere Form des Skipasses – ein entschleunigtes Ticket. Mit dem sogenannten Wahl-Abo kann man sich innerhalb einer Woche vier Skitage aussuchen, an denen man auf die Piste geht. „Das verringert den Urlaubsstress“, erzählt Michael Kohler, „der Gast hat mehr Wahlfreiheit“

Die gibt es für ihn auch beim Thema Essen. Denn neun kreative Gastronomen haben sich zur Gruppe der Naturparkwirte zusammengeschlossen. Jeder hat sich verpflichtet, typische und möglichst viele Produkte der Region in der Küche zu verwenden. Auf den Speisekarten stehen nun Tiroler Spezialitäten, denen jeder Küchenmeister seine ganz besondere Note verleiht. Und wer alle neun Betriebe getestet und dies mittels „Genuss-Stempel“ nachgewiesen hat, erhält ein ganz besonderes Überraschungsgeschenk.

Auskunft: Lechtal Tourismus, A-6652 Elbigenalp, Tel. 0043-5634-5315, www.lechtal.at. (Lechtal Tourismus)



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