14. April 2011, Polen

Reise durch Polen auf den Spuren von Johannes Paul II

„Santo subito“ riefen die Gläubigen bei der Beisetzung von Johannes Paul II. Nun wird der in Polen geborene Karol Wojtyła am 1. Mai 2011 von seinem Nachfolger Papst Benedikt XVI. selig gesprochen. Viele Tausend Pilger aus Polen werden zu diesem Ereignis in Rom erwartet. Doch auch in Polen selbst wird das Ereignis die Menschen bewegen. Dort besitzt Johannes Paul II. sechs Jahre nach seinem Tod eine ungebrochene Popularität. Sein Geburtshaus in Wadowice und frühere Wirkungsstätten in Kraków (Krakau) sind beliebte Ziele von in- und ausländischen Touristen geworden.

Erste Station einer Reise auf den Spuren von Johannes Paul II. durch Polen ist sein Geburtshaus in der westlich von Kraków gelegenen Kleinstadt Wadowice. Karol Wojtyła wurde hier am 18. Mai 1920 geboren. Viele Tausend Pilger und Touristen aus dem In- und Ausland haben in dem ehemaligen Wohnhaus bereits die Ausstellung mit persönlichen Erinnerungsstücken und Dokumenten des Papstes besucht. Seit dem vergangenen Herbst wird das Gebäude umfassend saniert, bis 2012 soll dort ein Museum mit einer vergrößerten Ausstellungsfläche entstehen. Bis dahin befindet sich eine Nachbildung der Wohnung der Wojtyłas in der nahe gelegenen Pfarrei. Die Ausstellung dort ist täglich außer montags von 9 bis 18 Uhr (Winterhalbjahr bis 16 Uhr) zu besichtigen.

Ein Rundgang auf den Spuren von Karol Wojtyła führt auch in die barocke Basilika in Wadowice, in der er getauft wurde und die er später bei
seinen Reisen nach Polen mehrfach besuchte. Vor der Kirche erinnert ein Denkmal an Papst Johannes Paul II. Eine Ausstellung im Städtischen Museum zeigt das Wadowice in der Jugendzeit von Karol Wojtyła. Im heutigen Rathaus am Marktplatz befand sich früher die Knabenschule, die der junge Karol in den Jahren 1926 bis 1930 besuchte. Danach wechselte er in das Gymnasium, das sich bis heute in der ul. Mickiewicza 16 befindet. Nach dem Examen gönnte sich Karol einige Cremetörtchen in der ehemaligen Konditorei von Karl Hagenhuber am heutigen plac Jana Pawła II. Die Konditorei existiert nicht mehr, aber die von Karol Wojtyła so geliebten Cremeschnitten kann man heute als „Papsttörtchen“ in der ganzen Stadt kaufen.

Nicht weit von Wadowice entfernt, auf dem Weg nach Krakau, liegt der Kalvarienberg Kalwaria Zebrzydowska. Die Anlage mit dem Kloster und insgesamt 41 Kapellen, die den Leidensweg Christi markieren, gehört seit dem Jahr 2000 zum Welterbe der UNESCO und ist eine der meistbesuchten Pilgerstätten Polens. Karol Wojtyła hatte sich hier schon als junger Mann mehrfach aufgehalten und besuchte die Wallfahrtstätte auch als Krakauer Erzbischof und Papst mehrfach. Vor der Anfang des 17. Jahrhunderts erbauten Basilika erinnert eine Statue an ihn.

Als 18-jähriger zog Wojtyła mit seinem Vater nach Krakau, begann dort sein Studium an der Jagiellonen-Universität und schloss sich einer Theatergruppe an. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er zur Zwangsarbeit in einem nahen Steinbruch und einer Chemiefabrik verpflichtet, studierte im Untergrund weiter und trat ins geheime Priesterseminar der Erzdiözese ein. Er empfing nach Kriegsende heimlich die Priesterweihe, promovierte und lehrte ab 1953 als Professor für Moraltheologie in Krakau. 1958 wurde er Bischof, 1964 Erzbischof von Krakau und schließlich 1978 zum Papst gewählt.

Bei Spaziergängen auf den Spuren von Papst Johannes Paul II. kann man viele Erinnerungen an sein 40-jähriges Wirken als Student, Arbeiter, Schauspieler, Priester, Bischof und Papst in der alten Königsstadt finden. Die offizielle Route umfasst 25 Stationen. Sie reicht von einem Wohnhaus in der ul. Tyniecka 10, wo Karol zusammen mit seinem Vater 1938 seine erste Wohnung bezog, über den Steinbruch im Stadtteil Zakrzówek, wo er als Zwangsarbeiter tätig war, bis zur Wawel-Kathedrale, in der er schon 1946 seine erste Heilige Messe las und später als Erzbischof wirkte.

Eine wichtige Station auf der Krakauer Papstroute ist der Bischofspalast in der ul. Franciszkańska 3. Karol Wojtyła war dort seit 1958 als Bischof und später als Erzbischof tätig und wohnte dort auch bei seinen späteren Besuchen als Papst Johannes Paul II. Direkt neben seinem früheren Amtssitz befindet sich die 1981 von ihm gegründete Päpstliche Theologische Akademie. Seit 1951 wohnte Wojtyła in der ul. Kanonicza 19, als Bischof zog er in das benachbarte Dechanten- Haus in Nr. 21. Die beiden Häuser beherbergen heute das Erzbischöfliche Museum, in dem auch zahlreiche Objekte gezeigt werden, die mit Johannes Paul II. verbunden sind.

Eine besondere Bedeutung hat die Stadtwiese Błonia. Dort versammelten sich wenige Tage nach dem Tod von Johannes Paul II. rund eine Million Menschen. Auf dem zweiten Weißen Marsch waren sie vom Krakauer Marktplatz dorthin gezogen, um an einer Danksagungsmesse teilzunehmen. Der erste Weiße Marsch hatte schon im Mai 1981 nach dem Attentat auf den Papst stattgefunden. Auf der Błonia-Wiese trafen sich auch Hunderttausende Gläubige bei den Besuchen des Papstes in seiner Heimatstadt.

Tipp:
Bei der Krakauer Touristenauskunft gibt es einen kostenlosen deutschsprachigen Reiseführer zu den Stätten, die mit Johannes Paul II. in der Stadt verbunden sind. Auf der Website www.krakow.pl sind diese und weitere Broschüren auch zum Download verfügbar. Krakau ist ein guter Ausgangspunkt für Reisen nach Wadowice und Kalwaria Zebrzydowska. In Warschau wird am 1. Mai anlässlich der Seligsprechung das größte Porträt von Johannes Paul II. am Tempel der göttlichen Vorsehung enthüllt. Es wird aus über 500.000 Fotos von Gläubigen zusammengesetzt. (FVA Polen)



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