24. Januar 2011, Nordrhein-Westfalen

Karneval 2011 in Nordrhein-Westfalen steht vor der Tür

Bald beginnen sie wieder, die fleischlosen Wochen. Doch vorher wird in großen Teilen Nordrhein-Westfalens noch mal richtig auf den Putz gehauen: Der Karneval (carne vale = Fleisch lebe wohl!) läutet die vorösterliche Fastenzeit mit klassischen Prunk- und alternativen Stunksitzungen, einer „Stehung“, Wettläufen und Umzügen ein.

Den Anfang im Straßenkarneval macht der Bonner Stadtteil Graurheindorf, in dem schon am Abend des 25. Februars der „Geister-Zoch“ für schauerlich-schöne Atmosphäre sorgt. Den Auftakt zu den eigentlichen tollen Tagen bildet Weiberfastnacht am 3. März. An diesem Tag haben die Männer in allen Karnevalshochburgen nichts zu lachen – und nichts zu sagen. Sie büßen Macht und Krawatten ein und erhalten dafür im besten Fall ein „Bützje“ (Küsschen). Diese Tradition, die mittlerweile in vielen Städten und Gemeinde im Rheinland und in Westfalen gepflegt wird, hat ihren Ursprung in Bonn: 1824 schlossen sich die Beueler Wäscherinnen zusammen, um eine Teilnahme am bislang rein männlichen Karneval zu erreichen. Noch heute ist die Stürmung des Rathauses durch die Wäscheprinzessin nicht nur der Startschuss für den Straßenkarneval, sondern eine der Hauptattraktionen in Bonn (www.festausschuss.de, www.bonn-region.de).

Höhepunkte des närrischen Treibens sind die Rosenmontagszüge am 7. März. „Köln hat was zu beaten“ ist zum Beispiel das diesjährige Motto der Domstadt. Kölner Karneval ist fast so alt wie die Geschichte der Stadt selbst. So organisiert wie heute feiert man jedoch erst seit rund 180 Jahren. Etwa 180 Karnevalsgesellschaften, Heimatvereine, Stadtviertelgemeinschaften feiern in rund 600 Sitzungen, Bällen und Umzügen. Wer an einer der vielen Sitzungen teilnehmen, einen Karnevalsball besuchen oder den Straßenkarneval kennen lernen möchte, kann das „Kölle-Alaaf-Paket“ von KölnTourismus nutzen: Eine Hotelübernachtung mit Frühstück und Köln WelcomeCard kosten ab 70 Euro. In Verbindung damit sind Pappnase, Karnevals-T-Shirt und Kölsch-Glas für 11,11 Euro erhältlich. Beide Angebote sind ab sofort bis Veilchendienstag buchbar. An diesem Tag finden in den Kölner Vororten die letzten Umzüge von maskierten Gruppen und Vereinen statt. Danach wird gefeiert, bis um Mitternacht unter großem Wehklagen der „Nubbel“ verbrannt wird, eine Symbolfigur, die für die Sünden des Karnevals steht. Bei KölnTourismus gibt es einen Flyer in vier Sprachen, in dem der Ablauf der „Tollen Tage“ von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch beschrieben ist, sowie eine Karnevalsbroschüre, die (fast) alle Termine für Sitzungen, Bälle, Umzüge und Parties, auch zum alternativen Karneval, enthält. Die Broschüre ist für 3,95 bei KölnTourismus erhältlich (www.koelntourismus.de , Tel. 0221/221 30400).

Anders als in Bonn und Köln schallt es in Düsseldorf nicht „Alaaf!“, sondern „Helau!“. Aber das tut der Stimmung keinen Abbruch: Zwischen „Hoppeditz-Erwachen“ am 11.11. – der Düsseldorfer Erzschelm eröffnet traditionell die Session – und seiner Beerdigung am Aschermittwoch finden über 300 Karnevalssitzungen und Kostümbälle statt. Der Samstag, 5. März, gehört Männern in hochhackigen Schuhen und Frauenkleidung, die beim „Tuntenlauf“ auf der Kö einen Parcours bewältigen. Auch am Sonntag bleibt die Königsallee in Narrenhand, wenn sich mehrere hunderttausend Menschen zum Feiern und Schunkeln auf dem Prachtboulevard treffen. Fast eine Million Menschen sind in Düsseldorf auf den Beinen, wenn die Karnevalssession mit dem Rosenmontagszug ihren absoluten Höhepunkt erreicht. Motto in diesem Jahr: „Jebuddelt, jebaggert, jebützt“
(www.comitee-duesseldorfer-carneval.de, www.duesseldorf-tourismus.de).

In Aachen gibt es neben den vielen traditionellen Sitzungen auch eine „Stehung“: Bei der „Carnevale“ am 4. Februar ist neben der Tanzfläche eine Programmbühne aufgebaut, so dass die Besucher wie auf einem Pop- und Rockkonzert im Stehen feiern. 1998 eingeführt, gehört sie inzwischen mit mehr als 3.000 Gästen zu den größten Veranstaltungen im Aachener Karneval. Weit über regionale Grenzen hinaus bekannt ist die Verleihung des „Orden wider den tierischen Ernst“, die in diesem Jahr am 19. Februar vorgenommen wird. Die Auszeichnung für „Humor und Menschlichkeit im Amt“ geht dann an Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Es ist der einzige Orden, der nicht für etwas, sondern gegen etwas verliehen wird und jedes Jahr zahlreiche Zuschauer vor den Fernseher lockt. Karten für die Aftershow-Party und die „Carnevale“ sowie für viele weitere Veranstaltungen gibt’s beim Aachener Karnevalsverein (www.akv.de). Nachwuchsnarren ziehen am Tulpensonntag, 6. März, durch die Stadt. Seit 1938 macht sich der Kinderkostümzug auf den Weg durch die Kaiserstadt (www.aachen-tourist.de).

In der Eifel gehen zu Karneval Gespenster um: Am Karnevalssamstag setzt sich in Blankenheim an der Ahr der traditionelle Geisterzug in Bewegung. Bei bengalischem Feuer- und Fackellicht nehmen sie am Abend des 5. März Besitz vom historischen Burgort. Wer als Geist mit durch die mittelalterlichen Gassen springen möchte, benötigt lediglich die traditionelle Kostümierung: Ein weißes Bettlaken und eine Kordel müssen mitgebracht werden, eine Pechfackel gibt’s gegen eine Gebühr am Rathauseingang (www.blankenheim-ahr.de, Tel. 02449/87222).

Münster ist eine Metropole des Westfälischen Karnevals, der dort mit dem traditionellen Rosenmontagsumzug seinen Höhepunkt erreicht. 100 Wagen, Fußgruppen und Spielmannszüge aus Münster, dem Münsterland und aus den Niederlanden machen den Umzug zu einem der größten in Westfalen (www.bmk-muenster.de, Tel.: 02507/2919). Das erste Karnevalsmuseum in Westfalen kann das Trauern der Narren am Aschermittwoch lindern: Das ganze Jahr über bietet die Ausstellung in Münster Einblicke in die westfälische und rheinische Narrenzeit. Besichtigungen sind nach Vereinbarung möglich, Führungen können unter der Telefonnummer 0251/31 59 27 vereinbart werden (www.kgpaohlbuerger.de).

Der Paderborner Karneval feiert in diesem Jahr ein großes Jubiläum. Dokumente aus dem Paderborner Stadtarchiv belegen, dass schon im Jahr 1567 ein Karnevalsumzug stattgefunden hat. Daher feiert der Paderborner Drei-Hasen-Karnevalsverein in diesem Jahr unter dem Motto „444 Jahre Tradition – die ‘Drei Hasen’ wussten es schon!“ Höhepunkt der tollen Tage in Paderborn ist die Karnevalsparade am 5. März um 14.14 Uhr. Die Paderborner Narren werden mit vielen bunten Fußgruppen und Wagen unter Führung des Mümmelprinzenpaares mit donnerndem „Hasi-Palau“ durch die Paderborner Innenstadt ziehen (www.hasi-palau.de). Mit einer Besonderheit kann der Karneval in Beverungen im Kreis Höxter aufwarten: Der Große Rosenmontagsumzugs führt durch zwei Bundesländer. Seinen Ausgangspunkt hat der Zug in Lauenförde auf der niedersächsischen Seite der Weser. Er führt dann über die Weserbrücke, wo die Grenze zu Nordrhein-Westfalen überschritten wird, nach Beverungen. Der Zug ist so lang, dass sich die ersten Karnevalisten schon weit im nordrhein-westfälischen Beverungen tummeln, während viele Narrengruppen noch in Niedersachsen auf den Aufbruch warten (www.beverungen.de).

Und auch das Sauerland ist jeck. Sehr viele Orte haben Festzüge zu bieten. Die Stadt Attendorn etwa präsentiert mit gut 2.000 Zugteilnehmern und mehr als 30 Wagen einen der größten Karnevalsumzüge im Sauerland, der traditionell am Veilchendienstag stattfindet. Mehr als 20.000 Zuschauer feiern dabei den Straßenkarneval in den Straßen der alten Hansestadt (www.die-kattfiller.de). In Menden gibt es im „Teufelsturm“ auch ein Karnevalsmuseum mit einer Dokumentation über die westfälische Fastnacht und ihre Geschichte (www.mkg-kornblumenblau.de/museum). Am „Rasenmähertreckerumzug“, der Rosenmontag durch Eslohe-Reiste führt, kann jeder teilnehmen, der mag, auch spontan und kurzentschlossen. Denn es wird kein Motto vorgegeben und eine Anmeldung ist nicht erforderlich (http://pulau.reiste.net/rosenmontag/teilnehmer.php). (nrw-tn)



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