20. März 2011, Polen

Wasserfeste Kleidung notwendig: Polen feiert Ostermontag feucht-fröhlich

Wer am Ostermontag durch polnische Städte flaniert, sollte auf wasserfeste Kleidung achten. Śmigus-dyngus heißt die weit verbreitete Sitte, Mädchen und junge Frauen an diesem Tag mit Wasser zu bespritzen. Abgesehen davon ist das Osterfest in unserem Nachbarland in erster Linie ein freudig-besinnliches Familienfest. In mehreren Orten wetteifern die Bewohner um die schönste Osterpalme.

Wer polnische Sitten und Bräuche einmal hautnah erleben möchte, dem sei ein Besuch während der Osterzeit empfohlen. Denn für viele Polen ist nicht Weihnachten der festliche Höhepunkt des Jahres, sondern die Osterwoche. Schokoladenhasen und Eiersuche sind in weiten Teilen des Landes eher unbekannt. Doch auch ohne sie bereiten die farbenfrohen Traditionen und die schmackhaften Speisen ein wahres Fest für die Sinne.

Der Palmsonntag läutet den Beginn der Karwoche ein. Wie in vielen anderen Regionen der Welt fertigen die Gläubigen zu diesem Fest symbolische Osterpalmen an. Die polnische Variante dieses Brauches ist aber ungleich farbenprächtiger. Insbesondere die Osterpalmen der Kurpie in Nordostmasowien und der Góralen in Kleinpolen sind ein wahrer Augenschmaus. Die traditionell aus knospenden Weidenruten hergestellten Palmen werden hier mit farbigen Blüten, Blättern und Gräsern geschmückt.

An manchen Orten, wie zum Beispiel dem kleinpolnischen Lipnica Murowana, liefern sich die Osterpalmenbauer sogar kuriose Wettkämpfe. 2010 wurde hier mit 35,10 Metern der bisherige Rekord der höchsten Osterpalme Polens eingestellt. Die Höhe der Palme soll sich nach einem alten Glauben positiv auf die Lebenserwartung der Erbauer auswirken. Die schönsten Osterpalmen werden jedes Jahr im Kurpendorf Łyse in Polens Nordosten gekürt. Hier sind es vor allem die Frauen des Ortes, die oft schon zu Beginn der Fastenzeit für ihre Osterpalmen die ersten Blüten und Schmuckelemente aus buntem Papier herstellen.

Das Ende der Fastenzeit geht in manchen polnischen Orten noch mit dem Brauch des Vergrabens von Śledź einher. Der sauer eingelegte Hering war über Jahrhunderte eine traditionelle Speise während der Fastenzeit. Mit dem rituellen Begräbnis will man sich so für die Eintönigkeit an ihm „rächen”. In einigen Regionen Polens ist es Brauch, den Hering an einen Baum zu nageln.

Auch wenn es sich bei Ostern um das wichtigste christliche Hochfest handelt, haben sich bis heute noch viele Volksbräuche erhalten, deren Ursprung teilweise in vorchristliche Zeiten zurückreicht. Dazu zählt auch das Bemalen der „Pisanki“, der Ostereier. Wie in anderen Ländern Europas ist das Ei das Ostersymbol schlechthin. Mit den kunstvoll verzierten Kleinodien verbinden sich in Polen verschiedene Bräuche. So soll das dreifache Umrunden des eigenen Hauses mit einem gesegneten Osterei einem ostpolnischen Glauben zufolge ein sicheres Mittel gegen das Böse sein. Das Verspeisen von Ostereiern mit ganzen Meerrettichstückchen soll helfen, den Körper zu reinigen und somit die Sünden aus ihm zu vertreiben.

Meerrettich in verschiedenen Formen, zum Beispiel als „Ćwikła“, einer cremigen Paste mit Roter Beete, darf auf keinem Ostertisch fehlen. Das polnische Ostermahl beginnt direkt nach der Ostermesse mit einem opulenten Frühstück, das die Fastenzeit auch kulinarisch beendet. Nach einem weit verbreiteten Brauch lässt man zumindest einen Teil der Speisen, die zum Osterfrühstück gereicht werden, am Vortag in der Kirche segnen. Die „Święconka“, neben Eiern und Meerrettich vor allem verschiedene Wurstsorten und kalter Braten, Brot, Butter und Salz, werden mit allen Familienmitgliedern am Frühstückstisch geteilt. Obligatorisch ist der Osterbraten, der je nach Region recht unterschiedlich sein kann, aber in ganz Polen gerne mit einem guten Wódka heruntergespült wird.

Feuchtfröhlich, aber ganz ohne Alkohol, geht es am Ostermontag zu. Śmigus-dyngus heißt der auf altslawische Traditionen zurückgehende Brauch, bei dem man sich gegenseitig mit Weidenruten peitscht und mit Wasser bespritzt. Was ursprünglich wahrscheinlich ein Reinigungsritual zum Frühjahrsbeginn war, hat sich über das Abwaschen der Sünden hin zu einem neckischen Vergnügen vor allem für Kinder und Jugendliche entwickelt.

Informationen:
Die Wettbewerbe um die schönsten Osterpalmen in Łyse und Lipnica Murowana werden am Palmsonntag, dem 17. April, entschieden. Auf dem berühmten Marktplatz in Kraków (Krakau) findet vom 15. bis 25. April ein großer Oster-Markt mit kunsthandwerklichen und österlichen Produkten statt. In Polen ist der Karfreitag anders als in Deutschland kein Feiertag. An Ostersonntag und -montag sind nicht nur die meisten Geschäfte sondern auch zahlreiche Cafés und Restaurants geschlossen. Allgemeine Auskünfte über Reisen nach Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt, www.polen.travel (FVA Polen)



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